Politischer Druck zeigt Wirkung

Vorsitzender der Indischen Bischofskonferenz: Situation der Christen hat sich verbessert
Foto: Symbolbild: | Angriffe auf Christen in Orissa haben die Regierungen westlicher Länder aufgeschreckt. Das Bild zeigt einen Dorfbewohner in den Trümmern seines Hauses.dpa
Foto: Symbolbild: | Angriffe auf Christen in Orissa haben die Regierungen westlicher Länder aufgeschreckt. Das Bild zeigt einen Dorfbewohner in den Trümmern seines Hauses.dpa

Stuttgart (DT/KNA) Die Situation der Christen in Indien hat sich nach Einschätzung der katholischen Bischofskonferenz des Landes deutlich verbessert. Grund sei der politische Druck der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten auf die indische Zentralregierung, erläuterte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Oswald Gracias, am Donnerstag vor Journalisten in Stuttgart.

Dort besuchte er Bischof Gebhard Fürst. In einigen indischen Bundesstaaten, vor allem in Orissa im Osten des Subkontinents, war es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Übergriffen sogenannter Hindu-Nationalisten gekommen. Die Gewalt gegen Christen hatte im August 2008 mit einem ungeklärten Mordanschlag auf einen radikalen Hinduführer begonnen. Im Bundesstaat Orissa wurden damals bei vermeintlichen Racheakten laut Behördenangaben mindestens 22 Christen getötet und viele verletzt.

Der Kardinal macht die Politik einzelner Bundesstaaten für die damaligen Entwicklungen verantwortlich. Die Religionen seien „politisch instrumentalisiert“ worden. Nachdem Behörden und Polizei zunächst nicht auf die Ausschreitungen reagiert hätten, habe sich Ministerpräsident Manmohan Singh bei Auslandsreisen in westliche Länder unangenehme Fragen anhören müssen. Nun sei die Situation zwar „noch nicht ganz normal“, und einige Katholiken hätten immer noch etwas Angst. Doch sei die Lage deutlich besser als vor zwei Jahren.

Auch mit Blick auf die Probleme zwischen Indien und seinem Nachbarland Pakistan zeigte sich Gracias optimistisch. Die Menschen beider Länder wollten in Frieden leben, erklärte er. Zugleich sprach sich der Kardinal für eine Intensivierung des interreligiösen Dialogs in seinem Land aus. Über Terroristen, die beispielsweise für den Anschlag auf das Taj-Mahal-Hotel in Bombay (Mumbai) vor zwei Jahren verantwortlich waren, sagte Gracias wörtlich: „Terroristen haben keine Religion.“ Gracias ist Erzbischof von Bombay, der mit 600 000 Katholiken größten Diözese des Landes. Die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher schätzt der Erzbischof auf 85 Prozent. Die Katholiken mit einem Bevölkerungsanteil von gut 1, 8 Prozent gehörten zwar nicht zu den reichsten Schichten in Indien, doch es hungere auch so gut wie niemand, so Gracias. Als Schwerpunkte des kirchlichen Engagements nannte er neben der Seelsorge Bildung, Gesundheit sowie Jugend- und Sozialarbeit.

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