Mit Werten in Führung gehen

Sechster Kongress christlicher Führungskräfte in Düsseldorf

Düsseldorf (DT/KNA) Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat fehlendes Verantwortungsbewusstsein bei Managern und Führungskräften beklagt. Die Finanzkrise sei offenkundig auch durch menschliches Versagen herbeigeführt worden, sagte er am Freitag in Düsseldorf beim 6. Kongress christlicher Führungskräfte. Unter dem Motto „Mit Werten in Führung gehen“ tagen noch bis Samstag 3 500 Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Kirche im Düsseldorfer Kongresszentrum. Jetzt seien echte Autoritäten gefragt, deren Ansehen sich auf Fachkompetenz gründe. „Der Schein darf nicht über das Sein triumphieren“, mahnte der Erzbischof. Das gelte vor allem für christliche Führungskräfte.

Ein falsches Menschenbild ist aus Sicht des Münchner katholischen Erzbischofs Reinhard Marx mit schuld an der Wirtschaftskrise. Die dem Kapitalismus zugrundeliegende Vorstellung vom „homo oeconomicus“, der allein an seine eigenen Interessen denke, habe die Welt zum Schlechteren verändert, sagte Marx beim Kongress in Düsseldorf. Erforderlich sei eine Neubegründung der Sozialen Marktwirtschaft aus dem Geist des Christentums. Christen sollten sich in Unternehmen, Parteien und Organisationen engagieren und die Gesellschaft nach „biblischen Prinzipien“ mitgestalten, appellierte der in der Deutschen Bischofskonferenz für soziale Fragen zuständige Erzbischof. Die Aufgabe der Christen sei es auch, an einem gerechteren Gesellschaftssystem zu arbeiten. Strukturen und Gesetze dürften nicht zur Sünde verführen, sondern sollten das Gute befördern. Marx wörtlich: „Wenn nicht wir, wer sonst? Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Auch nach Meinung des Fernsehjournalisten Peter Hahne kann die aktuelle Krise nur durch einen „geistigen Neuanfang“ bekämpft werden. Nötig sei ein „Werte-Hilfspaket“, sagte der stellvertretende Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin, der auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört. Es dürften nicht nur „Produkte auf vier Rädern“ gerettet werden. Wichtig sei es, die Zehn Gebote wieder zu beherzigen. Die Wirtschaftskrise sei auch eine Wertekrise; sowohl materielle als auch ideelle Werte würden verfallen. Christen sollten jedoch keine Weltuntergangsstimmung verbreiten, sondern eine „Ewigkeitsaufbruchsstimmung“.

Nach Ansicht des Unternehmers Claus Hipp sind religiöse Werte für wirtschaftliches Handeln unverzichtbar. Wenn die Zehn Gebote als Richtschnur genommen würden, „könnten wir zumindest verantwortungsvoll handeln“, sagte Hipp. Er verwies zugleich auf die Ethik-Charta seines Unternehmens. Dort sei der Grundsatz festgeschrieben: „Wir wollen keinen kurzfristigen Erfolg, der auf zweifelhafte Weise zustande kommt.“

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