Würzburg

Junge Federn: Wahrheit und Liebe

Auf der Nightfever-Akademie wurde die Frage nach der Wahrheit diskutiert.

Die Frage nach der Wahrheit
Die Frage nach der Wahrheit hat historisch betrachtet schon einige Jahre auf dem Buckel. Auch bei der Nightfever-Akademie wurde darüber diskutiert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert (dpa)

Was ist Wahrheit? Eine Frage, die historisch betrachtet schon einiges auf dem Buckel hat. Zur Nightfever-Akademie treffen sich jährlich im Sommer Engagierte und Interessierte mit der Religionsphilosophin Hannah-Barbara Gerl-Falkovitz und Pfarrer Andreas Süß, dem Mitinitiator von Nightfever. Die „Akademie“ nimmt interessierte Teilnehmer mit auf den Weg, ihren Glauben intellektuell zu unterfüttern und auf dem persönlichen Weg zu Gott an Klarheit und Sprachfähigkeit zu gewinnen.

Dieses Jahr wollten wir im alten Pfarrhaus in Mooshausen, das noch vom Geist Guardinis zeugt, gemeinsam das Thema „Wahrheit und Liebe – ein Widerspruch?“ erkunden. Meine erste Erkenntnis war, dass die Suche nach beiden Begriffen im Grunde erfordert, die eigene Sprache auf den Prüfstand zu stellen. So begannen wir, auf der Suche nach der Bedeutung von „Wahrheit“, den intuitiv erlernten Wortschatz und den Inhalt, den wir unserem Reden zugrunde legen, neu zu bewerten.

Wahrheit bedeutet keine Einbahnstraße, sondern Beziehung

Mit der Literatur Heideggers und Guardinis schlossen wir recht früh, dass das Streben nach Wahrheit Erschließbarkeit von Erkennendem und Erkanntem gleichermaßen fordert, um beiden Seiten ein Fortkommen auf dem Weg zum Erfassen des jeweiligen Gegenstandes zu ermöglichen. Wahrheit bedeutet für mich also keine Einbahnstraße, sondern Beziehung – ein Spannungsfeld zwischen mir und dem Gegenüber. Ich habe so für mich erkannt, dass ich Wahrheit nur erkennen kann, wenn ich dem anderen offen, vorurteilsfrei gegenüberstehe. Allein die Erkenntnis, dass Wahrheit ein Weg ist, eine Beziehung, im Grunde einer mathematischen Näherung hin zum ganzen Wesen eines Gegenübers gleicht, zeigte mir ein neues Verständnis der Zeile „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14, 6). Christus ist unsere Beziehung zu Gott und definiert diesen Weg für uns.

Neue Tiefen im egriff "Liebe"

So begann ich, auch in dem Begriff „Liebe“ für mich neue Tiefen zu sehen. Die Wahrheit eines anderen erkennen, sich also jemandem zu offenbaren und dadurch gleichzeitig den anderen zu erschließen, wurde mir eine philosophisch schlüssige, eigentlich zutiefst romantische Vorstellung. Für mich gewinne ich aus der vergangenen Nightfever-Akademie neue Klarheit. So bedarf ich wohl eines philosophisch-intellektuellen Zugangs zum Glauben, da mir solche Tage gut tun, an denen ich lernen und diskutieren darf. So kann ich auch meinen Dienst bei den Bamberger Nightfever-Abenden neu als einen Weg mit Christus zu Gott begreifen. Bei dieser Initiative junger Katholiken wollen wir in Kirchen an belebten Plätzen durch die Begegnung mit dem Allerheiligsten die Freude am Glauben weitertragen und Spiritualität erfahrbar machen, also in eine Beziehung, eine Wahrheit, zu Gott treten. Ich freue mich schon sehr auf die Begegnungen beim kommenden Internationalen Nightfever-Weekend in Fulda.

Die Autorin engagiert sich in der Nightfever-Bewegung