Würzburg

Junge Federn: Ein neues Abendland

Die traditionelle römische Messe ist authentischer Ausdruck des Glaubens, aber auch einer höchst fruchtbaren Wechselbeziehung zwischen katholischer Religion und abendländischer Kultur.

Alte Messe
Eine Nische, in der das Abendland nach wie vor existiert, ist die Alte Messe. Im Bild: Ein Gottesdienst der Traditional Latin Mass Society in San Francisco. Foto: Traditional Latin Mass Society

Um Antworten auf die Fragen dieser Zeit zu finden, ist es notwendig, eine echte Kultur wiederzuentdecken. Und diese Kultur muss in ihrem Wesen eine abendländische sein. Das Abendland ist noch nicht vollends untergegangen, es lebt noch in kleinen Nischen. Wenn gegen die Diktatur des Relativismus und gegen die Kultur des Todes immer mehr Menschen aufstehen, dann ist es möglich, ein neues Abendland zu erschaffen, das für Tradition und Familie, christliche Tugenden und wahren Fortschritt steht, das wieder zu einer Hochkultur werden, eine geistige Renaissance erleben und authentische Formen des künstlerischen Ausdrucks finden kann.

Alt, aber nicht veraltet

Eine Nische, in dem das Abendland nach wie vor existiert, ist die „alte Messe“. Ich bevorzuge den Ausdruck „traditionelle römische Messe“, da diese Liturgie zwar alt, aber nicht veraltet ist. Sie ist authentischer Ausdruck einerseits des Glaubens, andererseits aber auch einer höchst fruchtbaren Wechselbeziehung zwischen katholischer Religion und abendländischer Kultur; so sehr, dass beides nicht mehr auseinanderzudividieren ist, denn die Kultur ist echt katholisch, und die Liturgie, die ganze Kirche, wurde von dieser edelsten Kultur geprägt, von ihren Kunstformen, von den schönsten Blüten, die sie hervorbringen konnte. Diese römische, abendländische, aber auch universelle Liturgie vereint die Triumphe des menschlichen Geschlechts in sich und bringt sie anbetend und dankend dem Schöpfer dar. Auch über die Grenzen Europas hinaus hatte die römische Liturgie eine solche Wirkkraft, dass mit ihr ganze Kontinente missioniert werden konnten. Sie ist nicht einfach Machtwerkzeug einer fremden Kultur, sondern bringt etwas universell Menschliches zum Ausdruck, berührt das Geheimnis der conditio humana und stellt die Gegenwart Gottes vor Augen.

Frage nach der Inkulturation bleibt bestehen

Die Frage nach der Inkulturation bleibt bestehen. Kulturimperialistische Bestrebungen, moderne Werte und Strukturen zu exportieren, zeigten sich schon in der Vergangenheit als vergebens. Das Hinaustragen von Demokratien nach westlichem Vorbild, die eigentlich von Konzernen und Lobbys gesteuert werden, führte noch nie zu dem erwarteten kulturellen Aufbruch, sondern zu Krieg und viel Leid. Sieht man daher die Mission und Bekehrung der Welt nicht als einen oberflächlichen Export europäischer Werte an, sondern als das Übergeben eines unfassbar wertvollen Geschenks, das die Macht hat, die Kultur eines Volkes zu veredeln, dann vielleicht könnten einige Krisen der Kirche und der Gesellschaft überwunden werden.

Der Autor, 23, studiert Theologie in Münster

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