Vatikanstadt

Junge Federn: Pacha wie bitte?

Die Bedeutung einer kirchlichen Stätte geht über die eines Abstellortes für kultische Gegenstände anderer Religionen hinaus. Man sollte diese Auffassung vertreten dürfen, ohne als intolerant abgestempelt zu werden.

Indigene Holzfigur
Sie war das Symbol der Amazoniensynode schlechthin: die Pachamama. Foto: Paul Haring (MediaPortal KNA Katholische Nach)

Vor ein paar Monaten in Rom: Im Altarraum von Santa Maria in Traspontina werden Figuren einer indigenen Gottheit aufgestellt. Was lange her scheint, ist in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen und wurde in seiner ganzen Tragweite wohl noch nicht erfasst. Der Vorfall hat darüber hinaus auch den Ist-Zustand der innerkirchlichen Debattenkultur aufgezeigt – und meiner Meinung nach unschöne Erkenntnisse hervorgebracht. Gleich vorweg: Es ist für mich völlig unverständlich, was eine in den Anden verehrte Göttin mit der Amazonassynode zu tun hat, warum Statuen dieser Gottheit ausgerechnet in einer Kirche aufgestellt werden müssen und wie man sich als Katholik vor diesen Pachamamas sogar noch niederwerfen kann, ohne in Konflikt mit dem ersten Gebot zu geraten. Aus diesem Grund begrüße ich es, dass diese Statuen entfernt wurden. Mein Problem ist, dass man dies nicht sagen kann, ohne Probleme (in Form von schwerwiegenden Intoleranzvorwürfen) zu kriegen.

Weder irrationales Eifern noch Diebstahl

Die Entfernung der Holzstatuen war weder ein irrationales Eifern, noch ein durch Fremdenhass motivierter Diebstahl, sondern vielmehr eine klare und unmissverständliche Absage an den mit unserem Glauben inkompatiblen Synkretismus. Katholiken, die sich dem Wahrheitsanspruch des Glaubens verpflichtet fühlen, darf man nicht allesamt in den Topf der Intoleranten werfen. Statt die Keule der Xenophobie zu schwingen, täte man gut daran, über die wahre Bedeutung von Toleranz nachzudenken.

Toleranz bedeutet das Ertragen von anderen Meinungen, das sich im Respekt gegenüber den Meinungsträgern zeigt. Das ist nicht gleichzusetzen mit der Anpassung an die Auffassung anderer; hingegen bedingt er, dass man nach wie vor bewusst an den eigenen Überzeugungen festhält. Sollte man auf einmal dieselben Ansichten wie sein Gegenüber haben, kann und muss man diesen schließlich nicht mehr tolerieren.

Pachamamas haben mit dem katholischen Glauben nichts zu tun

Ich möchte betonen, dass man den größten Respekt vor Pachamamas haben und absolut tolerant gegenüber den Angehörigen deren Religion sein kann – und diese Statuen trotzdem nicht in unseren Kirchen sehen möchte. Denn bei allem Respekt: Pachamamas haben mit dem katholischen Glauben nichts zu tun, und die Bedeutung einer kirchlichen Stätte geht über die eines Abstellortes für kultische Gegenstände anderer Religionen hinaus. Mein Wunsch ist es, dass man diese Auffassung vertreten darf, ohne als intolerant abgestempelt zu werden – und dass innerkirchliche Debatten in Zukunft von mehr Toleranz geprägt sein werden.

Der Autor, 21, studiert Rechtswissenschaften in Freiburg i.Ü.

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