Kommentar: Berlin entweltlicht

Von Regina Einig

Theologische Fakultäten werden gesellschaftspolitisch zunehmend unter dem Vorzeichen der bedrohten Spezies wahrgenommen. In Süddeutschland winkt der Bayerische Oberste Rechnungshof den gefährdeten Drei seit Jahren mit dem Rotstift. Über das akademische Gewicht von Rumpffakultäten mag man streiten, über die Strahlkraft der gegenwärtigen Debatte über Kirchenfinanzen hingegen nicht. Je säkularisierter sich die Gesellschaft geriert, desto weniger wird dem Steuerzahler einleuchten, weshalb er theologische Fakultäten an staatlichen Hochschulen finanzieren soll. Das ist der Preis, den die Kirche hierzulande für die Nähe zum Staat zahlt. Wenn dann noch die einzige Katholische Universität des Landes durch Sparpläne von sich reden macht, fördert das kaum den Geist der institutionellen Innovation.

Die Entscheidung, in Berlin keinen Zweitcampus der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar zu errichten, ist darum konsequent. Schon jetzt erscheint der Apparat der katholisch-theologischen Fakultäten in Deutschland als Anachronismus. An der demografischen Entwicklung und dem Mangel an qualifizierten Theologen, die wissenschaftlichen Anspruch und sentire cum ecclesia zu verbinden verstehen, kommt man auch in Berlin nicht vorbei. Zwar verströmte der Gedanke, in der Hauptstadt eine katholisch-theologische Fakultät vorweisen zu können, in Kirchenkreisen einen gewissen Charme. Doch rechtfertigt das den Aufwand, um eine Alternative zur akademischen Ausbildung des Neokatechumenalen Wegs in Berlin anbieten zu können? In der Hauptstadt haben sich die politischen Gewichte verschoben. Wie gering das Ansehen der katholischen Kirche in Regierungskreisen ist, zeigte sich bei Merkels öffentlicher und unwidersprochener Einlassung zur Causa Limburg. Das Sekretariat der deutschen Bischöfe in die Hauptstadt zu verlegen wäre ein überfälliger Schritt.

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