Marsch für das Leben in Madrid

Massendemonstration gegen Lockerung der Abtreibungsgesetzgebung – Kirche organisiert landesweite Kampagne

Madrid (DT/KNA) Am Sonntag haben in der spanischen Hauptstadt Madrid über 100 000 Menschen gegen die geplante Liberalisierung der spanischen Abtreibungsgesetze protestiert. Zu dem „Marsch für das Leben“ hatten knapp 100 verschiedene katholische Organisationen, soziale Bürgerinitiativen, Pro-Leben- und Anti-Abtreibungsplattformen mit Unterstützung der katholischen Kirche aufgerufen. Über mehrere Kilometer führte der Protestmarsch quer durch das Zentrum der spanischen Hauptstadt. „Es existiert kein Recht zu töten, es existiert das Recht auf Leben“ war auf Plakaten zu lesen. Auch in 50 anderen spanischen Städten fanden kleinere Protestmärsche gegen die Abtreibungsreform statt. Bereits in der vergangenen Woche startete die katholische Kirche eine eigene landesweite Protestkampagne.

Unter dem Motto „Schütze mein Leben“ wurden in Kirchengemeinden und katholischen Zentren acht Millionen Broschüren sowie 30 000 Plakate verteilt, in denen sich die spanischen Bischöfe gegen die Liberalisierung von Abtreibung stellen. Die Abtreibungsreform der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero sieht eine straffreie Abtreibung bis zur 14. Schwangerschaftswoche vor. Zudem sollen Minderjährige ab 16 Jahren künftig eine Abtreibung ohne Einverständnis ihrer Eltern vornehmen lassen dürfen. Bei Missbildung des Fötus sowie bei Gefährdung der physischen oder psychischen Gesundheit der werdenden Mutter sollen Abtreibungen noch bis zur 22. Woche erlaubt sein. Damit ziele das neue Gesetz darauf ab, die bisher geltende Indikationsregelung durch eine Fristenregelung zu ersetzen, kritisierte ein Sprecher der Spanischen Bischofskonferenz. Bislang sind Abtreibungen in Spanien grundsätzlich verboten. Die seit 1985 geltende Regelung gestattet nur drei Ausnahmefälle: bei Vergewaltigung, bei Missbildung des Fötus sowie bei Gefährdung der physischen oder psychischen Gesundheit der werdenden Mutter. Fast 96 Prozent aller 112 000 Abtreibungen im vergangenen Jahr wurden auf Basis der dritten, rechtlich eher unsicheren Indikation vorgenommen. Die Zahl der registrierten Abtreibungen in Spanien ist in den vergangenen zehn Jahren fast um 73 Prozent gestiegen. Bei jungen Frauen zwischen 20 und 29 Jahren war sogar eine Verdoppelung zu verzeichnen.

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