Misstrauen statt Gerechtigkeit

Nahostkonflikt: Bischöfe vermissen politischen Willen zur Lösung

Jerusalem (DT/KNA) Mit einem Aufruf zu mehr politischer Entschlossenheit zur Beendigung des Nahostkonflikts hat eine Gruppe amerikanischer und europäischer Bischöfe ihre fünftägige Informationsreise ins Heilige Land beendet. Die Lösungen seien den politischen Führern bekannt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung vom 14. Januar. Allerdings fehlten Wille und Mut zu den notwendigen Schritten. Gewalt, Unsicherheit, Häuserzerstörungen, Visaprobleme, Landenteignungen, der Verlauf des israelischen Sperrwalls und andere Missstände bedrohten sowohl eine Zweistaatenlösung als auch die christliche Präsenz im Land. Frieden könne nur durch Gerechtigkeit erreicht werden. Eine gerechte Lösung des Konflikts sei jedoch auch acht Monate nach dem Papstbesuch im Heiligen Land nicht in Sicht, so die Bischöfe. Stattdessen wachse das Misstrauen zwischen Israelis und Palästinensern aufgrund der zunehmenden Schwierigkeiten, einander zu begegnen. An der jährlich stattfindenden Begegnung mit Kirchenführern und Christen vor Ort hatten Vertreter der Bischofskonferenzen aus acht Ländern teilgenommen.

Aus Deutschland reiste der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden), der Trierer Bischof Stephan Ackermann, mit. Mit Blick auf israelische Sperrmaßnahmen warnte er im Interview der KNA davor, in der „Sackgasse des Sicherheitsdenkens“ steckenzubleiben. „Auf israelischer Seite dreht sich alles um die Frage Sicherheit, auf palästinensischer Seite nennt man die Maßnahmen Besatzung.“ Wer immer die gleichen Argumente benutze, komme aber im Gespräch nicht weiter. „Die Sperrmaßnahmen entfremden die beiden Völker auch immer mehr voneinander, und das bringt auf Dauer weder Frieden noch Sicherheit.“ Aufgabe der Kirche im Friedensprozess sei, in den jeweiligen Heimatländern auf die Situation vor Ort aufmerksam zu machen und als Vertreter der Weltkirche zu einzelnen Punkten mit den jeweiligen Regierungen ins Gespräch zu kommen. Die Kirche habe durchaus gewisse Einflussmöglichkeiten, die sie nutzen sollte, so Ackermann. Dabei müsse es „trotz oder vielleicht gerade wegen der besonderen Beziehung, die wir als Deutsche und als deutsche Kirche zu Israel haben“, erlaubt sein, kritische Punkte anzusprechen.

Bei einem Treffen mit dem israelischen Vize-Außenminister Daniel Ayalon sprach eine Delegation der Bischöfe unter anderem die andauernde Visa-Problematik für kirchliche Mitarbeiter an. Ein weiteres Thema der Reise war die Situation der Jerusalemer Altstadt. Die Bischöfe äußerten sich demnach besorgt über die fortgesetzten Bestrebungen der Stadtverwaltung und der Regierung des Staates Israel, der Altstadt von Jerusalem und den angrenzenden Gebieten eine einseitig jüdisch-israelische Prägung zu geben.

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