„Schon immer ein Brückenbauer“

Erleichterung nach der raschen Ernennung Konrad Zdarsas zum Nachfolger Walter Mixas – Einführung erst am 23. Oktober Von Regina Einig

Würzburg (DT) Papst Benedikt XVI. hat auf die prekäre Lage des Bistums Augsburg außerordentlich rasch reagiert. Mit der Ernennung des Görlitzer Bischofs Konrad Zdarsa zum Nachfolger des im April zurückgetretenen Augsburger Oberhirten Walter Mixa hat der Papst am Donnerstag Befürchtungen zerstreut, eine lange Sedisvakanz könnte die Fronten innerhalb der Diözese verhärten. Das Augsburger Domkapitel hatte nach Angaben der stets bestens informierten „Augsburger Allgemeinen“ Weihbischof Anton Losinger und Prälat Bertram Meier als Nachfolger von Mixa vorgeschlagen. Doch einem von bistumsinternen Querelen unbelasteten Hirten von außen wurden von Anfang an höhere Chancen eingeräumt. Der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz Erzbischof Reinhard Marx äußerte sich in seinem Gratulationsschreiben erfreut darüber, „dass ein erfahrener Mitbruder das große Bistum leiten wird“. Die überwältigende Mehrheit der Gläubigen warte auf einen Bischof, der Mut mache zum Glauben und zum Leben in der Gemeinschaft des Volkes Gottes.

Dass diese Gemeinschaft mitunter hart geprüft werden kann hat der 1974 in Dresden zum Priester geweihte Zdarsa schon in der DDR erfahren. 1944 als siebtes Kind einer aus der Steiermark und Sachsen stammenden Familie geboren, machte er nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Dreher. Zdarsa bringt neben vielen Jahren pastoraler Erfahrung in der Diaspora auch römisches Kapital mit: Da er auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, konnte der Geistliche noch zu DDR-Zeiten 1977 zum Weiterstudium in die Ewige Stadt gehen. An der Päpstlichen Universität Gregoriana promovierte er über die erforderliche Reife beim Empfang des Firmsakraments in der Disziplin der Kirche des 20. Jahrhunderts. Von 2004 bis 2007 war er Verwaltungschef im Bistum Dresden-Meißen, ehe Papst Benedikt XVI. ihn 2007 zum Bischof des 1994 gegründeten Bistums Görlitz ernannte. Mit 30 000 Katholiken ist es die kleinste deutsche Diözese. In Augsburg eingeführt wird Zdarsa erst am 23. Oktober. Begründet wird der späte Termin, der jenseits der kirchenrechtlich vorgesehenen Dreimonatsfrist liegt, mit „Terminschwierigkeiten“. Doch unterstreicht das Bistum: „Wir wollen ihn mit offenem Herzen aufnehmen.“

Zdarsa erklärte am Freitag gegenüber dieser Zeitung, er sei nicht angetreten, um Recherchen über die Vergangenheit anzustellen. Es werde mit Sicherheit „einen kommunikativen und personellen Neuanfang geben, der auch Signalwirkung auf andere hat“. Als Bischof von Augsburg werde er niemals seine „Entscheidung von den Entscheidungen anderer oder dem Versagen anderer abhängig machen“. Als größte Aufgabe bezeichnet es Zdarsas, „Nähe zu den Gläubigen“ zu gewinnen.

Bischof Joachim Reinelt von Dresden-Meißen zufolge kann sich das Bistum Augsburg „auf einen guten Hirten freuen“. Keine Frage: Die ersten Reaktionen auf die Ernennung Zdarsas zeichnen das Bild eines „weltoffenen und verständigen Hirten“ (Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg), mit „theologischer Klarheit“ (Bischof Gregor Maria Hanke OSB von Eichstätt) und zugleich wertkonservativen und verwaltungserfahrenen Kirchenmannes. Der designierte Oberhirte von Augsburg, ein Freund des unvergessenen Fuldaer Erzbischofs Johannes Dyba (1929–2000), habe dem Bistum Görlitz durch seine „herzliche Zuwendung zu den Menschen“ eine Zukunftsperspektive gegeben, schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Diese Qualitäten seien nun auch in Augsburg gefragt. Und der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann, einer der ersten Gratulanten, würdigt Zdarsas „tiefe Gläubigkeit, sein solides theologisches Wissen und seine klaren administrativen Fähigkeiten“. Der als Domkapitular und Generalvikar erfahrene designierte Bischof von Augsburg bringe die besten Fähigkeiten dafür mit, dass die vielen Verwundungen und Spaltungen in seiner neuen Diözese geheilt und überwunden würden. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verweist auf den Leitspruch Zdarsas aus dem Epheserbrief „Denn ER ist unser Friede“: „ein gutes Programm für die anstehenden Aufgaben im Bistum Augsburg.“

Zdarsa, nach Medienberichten ein Cousin des CSU-Politikers Thomas Goppel, pflegt gute Kontakte nach Bayern und insbesondere nach Regensburg. Hier lebt seit 1969 sein älterer Bruder Franz Johann, langjähriger Mesner von St. Anton. Für die neue Aufgabe, von der Franz Johann Zdarsa aus dem Radio erfuhr, wünscht er seinem Bruder Gesundheit, Standfestigkeit und ein paar ruhige Tage zum Nachdenken: „Mein Bruder war schon immer ein Brückenbauer“.

Scheu vor klaren Worten kennt Zdarsa allerdings ebenso wenig wie sein Vorgänger: So befürwortete Zdarsa einen „anhaltenden Aufschrei über die Zahl der jährlich vorgenommen Abtreibungen“ und erklärte, jegliche Abtreibungspraxis wirke sich auf die Einstellung eines Volkes zum Gut des Lebens aus. Im vergangenen Jahr unterstützte er die Aktion „Gesicht zeigen“ der Sächsischen Zeitung gegen polenfeindliche Plakate der rechtsextremen NPD.

Auch vor eher unpopulären Mahnungen scheute er sich nicht. In der Debatte um den traditionalistischen Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson verteidigte er Benedikt XVI.. Mit seiner Entscheidung, die Exkommunikation von Williamson aufzuheben, habe er diesem einen Weg zu persönlicher Bekehrung eröffnet. Zugleich wies Zdarsa in diesem Zusammenhang die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an der Papst-Entscheidung zurück. Damit habe sie sich auf eine Ebene begeben, die ihr nicht zustehe.

Der Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold forderte nach Angaben der Katholischen Nachrichtenagentur, der designierte Bischof müsse sich vom Domkapitel und den diözesanen Räten vertrauensvoll beraten lassen. „Ich erwarte mir eine universelle Kommunikation mit allen Menschen in der Diözese.“

Der designierte Bischof von Augsburg, der es nach seiner Ernennung ablehnte, sich vor Journalisten zu seinem Vorgänger Walter Mixa zu äußern, ist auch für dessen Nachfolge als Militärbischof für die Bundeswehr im Gespräch. Eine Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz dazu steht aber noch aus.

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