Mission braucht Mut

Stabwechsel bei missio in Aachen – Prälat Klaus Krämer wird als Nachfolger von Pater Hermann Schalück neuer Präsident

Für sein neues Amt als Präsident von missio-Aachen bringt Prälat Klaus Krämer langjährige Erfahrungen auf weltkirchlicher Ebene mit: Rund zehn Jahre leitete der 44jährige Priester die Hauptabteilung Weltkirche in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. In dieser Zeit übernahm er auch zunehmend Aufgaben bei der deutschen Bischofskonferenz. Durch seine zahlreichen Reisen nach Afrika, Lateinamerika und besonders nach Indien verfügt er bereits über eine Vielzahl von Kontakten zu missio-Partnern vor Ort. Nun tritt er – als Nachfolger von Pater Hermann Schalück – die Leitung des Internationalen Katholischen Missionswerks an.

Strukturveränderungen bewältigen

Am Freitag wurde Prälat Krämer offiziell in sein neues Amt eingeführt – mit einem feierlichen Gottesdienst im Aachener Dom. Unter den Festgästen waren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Ludwig Schick. „Mission braucht Mut“ – diesen erst kürzlich von Prälat Krämer geprägten Satz nahm Erzbischof Zollitsch zum Anlass, um die grundsätzliche Bedeutung von Mission herauszustellen: „Mission ist in der Tat nichts für Kleinmütige und Verzagte. Sie ist Ausdrucksform eines Christentums, das sich nicht auf seine eigenen vier Wände beschränkt und nicht in die Sakristei zurückzieht.“ Zollitsch wünschte dem neuen missio-Präsidenten „diesen missionarischen Mut, Brückenbauer zu sein – zwischen Rom und Deutschland, zwischen Weltkirche und Ortskirche, zwischen Nord und Süd“.

Prälat Krämer tritt sein Amt in einer Zeit an, da es innerhalb des katholischen Werks zu wesentlichen Strukturveränderungen kommt. Ziel ist die verstärkte Kooperation von missio-Aachen und missio-München. Zwar waren die beiden Häuser schon in der Vergangenheit unter dem gemeinsamen Dach von missio-Deutschland zusammengefasst. Bisher gab es jedoch in Aachen und München vollständig getrennte Verwaltungen und getrennte Länderabteilungen.

Die aus dem bereits angestoßenen Kooperationsprozess resultierenden Veränderungen werden für Prälat Krämer in den kommenden Wochen und Monaten ein wichtiges Thema sein. „Sie sind sogar schon Thema gewesen, gleich in meiner ersten Woche in Aachen, noch vor meiner offiziellen Einführung“, erklärt der neue Präsident im Gespräch mit der Tagespost. „Wir hatten in diesen Tagen eine Sitzung mit führenden Vertretern von missio-München und haben zusammen überlegt, wie wir den schon in Gang gekommenen Prozess fortsetzen wollen. Die Doppelstruktur der Länderabteilungen in beiden Häusern wird es in dieser Form nicht mehr geben.

Die Länderzuständigkeiten sind bereits neu geregelt, so dass alle Projekte eines Partnerlandes entweder von Aachen oder von München aus betreut werden. Das vereinfacht manches auch für unsere Partner vor Ort, weil sie nicht mehr verschiedene Ansprechpartner in Deutschland haben. Es geht darum, die Arbeit von missio-Aachen und missio-München so zu koordinieren, dass wir Kräfte bündeln.“

Noch eine Diskussion wird den neuen missio-Präsidenten für die nächste Zukunft beschäftigen: In Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl kirchlicher Hilfswerke entstanden, jedes von ihnen mit seinem besonderen Aufgabenfeld. Der enger werdende Spendenmarkt zwingt jetzt zum Nachdenken über eine verstärkte Zusammenarbeit der kirchlichen Werke untereinander. Die verschiedenen Werke mit ihrem je eigenen Zuschnitt stehen heute auf dem Prüfstand.

