Liebe, Harmonie und Frieden

Papst Franziskus tritt eine diplomatisch heikle Reise nach Myanmar und Bangladesch an. Von Benedikt Winkler
Hände mit Rosenkranz
Foto: KNA | Das Rosenkranzgebet verbindet Christen auf der ganzen Welt über ethnische, kulturelle und nationale Grenzen hinweg.

Papst Franziskus hat in dieser Woche sein Programm reduziert: kaum Privataudienzen, keine großen Besprechungen. Die Ruhe im Terminkalender des Papstes hat einen Grund: Am Sonntagabend bricht der Pontifex um 21.40 Uhr von Rom zu seiner Südostasienreise nach Myanmar und Bangladesch auf. Es wird keine leichte Reise werden, denn an der gemeinsamen Grenze der beiden Staaten spielt sich derzeit das Drama der 600 000 Rohingya-Flüchtlinge ab. Im Mittelpunkt der einwöchigen Reise vom 26. November bis 2. Dezember 2017 stehen weiterhin Treffen mit den Staatspräsidenten beider Länder, Gottesdienste mit der christlichen Minderheit und interreligiöse Begegnungen.

Der Papstbesuch im mehrheitlich buddhistisch geprägten Myanmar bildet den Auftakt der Apostolischen Reise. Für Myanmar ist er die erste Papstvisite in der Geschichte des Landes. Der katholische Pontifex reist nun in ein Land, das jahrzehntelang von einer Militärjunta regiert wurde und sich in einem schwierigen Demokratisierungs- und Versöhnungsprozess befindet. Das gewählte Motto der Apostolischen Reise „Liebe und Frieden“ ist daher kein abstraktes Thema, sondern ein ganz handfestes, nicht zuletzt aufgrund der ethnischen Konflikte, der Gier nach Bodenschätzen, der langen Bürgerkriegsgeschichte seit der Unabhängigkeit 1948 und der aktuellen Flüchtlingskrise der Rohingyas.

Nach der Landung am Montagmittag und nach der offiziellen Begrüßung am Internationalen Flughafen Yangon-Rangun wird Papst Franziskus am nächsten Tag weiterfliegen ins zentralburmesische Nay Pyi Taw, um dem seit 2016 amtierenden Staatspräsidenten von Myanmar, Htin Kyaw, und der Außenministerin Aung San Suu Kyi einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Aung San Suu Kyi ist die faktische Regierungschefin des Landes, die sich seit den späten 80er Jahren für eine gewaltlose Demokratisierung Myanmars einsetzt. 1991 erhielt sie dafür den Friedensnobelpreis. Nach der Begegnung mit Vertretern der Regierung, der Zivilgesellschaft und dem Diplomatischen Korps fliegt Papst Franziskus zurück nach Rangun, wo er im Erzbischöflichen Palais übernachten wird.

Am Mittwochmorgen findet eine Eucharistiefeier im Kyaikkasan-Stadion statt. Danach trifft sich der Papst mit dem Obersten Rat der Sangha, der buddhistischen Mönchsgemeinschaft. Obwohl sich die Mönche und Nonnen im Theravada-Buddhismus aus dem weltlichen Leben zurückgezogen haben, um den Weg ihrer Erlösung zu gehen, ist ein starkes politisches Wirken unter den burmesischen Mönchen und Buddhisten auszumachen, das nicht selten in Diskriminierung und sogar Gewalt gegen Minderheiten umschlägt. Papst Franziskus hatte im Vorfeld mehrfach seine Solidarität mit der muslimischen Minderheit der Rohingyas zum Ausdruck gebracht. Es bleibt fraglich, inwieweit Papst Franziskus während seiner Reise den Finger in die Wunde des ethnischen Konfliktes legt. Die Ortsbischöfe von Myanmar hatten bereits vor Monaten den Papst gebeten, während seiner Reise den Begriff „Rohingya“ zu vermeiden. Der Erzbischof von Chittagong in Bangladesch, in dessen Diözese sich die Flüchtlingslager der Rohingya befinden, hofft, dass Papst Franziskus das heikle Thema der Menschenrechtsverletzungen an den Rohingya ansprechen wird. Die politische Lage ist äußerst angespannt. Sollte Franziskus das „R-Wort“ benutzen, sind wütende Proteste nationalistischer Buddhisten in Myanmar nicht ausgeschlossen.

