Köln

Odyssee mit Jugendtreffs

In Jugendtreffs findet man keine Jugend. Die Geschichte einer Suche.

Kölner Dom
Die Geschichte einer Odyssee durch Jugendtreffs in Köln Foto: Adobe Stock
Um Gleichaltrige kennenzulernen, die mit mir den Glauben teilen, suchte ich kürzlich eine Reihe von katholischen Jugendgruppen in Köln auf, wo ich hoffte, schnell Anschluss zu finden. Als ich zum ersten Mal einen Jugendtreff in der Kölner Südstadt betrat, hatte ich noch die junge, lebendige Gemeinde in Afrika vor Augen mit ihrer farbenreichen Kleidung, die mit dem Priester jubelte und klatschte und singend die Kirche verließ.

Nur noch Grauhaarige

Kaum war ich in Köln durch die Tür, stürzte unerwartet ein 50-jähriger Bekannter meiner Mutter auf mich zu und rief: „Im Dom sitzen nur noch Grauhaarige! Ich bleibe hier!“ Sogleich stimmte er mit schräg gelegtem Kopf und schiefer Stimme geistliche Lieder an. Während ich mir das Lachen verbiss, kam eine ältere Ordensschwester auf uns zu, die den ganzen Abend an meiner Seite blieb. In den nächsten Wochen schickte sie mir mehrmals täglich Nachrichten. Als ich eines Tages von ihr nach der Heiligen Messe zum Spiel „Werwölfe“ eingeladen wurde und  in die Rolle der Bewohner von „Düsterwald“ schlüpfen sollte, verabschiedete ich mich. 

 Versuch Nr. 2 führte mich in eine andere Ecke Kölns, wo ich zunächst mit einer Kindergruppe T-Shirts färbte. Zum Abschluss versammelten wir uns zu einem Stuhlkreis in der Kirche: Wir hatten Gelegenheit zu beichten, was aber nur zwei Mutige taten, denn das Gesagte hallte durch den Raum. Wir anderen bekamen Bilderbücher zum Zeitvertreib. Ich hatte mir gewünscht, mit anderen Jugendlichen draußen Aktivitäten zu machen oder eine heilige Messe zu besuchen, eben unserem Alter entsprechend. Doch auch die 3. Gruppe, die eigentlich für ein ganzes Wochenende geplant war, verließ ich nach drei Stunden. Dabei war mir versichert worden, dort wäre alles ganz anders. Der Abend startete mit einer Back-Aktion, auf die ich mich freute. Allerdings war ich erleichtert, die Kekse nicht selber essen zu müssen, denn alle bearbeiteten den Teig mit ungewaschenen Händen. Ohne Schüssel, auf der blanken Küchenplatte, von der das Ei tropfte. Die Kekse waren für Passanten bestimmt, die am nächsten Tag in Kölns Innenstadt für den Glauben gewonnen werden sollten. Höhepunkt war aber das gemeinsame Abendessen: grüner Salat – ohne Sauce, ohne Beilagen. Einige Monate später wagte ich einen letzten Versuch in der privaten Wohnung eines Priesters. Als ich mich im Raum umsah, waren alle über dreißig. Auf meine Frage, ob noch Jüngere kämen, wurde mir gesagt: leider nein, aber dass es eine tolle Gruppe in der Südstadt gebe. Nun, da hatte ja meine Odyssee begonnen.


Die Autorin, 15, ist  Schülerin 

 

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