Münster

Junge Federn: Furchtlos christlich

Die Qualität der heutigen Krise der Kirche ist eine noch nie dagewesene. Wie man dennoch eine gelassene Zuversicht behalten kann, zeigen uns die Heiligen.

Kirchenaustritte: Der Kirche den Rücken kehren
Angesichts der Krise lautet der Ruf des Evangeliums, sich als Christ in der Welt für Christus einzusetzen. Foto: dpa

Bei der gegenwärtigen Krise in Kirche und Gesellschaft, und den immer neuen Angriffen, die an den Grundfesten der heiligen Kirche Gottes rütteln, ist der Versucher besonders eifrig am Werk. Nämlich will er uns versuchen, die Hoffnung und alles Vertrauen in den göttlichen Heilsplan zu verlieren. Trotz aller Krisen der Vergangenheit gab es doch niemals eine Situation für die Kirche wie die heutige. Die Qualität der heutigen Krise ist eine andere, noch nie zuvor dagewesene; es geht ganz unmittelbar um den Glauben an sich, der von feindlichen Kräften zerstört werden soll, um den Glaubensverfall unter den Gläubigen, um die Leugnung Gottes durch die Seelenhirten selbst.

Als Christ ist man niemals Ein-Mann-Armee

Wie man dennoch eine gelassene Zuversicht behalten kann, zeigen uns die Heiligen. Johannes vom Kreuz schreibt: „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken; alles vergeht, Gott allein besteht.“ Und auch Thomas von Kempen gibt in seinem Werk De imitatione Christi den Rat, sich nicht um die Welt mit ihren tausenden Problemen zu kümmern, sondern eine Innerlichkeit zu kultivieren, die das eigene Seelenheil vor Augen hat: „Der Herr: […] Ein Beispiel wollte ich dir geben, dass du dich in Geduld üben und das Elend dieser Zeit mit gelassenem Mut tragen sollst.“

Heißt das also, man soll sich in einen weltflüchtigen Quietismus stürzen, alles still über sich ergehen lassen und in einer Blase, einer eingebildeten heilen Welt leben? Nein, als Christ geht das nicht. Vielmehr lautet der Ruf des Evangeliums, sich als Christ in der Welt für Christus einzusetzen, für die Rettung der Seelen, am Heilswerk Gottes mitzuarbeiten. Die Kirche betont ja die Notwendigkeit guter Werke. Als Christ ist man niemals eine Ein-Mann-Armee, sondern auf die Gütergemeinschaft der Kirche angewiesen. Die Kirche ist ein Leib, und so kann kein Glied für sich allein stehen.

In der Welt, aber nicht von der Welt

Die Innerlichkeit der großen Mystiker geht nicht auf Kosten der Weltzugewandtheit des Christen, aber gibt doch eine persönliche Haltung zur Welt vor, indem der Christ daran erinnert wird, dass er zwar in der Welt ist, aber nicht von der Welt. Das Irdisch-Weltliche wird vergehen. Wer den Blick vom Materiellen löst und erhebt zum Unvergänglichen, der kann auch die Prüfungen der Zeit mit Unbesorgtheit und Gottvertrauen überstehen, zu der unser Heiland selbst aufruft: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“ (Lk 12,32) und an anderer Stelle: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt“ (Mt 28,20). Auch dürfen wir hoffnungsvoll an die Unzerstörbarkeit der Kirche denken und uns gewiss sein, dass all unser Beten und Opfern, all unser Einsatz letztlich nicht umsonst sein wird, sondern dazu beiträgt, das Königtum Christi in dieser Welt zu verbreiten.

Der Autor, 24, studiert Theologie in Münster

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