Eine Begegnung mit den Bischöfen von Myanmar, allen voran mit Erzbischof Charles Maung Bo, in einem Raum der St. Marys Kathedrale bildet den Abschluss des Programms am Mittwochabend.

Am Donnerstag wird der Papst nach einer Eucharistiefeier mit Jugendlichen verabschiedet. Mittags fliegt er weiter in die Hauptstadt Bangladeschs. Bangladeschs Metropole Dhaka hat bereits Erfahrungen mit Papstvisiten. 1970 machte Paul VI. und 1986 Johannes Paul II. Station in der Stadt am Ganges-Brahmaputra-Delta.

Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt, welches von Überbevölkerung, Naturkatastrophen, islamistischem Terror, Ausbeutung und politischen Unruhen gebeutelt wird. Mit einem Anteil von 90 Prozent der 165 Millionen Einwohner ist der Islam die stärkste Religion Bangladeschs. Mit etwa 375 000 Gläubigen bildet die katholische Kirche in Bangladesch eine winzige Minderheit von nur 0,25 Prozent.

Die diesjährige Visite unter dem Motto „Harmonie und Frieden“ beginnt mit einer Ehrung der Märtyrer, die während des Unabhängigkeitskampfes 1971 ihr Leben ließen. Neben einem Besuch an der nationalen Gedenkstätte in Sabhar wird Papst Franziskus den „Vater der Nation“, Mujibur Rahman (1920–1975) würdigen. Am späten Nachmittag empfängt Präsident Abdul Hamid den Pontifex im Präsidentenpalast.

Am 1. Dezember feiert Franziskus eine Heilige Messe im Suhrawardy-Udyan Park und spendet sechzehn Männern das Sakrament der Priesterweihe. Alle sechzehn Diakone haben am Major Seminary of Holy Spirit, dem einzigen Priesterseminar Bangladeschs studiert. Während in Deutschland der Priesternachwuchs rückläufig ist, studieren am Seminar in Bangladesch zurzeit vierhundert Priesteramtskandidaten.

Nach der heiligen Messe unter freiem Himmel sind Gespräche mit der Premierministerin Hasina Wajed in der Botschaft des Vatikans sowie ein Treffen mit Kardinal D'Rozario und den katholischen Bischöfen des Landes in einem Wohnheim für Priester geplant. Am Abend stehen interreligiöse und ökumenische Begegnungen für den Frieden im Garten des Erzbischöflichen Palais in Dhaka im päpstlichen Terminkalender.

Am letzten Tag in Bangladesch möchte Papst Franziskus in privater Form ein Mutter-Teresa-Haus in Tejgaon besuchen, das ein Heim ist für Straßenkinder in den Elendsvierteln der Stadt. Nach Gesprächen mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Novizen wird Papst Franziskus auch im Notre-Dame-College in Dhaka erwartet, bevor er am späten Nachmittag den Rückflug nach Rom antritt.

Der Papstbesuch in Myanmar und Bangladesch ist ein Besuch an der Peripherie, eine Ermutigung und Stärkung des Glaubens der katholischen Minderheit beider Länder. Das christliche Evangelium lehre die Würde jedes Mannes und jeder Frau und rufe dazu auf, sein Herz für andere zu öffnen – besonders für die Armen und Bedürftigen, sagte Papst Franziskus in einer am Dienstag veröffentlichten zweiminütigen Videobotschaft mit Blick auf die bevorstehende Asienreise. „Wir leben in einer Zeit, in der die Gläubigen und Menschen guten Willens überall aufgerufen sind, sich für gegenseitiges Verständnis und Respekt einzusetzen.“ Das gilt besonders für den Dialog zwischen den Ethnien, den Kulturen und Religionen.

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