Marx: Debatte um Geschiedene offen

Kardinal: Müller kann Diskussion nicht beenden

Freising (DT/KNA) Die Debatte über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Kirche ist nach Meinung des Münchner Kardinals Reinhard Marx völlig offen. „Der Präfekt der Glaubenskongregation kann die Diskussion nicht beenden“, sagte Marx am Donnerstag in Freising zum Abschluss der Freisinger Bischofskonferenz. Er bezog sich damit auf Beiträge von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der keine Wege zum Kommunionempfang dieser Gruppe sieht. Müller habe ausführlich dargestellt, was die Position der Kirche sei. „Wir werden erleben, dass das diskutiert wird in der ganzen Breite; mit welchem Ergebnis, weiß ich nicht.“

Der Kardinal unterstrich, dass dieses Thema zwar nicht allein, aber auch die Sondersynode im Oktober 2014 in Rom sowie die darauffolgende Synode ein Jahr später zum Thema Familie beraten werde. Entscheidend sei, die Realität wahrzunehmen. Dies habe er auch Papst Franziskus gesagt. Der Fragebogen aus dem Vatikan könne dazu beitragen. Dieser solle zwar nicht komplett als Umfrage an alle Gläubigen gehen, jedoch die Meinung der Basis wiedergeben. „Schaut doch mal, wie denken eure Gläubigen“, dies sei der ausdrückliche Wunsch von Rom. Aufgrund des Dialogprozesses und auch nach den Erfahrungen des Zukunftsforums in seinem Erzbistum glaube er, dass es einige Fragen gebe, bei denen die Haltung der Mehrheit der Katholiken, gerade auch der praktizierenden, eindeutig sei. Als Beispiel nannte er etwa den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Eine große Zahl von Gläubigen könne nicht ganz verstehen, „dass eine zweite Verbindung nicht von der Kirche akzeptiert wird“. Es greife zu kurz, wenn in Bezug auf Scheidung immer nur vom „moralischen Verfall“ geredet werde.

Gleichzeitig warnte Marx davor, die Fragen allein auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu reduzieren. Der Kardinal kündigte an, dass die bayerischen Bischöfe diese Fragen mit Gremien und Verbänden beraten wollten. Das Vorgehen werde jedoch noch von allen deutschen Oberhirten beim kommenden Ständigen Rat abgestimmt. Immerhin sei es ein großer „Fortschritt“, dass der Fragebogen nun im Internet zu lesen sei.

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