Patron der Kinder und Bäcker

Zum Gedenktag des heiligen Firmin von Amiens am 25. September. Von Katrin Krips-Schmidt

Seit Jahrhunderten wird der bedeutende Industriestandort Amiens in der Picardie – die Stadt, die schon im Mittelalter ein reiches Handelszentrum war – von ihrer majestätischen Kathedrale überragt. Sie ist die größte Kirche Frankreichs. Mit ihrer Gewölbehöhe von 42, 3 Metern überragt sie die Kathedrale von Chartres beispielsweise um weitere fünf Meter. Der Grundstein für das Bauwerk der Superlative mit einer überbauten Fläche von 7 700 Quadratmetern wurde 1220 gelegt, der größte Teil der Bauarbeiten war bereits nach einem halben Jahrhundert beendet, auch wenn sich die endgültige Fertigstellung noch weitere Jahrzehnte hinziehen sollte. Die Ästhetik der Gotik fand in Amiens einen ihrer Höhepunkte.

Die Kathedrale Notre Dame d’Amiens wurde 1854 von Papst Pius IX. zur Basilika minor erhoben und 1981 als Kulturdenkmal in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Sie ist ein Wallfahrtsort am Wegkreuz der Pilgerstraßen nach Santiago de Compostela, nach Aachen und Rom.

Die Kirchenausstattung innen wie auch die Portale mit ihren großen Steinfiguren dienten der Bildpredigt: Die Skulpturen an den Fassaden und im Innenraum folgen einem didaktischen Bildprogramm zur Belehrung der Gläubigen.

In der Kathedrale von Amiens erinnert daher auch vieles an den ersten Bischof der Stadt, an den heiligen Firmin von Amiens oder Firminus den Älteren oder Firminus den Märtyrer, der die französischen Regionen Aquitanien, Auvergne und das Beauvais missionierte: Am nördlichen Westportal steht die Figur des heiligen Bischofs am Trumeaupfeiler und im Tympanon darüber sind dicht gedrängt Wunderszenen rund um die Überführung seiner Reliquien nach Amiens dargestellt.

Im Innern der Kirche wird das Leben des heiligen Firmin auf mehreren Reliefs über dem Grabmal des Bischofs Adrien de Hénencourt (†1530) gezeigt.

Vom Leben des Heiligen ist nicht viel bekannt. Der Überlieferung nach kam Firmin um 272 im spanischen Pamplona als Sohn eines römischen Beamten zur Welt. Er gelangte nach Frankreich und wurde vom ersten Bischof von Toulouse, dem Märtyrer Saturnin, getauft. Mit 24 Jahren zum Priester geweiht und kurze Zeit später als Missionsbischof entsandt, wurde er während einer Christenverfolgung mehrere Male gefangen genommen und eingekerkert.

Unter Kaiser Diokletian hat er schließlich am 25. September 303 das Martyrium durch Enthauptung erlitten. Seine Reliquien wurden nach Pamplona überführt. Dort werden ihm zu Ehren alljährlich noch heute vom 6. bis zum 14. Juli die „Sanfermines“ gefeiert: mit Prozession und Stierkämpfen – ein Fest, das heute allerdings weitgehend säkularisiert ist und mit den üblichen weltlichen Exzessen einhergeht. Die Teilnehmer tragen zum Gedenken an die Todesart ihres Stadtpatrons ein rotes Halstuch. Der heilige Firmin ist zudem der Schutzheilige der Picardie, der Städte Navarra und Amiens sowie der Kinder, der Bäcker, der Weinhändler und Böttcher. Er wird als Helfer gegen Fieber, Krämpfe und Rheuma angerufen.

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