Tagesheiliger: 9. Februar: Anna Katharina Emmerik

Von Katrin Krips-Schmidt

Die selige Anna Katharina Emmerik (auch: Emmerich) kam um den 8. September 1774 als fünftes von neun Geschwistern in der Coesfelder Bauerschaft Flamschen zur Welt. Schon als Kind musste die Tochter armer Eltern im Haushalt und auf dem Hof mithelfen. Der Vater war erstaunt, als das kleine Mädchen ihm abends auf seine Aufforderung „Annthricken, nu bis du in min Kämmerken, nu vertell mi wat“, lebhaft von Begegnungen mit dem Schutzengel, den armen Seelen oder dem kreuztragenden Heiland berichtete. Obwohl Katharina keine Möglichkeit hatte, mehr als ein halbes Jahr regelmäßig den Unterricht in einer Schule zu besuchen, sprach sie neben dem heimischen Münsterländer Platt auch Hochdeutsch. Als junges Mädchen arbeitete sie drei Jahre lang auf einem Bauernhof, bevor sie bei einer Näherin in Coesfeld eine Anstellung fand und in dieser Tätigkeit selbst auf Wanderschaft ging.

Schon früh lernte Katharina, ihren eigenen Kreuzweg zu gehen. Sehnlichst hoffte das fromme Mädchen, sich einem Orden anschließen zu können. Doch ohne die dafür erforderliche Mitgift schien sich dieser Wunsch zunächst nicht zu erfüllen. Nach vielen Ablehnungen nahm man Katharina schließlich im Alter von 28 Jahren bei den Augustinerinnen in Dülmen auf, wo sie 1803 die feierliche Profess ablegte. Sie war am Ziel ihrer Träume, auch wenn sie die Abneigung ihrer Mitschwestern tagtäglich zu spüren bekam, die die schwächliche, häufig kranke junge Frau kritisch betrachteten und tadelten. 1811 wurde ihr Konvent infolge der Säkularisation aufgehoben, die religiösen Orden wurden verboten. Katharina kam in Dülmen bei einer Witwe unter. Zu dieser Zeit fiel Katharina immer wieder in Ekstasen, empfing Visionen und erlebte die Geschichte des Alten Testamentes und der Evangelien mit einer solch tiefen inneren Anteilnahme, dass sich dies auch in körperlichen Erscheinungen und Merkmalen manifestierte. Es zeigten sich bei ihr die Wundmale Christi, die Stigmata – Katharina trug zudem unter starken Schmerzen die Dornenkrone, deren Spuren sie unter einem Verband vor ihrer Umgebung verbarg. Infolge ihrer strengen Askese – Katharina nahm in ihren letzten Lebensjahren außer der täglichen heiligen Kommunion kaum oder gar keine Nahrung zu sich – und der immer wieder aufbrechenden blutenden Wunden verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand noch mehr, so dass sie das Bett nicht mehr verlassen konnte.

1813 wurde öffentlich, dass Katharina die Wundmale Christi trug. Um in einer Zeit, in der man der Kirche mit einer großen Feindseligkeit gegenüberstand, nach einer Erklärung für ihren Zustand und für ihre Visionen zu suchen, weilten insgesamt mehr als 30 Ärzte und Wissenschaftler an Katharinas Liegestatt. Es waren Katholiken, Protestanten und auch Atheisten. Einer von ihnen war Franz Wesener, ein Skeptiker, der Katharina als „Betrügerin“ entlarven wollte. Nach seinem Besuch der Bettlägerigen fand er wieder zu Gott, wurde zu einem treuen Freund der Mystikerin und zeichnete von 1813 bis 1819 fast täglich seine Beobachtungen auf, die für uns heute ein kostbares Zeugnis darstellen. Dem Dichter Clemens von Brentano, der Katharina ebenfalls besuchte, schilderte sie ihre Erscheinungen und „Gesichte“, die der Schriftsteller zu Werken wie „Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus“ und „Das Leben der heiligen Jungfrau Maria“ verarbeitete.

Katharina, die von den einen bereits zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt, von anderen jedoch mit äußerster Skepsis betrachtet wurde, starb am 9. Februar 1824 in Dülmen. Am 3. Oktober 2004 erhob Papst Johannes Paul II. Anna Katharina Emmerick in den Stand der Seligen.

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