Türkeibesuch Wulffs: Kirchliche Kritik an geplanter Feier in Tarsus

Pfarrer in Antalya nennt Ökumenischer Gottesdienst in der

Pauluskirche reine „Symbolpolitik" ohne Bezug zu realen Problemen der Christen im Land

Istanbul (DT/KNA) Die deutsche Gemeinde in Antalya will beim Türkei-Besuch von Bundespräsident Christian Wulff nicht an einem geplanten ökumenischen Gottesdienst in der Pauluskirche von Tarsus teilnehmen. Eine solche Veranstaltung laufe auf reine „Symbolpolitik“ hinaus, da es in Tarsus ohnehin keine Christen gebe, sagte Gemeindepfarrer Rainer Korten am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Deutsche Politiker täten besser daran, einmal eine christliche Gemeinde in der Türkei zu besuchen, um sich über deren Probleme zu informieren, empfahl Korten. Der katholische Pfarrer arbeitet seit sieben Jahren im südtürkischen Antalya, nachdem er als erster ausländischer Geistlicher eine türkische Arbeitsgenehmigung erhalten hatte.

„Kein deutscher Politiker hat sich je hier blicken lassen“

Seine Gemeinde Sankt Nikolaus besteht überwiegend aus älteren Deutschen, die sich an der türkischen Riviera niedergelassen haben. Weder bei seiner Gemeinde noch bei türkischen Christengemeinden in Antalya oder anderswo habe sich je ein deutscher Politiker blicken lassen, so Korten. Nur der orthodoxe Patriarch von Konstantinopel Bartholomaios I. werde - offenbar aus Prestigegründen – stets besucht. „Aber wenn sie wirklich etwas über die Realität hier wissen wollten, dann sollten sie doch einmal die Menschen fragen.“ Korten äußerte die Hoffnung, dass die „erheblichen Schwierigkeiten“, mit denen Christen in der Türkei im Alltag zu kämpfen hätten, bei dem Wulff-Besuch zur Sprache kommen. „Symbolpolitik ändert nichts, sondern nur klare Forderungen für die Freiheit der Christen hier, wie sie Muslime in Deutschland genießen“, so der Pfarrer. Wulff besucht die Türkei vom 18. bis 22. Oktober.

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