„Kooperationen gibt es bereits“, erläutert Prälat Krämer, „vor allem zwischen missio-Aachen und Misereor. Zwar stellt Misereor den Aspekt Entwicklungszusammenarbeit in den Vordergrund, während missio stärker die pastorale Dimension betont. Dennoch ergeben sich viele übergreifende Themen, bei denen es wirklich Sinn macht zusammenzuarbeiten.“

Als Beispiel nannte der Prälat den Bereich „Flüchtlingsproblematik und internationale Migration“. Unter dem Leitmotto „Mach den Raum deines Zeltes weit“ ist dieses Thema Schwerpunkt der missio-Kampagne im Oktober, dem Monat der Weltmission. „Am Beispiel kirchlicher Flüchtlingsarbeit zeigt sich, wie hier entwicklungspolitische Aspekte und pastorale Fragen ineinandergreifen“, so der neue Präsident. „Denn die Flüchtlingsströme, vor allem in Afrika, stellen nicht nur die jeweiligen Staaten vor enorme wirtschaftliche und soziale Probleme. Sie bedeuten zugleich eine pastorale Herausforderung für die jeweiligen Ortskirchen. Auch bei der Arbeit mit Aidskranken lässt sich die soziale nicht von der pastoralen Komponente trennen. Es gibt nicht eine abstrakte Seelsorge, losgelöst vom irdischen Wohlergehen, sondern es geht immer um den ganzen Menschen.“ Bei diesen Aufgabenfeldern ergebe sich ganz natürlich eine Zusammenarbeit der beiden Werke missio und Misereor.

Zugleich betonte aber Prälat Krämer, die Vielfalt kirchlicher Hilfswerke in Deutschland habe sich in den letzten Jahren bewährt. Deshalb sei es notwendig, darauf zu achten, „dass sich die Werke in ihrer Arbeit zwar ergänzen, dass sie am Schluss aber nicht vollkommen dasselbe tun. Misereor und missio haben ihren je spezifischen Grundauftrag. Und aufgrund meiner Erfahrungen bin ich keineswegs der Meinung, dass wir besser fahren würden, wenn wir in Deutschland ein einziges großes Hilfswerk hätten. Vielmehr halte ich die jetzige Arbeitsteilung zwischen den Werken für sehr sinnvoll, weil wir unterschiedliche Gruppen von Spendern und engagierten Helfern ansprechen können. Diese Vielfalt sollten wir also nicht aufgeben. Sie ist gerade angesichts der Vielfalt weltweiter Probleme heute noch wichtiger als bisher. Trotzdem können wir zu einer verbesserten Zusammenarbeit unter den Werken kommen.“

Missionarische Bewusstseinsbildung

Auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz ist der neue missio-Präsident bereits seit 2006 eingebunden in das Projekt „Zukunft der weltkirchlichen Arbeit in Deutschland“. Dieses auf Nachhaltigkeit hin angelegte Programm soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahres zum Abschluss gebracht werden. Vertreter aller kirchlichen Hilfswerke und Vertreter der Diözesen setzen sich in gemeinsamen Arbeitsgruppen mit verschiedenen Fragen weltkirchlicher Arbeit auseinander. Prälat Krämer erläutert: „Ein großer Fragenkomplex betrifft die Kooperation der Hilfswerke; der andere große Teil zielt auf die Zusammenarbeit der Werke mit den Diözesen. Das Thema Weltkirche darf nicht auf der Strecke bleiben, weil wir uns nur noch mit Struktur- und Finanzfragen und nicht mehr mit inhaltlichen Dingen beschäftigen.“

Zum Grundauftrag von missio, so der neue Präsident, gehöre wesentlich, die missionarische Bewusstseinsbildung auch in Deutschland zu stärken. „Es ist und bleibt eine Herausforderung für uns, missionarische Impulse in das Leben der deutschen Ortskirche hinein zu vermitteln. Entscheidend ist dabei aus unserer Sicht, dass wir die Stimme unserer Partner aus dem Süden in unseren Gemeinden hörbar machen. Da wird auch in Zukunft ein Schwerpunkt von missio liegen.“

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