Würzburg

Junge Federn: Der Klang des Herzens

Das Herz ist Dreh- und Angelpunkt in unserem Organismus. In ihm verbindet sich die Seele mit unserem Leib zu einem einzigartigen Klang.
Hands playing the piano
Foto: Minerva Studio/stock.adobe.com

Ich bin davon überzeugt: „Unsere Seele ist Gottes Gegenwart in uns“! Wenn Paulus davon spricht, dass unser Leib ein „Tempel des Heiligen Geistes“ ist (1 Korinther 6,19), dann spricht er uns damit einerseits einen unsagbaren Wert zu und andererseits stellt er damit klar: Gott hat in uns seine Heimat gefunden. Unser Körper, der an sich schon ein Schöpfungswunder ist, bekommt jetzt auch noch die Gegenwart Gottes eingehaucht. Was für eine unglaubliche Würde! Leib und Seele verschmelzen zu einer Einheit. Romano Guardini beschreibt dies wie folgt: „Im Herzen begegnet der Geist dem Körper und macht ihn zum Leibe, im Herzen begegnet das Blut dem Geiste, und er wird zur Seele […].“ (In Spiegel und Gleichnis, S. 63)

Wir stehen in einem engen Kontakt mit unserem Schöpfer, der durch unsere Seele zu uns spricht. Die organische Heimat der Seele ist also „das Herz“. Die Bibel erwähnt das Wort „Herz“ über 917 Mal und schreibt ihm eine entscheidende Bedeutung zu. Das Herz ist Dreh- und Angelpunkt in unserem Organismus. Mit circa 100.000 Schlägen am Tag pumpt es literweise Blut durch unseren Körper. Der „Klang des Herzens“ ist unsere Lebensversicherung und wir können es hören. Doch wie lässt sich nun die seelische Dimension mit dem „Klang des Herzens“ erklären, die wir eher erspüren.

Ich möchte dies mit meinen beruflichen Erfahrungen veranschaulichen: Als Klavierbauer habe ich eine enge Beziehung zum Klang. Schöne Klänge machen Menschen glücklich und sind später ein entscheidender Kaufgrund für ein Instrument. Dabei teilen wir ähnliche Erfahrungen von Schönheit, trotz unserer Unterschiedlichkeit. Das Instrument, in meinem Fall das Klavier beziehungsweise der Flügel, kann erst in vollem Maße zum Klingen gebracht werden, wenn die schwingenden Elemente im richtigen Kräfteverhältnis miteinander frei und harmonisch schwingen können. Erreger und Schwinger treten dann in „Resonanz“.

Als Techniker ist es mir nun möglich, in diese Schwing-Prozesse einzugreifen, bei denen ich Energien und Zeiten steuere. Basierend auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten und persönlichen Erfahrungswerten finde ich dann den idealen Punkt, bei dem das Instrument „schön“ wird. So ist es auch in einem klassischen Konzert. Ich beobachte den Musiker, wie er auf der Bühne mit Leidenschaft sein Instrument bedient, es liebevoll zum Klingen bringt und dabei in diesem Moment selbst zu Musik wird. Ich höre und sehe und dann spüre ich, wie die Schwingungen auch meinen Körper in Bewegung versetzen. In diesem Moment ist es die Stimmigkeit von Sinnen, die das Erleben von Musik so intensiv schön machen. Ist es nicht genau diese Stimmigkeit, die Fülle von Sinnen in unserem Körper, die uns Gottes Schönheit erspüren lassen und unser Herz näher zu IHM zieht?

Der Autor, 25, arbeitet als Klavierbauer in Hamburg

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