Münster

Hier kommt die Gretchenfrage der Kirche 

Nach der Meinung von „Maria 2.0“ brauche die Gottesmutter ein Update – und mit ihr die ganze Kirche. Ein Student sieht das ganz anders.

Protest «Maria 2.0»
Die Grenzen bischöflicher Vollmacht zeigen sich im Ausschluss von Frauen vom Weiheamt. Im Bild: Teilnehmer einer Protestaktion der Initiative Maria 2.0 der Katholische Frauengemeinschaft in der Erzdiözese Freiburg. Foto: Patrick Seeger (dpa)

Zunächst einmal: Maria braucht natürlich kein Update! Sie ist ja die Krone der Schöpfung, von allem Makel der Sünde bewahrt, ganz rein und unbefleckt, die Mutter Gottes und Königin des Himmels. Wie will man sie, die bereits vollkommen ist, noch updaten? Ganz abgesehen von der blasphemischen Instrumentalisierung der Gottesmutter, scheint mir dies doch ein ganz typisches Symptom unserer deutschen Kirche zu sein: Die gefährliche Mischung aus Unwissenheit und Unglaube. Man muss nicht einmal bösen Willen unterstellen. Wenn es kein Fundament gibt, auf dem ein Haus des Glaubens gebaut ist, und von dessen Dach aus man gewisse Vorgänge in der Kirche beurteilen kann, dann ist es nicht verwunderlich, dass derartige Irrtümer entstehen. Wie viele der 23 Millionen Katholiken in Deutschland (2018) glauben noch an die Gottheit Jesu Christi oder an das ewige Leben? 

Problem der Kirche

Aufmerksamkeit muss man aber der Initiative insofern schenken, als dass hier die großen Probleme der deutschen Kirche offensichtlich werden, die ja nicht erst seit gestern mehr oder weniger einen glaubensfernen Kurs fährt und sich gerade auch im Rahmen des Synodalen Wegs als Motor unevangelischer Reform profiliert. 

Vielleicht sind einige Herzen der „Maria 2.0“-Aktivisten bereits so verhärtet, dass die Botschaft des Evangeliums sie gar nicht mehr erreichen kann. Für alle anderen Mitläufer sollten wir uns ernstlich bemühen, das Evangelium authentisch nach außen zu tragen. Nicht Maria braucht ein Update, sondern wir. Die sozialverträgliche Appeasement-Politik der katholischen Kirche in Deutschland produziert vor allem Spaltung, Chaos und Verunsicherung. Als Katholik in der Welt ist man aber gerade in unserer Zeit dazu berufen, Zeugnis für die Wahrheit abzulegen, auch gegen den zeitgeistigen Mainstream und gegen die kfd-Antimaria mit ihrem Kulturmarxismus. 

Zurück zum Eigentlichen

Zur Reform sind wir immer aufgerufen, wenn wir sehen, dass wir uns von Christus und seiner Lehre entfernt haben. Wir kehren zurück zum Eigentlichen. Versteht man den Begriff „Update“ unter diesem Vorzeichen und nicht als radikale Veränderung von Lehre, Moral und Disziplin, kann man sogar die Notwendigkeit eines solchen „Updates“ in der deutschen Kirche bejahen: Wenn eine Reform stattfindet, die eine Rückbesinnung auf das Evangelium, auf den Heiland Jesus Christus, auf Lehre und Tradition der Kirche ist, kann dies ein sehr heilsames „Update“ für die Kirche in Deutschland sein. Am besten fangen wir damit an, das „Update“ bei uns selbst zu installieren. 


  

Der Autor, 24, studiert Theologie in Münster 

 

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