Würzburg

Junge Federn: Leben beginnt mit der Zeugung

An der Uni Lübeck werden die Plätze des Auswahlverfahrens der Hochschulen über Auswahlgespräche vergeben. In ihrem Gespräch macht unsere Autorin ihre Position zum Lebensschutz deutlich.

Beginn menschlichen Lebens
Wann beginnt das menschliche Leben? Für unsere Autorin Franziska Strecker eindeutig mit der Zeugung. Foto: Felix Heyder (dpa)

Professor: „Wann beginnt für Sie das menschliche Leben?“ – „Mit der Zeugung.“ – Stille im Raum des Auswahlgesprächs für das Medizinstudium.

An der Uni Lübeck werden die Plätze des Auswahlverfahrens der Hochschulen über Auswahlgespräche vergeben. Mit meinem bonierten Numerus Clausus hatte ich das Auswahlgespräch sicher und habe mich kurz vor dem Termin darauf vorbereitet. Im Internet gibt es dazu Gedankenprotokolle in Hülle und Fülle. Neben Fragen zum Lebenslauf wurden immer wieder Fragen zur Uni, Stadt, aktuellen medizinischen Themen et cetera gestellt.

Ethische Fragen im Auswahlgespräch

Im Auswahlgespräch angekommen war dann bei mir aber alles anders. Ich hatte alles Mögliche zu den Themen gelesen, kannte das Datum der Stadtgründung und die Inschriften des Holstentores. In der Prüfungskommission sitzen immer ein Professor, ein Arzt und ein Student. Bei mir lief es nach dem "Good-Cop-Bad-Cop-Modell". Der Professor war am herausforderndsten für mich, aber was soll ich sagen, irgendwie mag ich solche Leute, die einen wirklich fordern, auch wenn es in dem Moment nicht immer so angenehm ist. Wie sich bereits nach der ersten Frage herausstellte, hatte ich alle Sachen zur Stadt et cetera umsonst gelernt; mein Auswahlgespräch bestand neben ein paar Fragen zum Lebenslauf und ein paar allgemeinen Fragen nämlich eigentlich nur aus ethischen Fragen.

Nach der freundlichen Begrüßung stellte der Professor direkt klar, dass sie mir jetzt ziemlich auf den Zahn fühlen würden, aber man im Guten auseinandergehen würde; aber nicht ohne zu erwähnen, dass das natürlich nicht hieße, dass ich den Studienplatz hätte. Das Gespräch begann dann mit seiner These, dass Medizin und Religion nicht zusammenpassen würden. Ich habe das natürlich bestritten und dargelegt, warum ich das anders sehe. Nach seinem „Ok, darüber könnten wir jetzt den ganzen Abend diskutieren“, wurde das Thema gewechselt. Jetzt ging es um mein vorheriges Theologiestudium. „Sie haben Theologie studiert, ich gehe mal davon aus, dass sie gläubig sind?“ Nachdem ich das bejaht hatte, fingen die ethischen Fragen an. Ich sei ja gläubig und dann könnte es ja sein, dass eine Schwangere zu mir kommt und abtreiben möchte. Dazu wollten sie wissen, wie ich sie beraten würde, dann ging es um meine Meinung zum Thema Organspende und der derzeitigen Regelung in Deutschland.

"Was ist ihre Lieblingsbibelstelle?"

Mitten im Gespräch, ohne Zusammenhang, fragte der Professor „Wann beginnt für Sie das menschliche Leben?“ Ohne lange zu zögern, antwortete ich in einem Satz: „Mit der Zeugung“. Und dann herrschte für einen Moment Stille im Raum. Da es von meiner Seite dazu nichts zu präzisieren oder zu revidieren gab, musste ich das wohl oder übel aushalten. Am Ende des Gesprächs angekommen, wurde mir noch mal das weitere Vorgehen mitgeteilt, bevor die Verabschiedung anstand. Völlig aus dem Nichts sagte der Professor wieder: „Eine Frage, eine Antwort noch. Was ist Ihre Lieblingsbibelstelle?“. Damit hatte ich jetzt so gar nicht gerechnet und sah bestimmt auch etwas irritiert aus. Ich habe sie dann aber genannt und aufgesagt.

Nach dem Gespräch war ich mir unsicher, ob ich einen Platz für das Medizinstudium bekommen würde und zeitweise auch etwas niedergeschlagen. Nach ein paar Tagen hat sich das aber etwas gegeben und ich hab mir gesagt „wenn sie dich so nicht nehmen, wie du bist, dann ist das auch nicht der Ort, an dem du studieren solltest“. Auch wenn ich unfassbar traurig gewesen wäre, wenn es so wäre. Umso größer war die Freude, als dann zwei Tage vor dem eigentlichen Termin die E-Mail mit der Bestätigung für den Studienplatz ankam. Und jetzt geht es bald los.

Die Autorin, 28, arbeitet als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin in Bonn