Würzburg

Junge Federn: Pachamama statt Virgen

Die Amazonas-Synode hat unzählige Katholiken weltweit und auch mich ganz persönlich in Verwirrung und Erstaunen versetzt. Der Grund: die umstrittenen "Pachamama"-Figuren.

Indigene Holzfigur sorgt für Diskussionen
Eine Holzfigur einer knienden schwangeren, indegenen Frau in der Kirche Santa Maria in Traspontina. Die Darstelung der "Pachama" wurde ungewollt zum Maskottchen der Amazonas-Synode. Foto: Paul Haring

Die Amazonas-Synode hat unzählige Katholiken weltweit und auch mich ganz persönlich in Verwirrung und Erstaunen versetzt. Die allgegenwärtige Synode-Maskotte – die Holzfigur einer nackten, schwangeren Frau – gilt als heidnisches Symbol der „Pachamama“, der sogenannten Mutter Erde. Die Inka verehrten neben dem Sonnengott „Inti“ die im Innern der Erde wohnende Erdmutter „Pachamama“ als Kraft allen Lebens und Göttin der Fruchtbarkeit. Pacha bedeutet in der Quechua-Sprache „Erde“ oder „Welt“.

Figur aus dem indianischen Schöpfungsmythos

Auch heute noch wird „Pachamama“ in den Andenregionen als Figur aus dem indianischen Schöpfungsmythos in indigenen Ritualen der amazonischen Stämme verehrt. Nicht nur wurde die hölzerne „Pachamama“-Figur am Vorabend der Amazonas-Synode in Anwesenheit von Papst Franziskus als symbolischer Gegenstand in einer bizarren religiösen Zeremonie verwendet, sondern in den folgenden Tagen auch im Petersdom vor dem Grab des heiligen Petrus verehrt sowie in einer Prozession in den Synodensaal gebracht und an einem Ehrenplatz aufgestellt.

Weitere „Pachamama“-Statuen wurden auch in der Kirche Santa Maria in Traspontina aufgestellt und sorgten für viel Aufsehen, als sie von zwei unbekannten Katholiken als Akt des Widerstands in den Tiber geworfen wurden. Was aber noch viel verwunderlicher ist, bleibt die Frage, warum weder die Virgen de Guadalupe – dank welcher nur acht Jahre nach ihrem Erscheinen 1531 neun Millionen Indígenas von einer kleinen Gruppe franziskanischer Missionare getauft wurden - noch die Virgen Aparecida – Königin von Brasilien, welcher 1931 das ganze Land geweiht wurde –, beides folglich Schlüsselfiguren der katholischen Identität Südamerikas, in der Amazonas-Synode mit keinem Wort erwähnt wurden. Auch die Jungfrau von Fatima, deren unbefleckten Herzen Brasilien just im Mai dieses Jahres unter Anwesenheit des Staatspräsidenten feierlich geweiht wurde, fand keinerlei Beachtung.

Elemente des Synkretismus und Heidentums während der Synode

Wurde also während der Amazonas-Synode ausgerechnet die alte heidnische Gottheit, die vor 500 Jahren durch die Jungfrau Maria ersetzt wurde, feierlich in das Herz des Christentums, in den Petersdom zurückgebracht? Der Weihbischof von Astana (Kasachstan) Athanasius Schneider hat einen offenen Brief veröffentlicht, indem er mit deutlichen Worten die Elemente des Synkretismus und Heidentums kritisiert, die während der Amazonas-Synode „wie Gifte in die Adern des mystischen Leibes Christi, der Kirche“ eingedrungen seien. „Alle wahren Katholiken, die immer noch den Geist der Apostel und der christlichen Märtyrer haben, sollten über die heidnischen Zeremonien in der Ewigen Stadt Rom weinen“, mahnt er weiter.

Angesichts dieser großen Verwirrung mag man die berechtigte Frage stellen: Quo vadis, Mater Ecclesiae?

Die Autorin, 28, ist Musikerin, verheiratet und glückliche Familienmama

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