Symbol unseres Weges

Der Heilige Vater ermutigt zur täglichen Lektüre des Evangeliums: Ansprache beim Regina Coeli am 4. Mai 2014

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das Evangelium des heutigen dritten Sonntags der Osterzeit ist das Evangelium von den Emmausjüngern (vgl. Lk 24, 14–35). Diese waren zwei Jünger Jesu, die nach seinem Tod und nach dem Samstag Jerusalem verlassen und traurig und niedergeschlagen in ihr Dorf zurückkehren. Entlang des Wegs kam der auferstandene Jesus hinzu, doch sie erkannten ihn nicht. Da er sie so traurig sah, half er ihnen zuerst zu verstehen, dass das Leiden und der Tod des Messias im Plan Gottes vorgesehen und in der Heiligen Schrift angekündigt worden waren; und so entzündete er erneut das Feuer der Hoffnung in ihren Herzen.

An diesem Punkt verspürten die Jünger dem geheimnisvollen Mann gegenüber eine außerordentliche Anziehung, und sie luden ihn ein, an jenem Abend bei ihnen zu bleiben. Jesus nahm an und ging mit ins Haus hinein. Und als er mit ihnen bei Tisch war, das Brot segnete und es brach, erkannten sie ihn, doch er verschwand vor ihren Augen und ließ sie voller Staunen zurück. Nachdem sie vom Wort erleuchtet worden waren, hatten sie den auferstandenen Jesus im Brechen des Brotes erkannt, dem neuen Zeichen seiner Gegenwart. Und sofort verspürten sie das Bedürfnis, nach Jerusalem zurückzukehren, um den anderen Jüngern diese ihre Erfahrung mitzuteilen, dass sie dem lebendigen Jesus begegnet waren und ihn in jener Geste des Brotbrechens erkannt hatten.

So wird der Weg nach Emmaus zum Symbol unseres Glaubensweges: Die Schrift und die Eucharistie sind die Elemente, die für die Begegnung mit dem Herrn unverzichtbar sind. Auch wir kommen oft in die Sonntagsmesse mit unseren Sorgen, mit unseren Schwierigkeiten und Enttäuschungen... Bisweilen verletzt uns das Leben und wir gehen traurig weg, hin zu unserem „Emmaus“, und wenden dem Plan Gottes den Rücken zu. Wir entfernen uns von Gott. Doch uns empfängt der Wortgottesdienst: Jesus erklärt uns die Schrift und entzündet in unseren Herzen erneut die Glut des Glaubens und der Hoffnung, und in der Kommunion gibt er uns Kraft. Wort Gottes, Eucharistie. Jeden Tag einen Abschnitt aus dem Evangelium lesen. Denkt daran: Jeden Tag einen Abschnitt aus dem Evangelium lesen, und an den Sonntagen zur Kommunion gehen, um Jesus zu empfangen. So ist es den Emmausjüngern ergangen: Sie haben das Wort aufgenommen; sie haben das Brechen des Brotes geteilt, und traurig und niedergeschlagen, wie sie sich fühlten, sind sie freudig geworden. Immer, liebe Brüder und Schwestern, erfüllen uns das Wort Gottes und die Eucharistie mit Freude. Ruft es euch gut ins Gedächtnis! Wenn du niedergeschlagen bist, nimm das Wort Gottes und geh zur Sonntagsmesse, um die Kommunion zu empfangen, um am Geheimnis Jesu Anteil zu nehmen. Wort Gottes, Eucharistie: sie erfüllen uns mit Freude.

Durch die Fürsprache der allerseligsten Maria wollen wir beten, dass jeder Christ die Erfahrung der Emmausjünger besonders in der Sonntagsmesse wieder erlebt und so die Gnade der verwandelnden Begegnung mit dem Herrn neu entdeckt, mit dem auferstandenen Herrn, der immer bei uns ist. Es gibt immer ein Wort Gottes, das uns Orientierung schenkt, nachdem wir herumgeschleudert worden sind, und über unsere Müdigkeiten und Enttäuschungen hinweg gibt es immer ein gebrochenes Brot, das uns auf dem Weg weitergehen lässt.

Übersetzung aus dem Italienischen

von Ludwig Ritter

Themen & Autoren

Kirche