Würzburg

Junge Federn: Mein Kairos-Moment

Unsere Autorin hatte die Gelegenheit, das Evangelium auf besondere und unerwartete Weise kommunizieren zu können.

Glaubensverkündigung mit Lobpreis
Lobpreis mit Cello und Klavier: eine sehr bewegende Erfahrung für alle. Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild)

Kennen Sie dieses Gefühl, dass Zusammenhänge, die Sie eigentlich schon längst kapiert haben, plötzlich ins Herz rutschen und erst dann so richtig Sinn machen und Sie berühren? Zum Beispiel ein Bibelvers, den Sie vorher bereits viele Male gelesen haben, der Sie nun zum ersten Mal richtig ergreift und Gott dadurch treffsicher in Ihre Situation spricht? Ich jedenfalls hatte genau einen solchen Kairos-Moment in der letzten Woche. Neben meinem Job bei Alpha Deutschland studiere ich berufsbegleitend an der CVJM-Hochschule den Masterstudiengang „Transformationsstudien“. Ich liebe es darüber nachzudenken, weshalb und wie sich unsere Gesellschaft und unsere Kirchen wandeln und wie wir diese Veränderungen aktiv mitgestalten können. In unserem aktuellen Modul haben wir uns mit dem Thema beschäftigt, wie wir das Evangelium kommunizieren können.

Bewegender Lobpreis mit Klavier und Cello

Unsere hitzigen Diskussionen und Gespräche dauerten manchmal bis spät in die Nacht. Neben all dem Studieren sollte natürlich auch die Gemeinschaft nicht zu kurz kommen, weswegen mein Mann und ich meine Kommiliton/-innen an einem Abend auf ein Getränk zu uns nach Hause einluden. Nachdem der Abend bereits in vollem Gange war, stieß einer meiner Mitstudierenden gemeinsam mit einem mir fremden Mann zur Feier hinzu. Im ersten Moment war ich doch recht perplex, dass er einfach jemanden mitbrachte, den er erst kurz vorher auf dem Weg zu uns kennenlernte. Der Mann wirkte außerdem leicht betrunken und etwas desorientiert. In diesem Moment blieb mir kaum etwas Anderes übrig, als meinem Kommilitonen, der Streetworker und Jugendpastor ist, zu vertrauen und den Unbekannten willkommen zu heißen. Der Abend neigte sich dem Ende entgegen und die kleine Restgruppe wollte gerne zum Abschluss noch singen, weswegen wir noch Klavier und Cello auspackten und einige Lobpreislieder sangen. Es war ein genialer Abend und besonders die Lobpreiszeit am Ende war sehr bewegend für alle.

Von Gott berührt

Am nächsten Tag erzählte mir mein Mitstudent, dass ihm sein neuer Bekannter am Morgen noch einmal eine sehr berührende Nachricht geschickt hat. Er habe so etwas wie den vergangenen Abend noch nie erlebt. Die Lieder und besonders die Inhalte seien ihm sehr fremd vorgekommen, aber sie waren heilsam für ihn und er fühlte sich von Gott berührt. Und das war mein Kairos-Moment! Nicht die hitzigen Diskussionen oder tiefgehenden Vorlesungen waren es, die mir gezeigt haben, was es bedeuten kann, das Evangelium zu kommunizieren, was es bedeutet, missionarisch zu leben. Sondern dieser Mann, der uns stillschweigend beim Lobpreis zugehört hat, dem niemand eine solche Gottesbegegnung zugetraut hätte, der von unserem natürlichen Glaubensausdruck und der Gastfreundlichkeit meines Kommilitonen so beeindruckt war.

Die Autorin arbeitet bei Alpha Deutschland und studiert Transformationsstudien

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