Keine Gewalt im Namen Gottes

Pontifex verurteilt Attentat auf Christen in Ägypten

Vatikanstadt/Doha (DT/KNA) Nach dem Attentat auf koptische Christen in Ägypten hat Papst Benedikt XVI. religiös motivierte Gewalt verurteilt. Die Unterschiede zwischen den Religionen rechtfertigten ein solches Handeln in keinem Fall, sagte der Papst am Sonntag nach dem Angelusgebet auf dem Petersplatz. Im Namen Gottes dürfe Gewalt nicht ausgeübt werden, hob das Kirchenoberhaupt vor mehreren tausend Gläubigen auf dem Petersplatz hervor.

Angehörige der Opfer vermuten politische Hintergründe

Angehörige der vor wenigen Tagen in Ägypten getöteten Christen äußerten unterdessen die Vermutung, das Attentat habe politische Hintergründe. Dem arabischen Sender El Dschasira sagten sie am Wochenende, Ziel sei die Einschüchterung der koptischen Christen vor den Wahlen in diesem Jahr oder das Schüren weiterer Spannungen. Die am Freitag verhafteten drei mutmaßlichen Täter seien womöglich bezahlte Killer.

Bei dem Anschlag im mittelägyptischen Nag Hammadi waren am späten Mittwochabend acht koptische Gottesdienstbesucher und ein muslimischer Wachmann erschossen worden. Es war der schwerste derartige Vorfall in Ägypten seit Jahren. Im Anschluss kam es in Nag Hammadi zu wütenden Protesten der christlichen Bevölkerung und zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die koptischen Christen machen laut Schätzungen knapp zehn Prozent der 83 Millionen Einwohner Ägyptens aus.

Unterdessen warf der Chef der koptischen Wochenzeitung „Al Watani“ in Ägypten der Regierung mangelhaften Schutz der christlichen Minderheit vor.

Der Staat unternehme angesichts eines „politischen und fanatischen Islam“ zu wenig für die Sicherheit der Christen, sagte der Publizist Youssef Sidhom im Interview der italienischen Tageszeitung „Il Giornale“ (Freitag). Den Sicherheitskräften warf Sidhom vor, nach Angriffen auf Christen die bestehenden Gesetze nicht anzuwenden und Festnahmen zu verzögern. In den meisten Fällen würden die Schuldigen später zudem aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Dies seien „falsche Signale“.

Wegen ihrer religiösen Überzeugung angegriffen

Die Regierung lasse so zu, dass sich die Situation weiter verschlechtere, erläuterte der koptische Journalist. Die Erklärung der ägyptischen Behörden, es handele sich bei dem Attentat um einen Racheakt für eine angebliche Vergewaltigung eines zwölfjährigen Mädchens durch einen Christen, bezeichnete Sidhom als „inakzeptabel“. Dies sei eine „nützliche Entschuldigung“ der Behörden.

Dagegen spreche, dass sich der Vorfall schon im November ereignet haben soll. Auch die Wahl des 7. Januar für den Anschlag, an dem die Kopten ihr Weihnachtsfest begehen, weise darauf hin, dass man die Kopten wegen ihrer religiösen Überzeugung angegriffen habe.

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