Würzburg

Junge Federn: Der himmlische Bezugspunkt

Immer dann, wenn Menschen den Glauben aus freien Stücken angenommen haben, hatte das Auswirkungen auf all die Mängel und Sorgen ihres Lebens.

Bibel auf der Frankfurter Buchmesse
Jesus konnte die Menscen erreichen, indem er sie ins Herz traf. Im Bild: Bibel eines polnischen Verlags auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Boris Roessler (dpa)

Wie kann man den Glauben immer neu ins Gespräch bringen? Nicht nur oberflächlich, nicht nur informativ, sondern wirklich gewinnend und so vorschlagend, dass der Glaube schlicht und einfach wie ein Feuer überspringt.

Wie kann man wirklich jemanden für den Glauben gewinnen, der bis dahin nichts mit diesem Glauben zu tun hatte oder haben wollte? Wie kann man jemanden hinführen zu einem Glauben an einen Gott, der der Urheber aller Dinge ist? Wie vermitteln, dass dieser Gott im Sohn sein Wesen offenbart und unmissverständlich zeigt, wer er ist? Und wie kann man zuletzt auch die katholische Kirche als eine die Zeit verbindende Stiftung Jesu aufzeigen, die seine Botschaft und Jesus selbst in ihrem Handeln aufscheinen und gegenwärtig werden lässt?

Wie Jesus die Menschen erreichen konnte

Bei Jesus scheint das alles einfach gewesen zu sein. Abertausende Menschen, die ihm so weit nachgegangen sind, dass er kaum mehr zur Ruhe kommen konnte. Aber wie konnte Jesus die Menschen erreichen? Der Fortgang der Geschichte hat gezeigt, dass Jesus Menschen ins Herz getroffen hat.
Eines ist dabei gewiss: Jesus hat mit den Menschen gesprochen. Das Gespräch, das miteinander reden, ist schon im Handeln Jesu Dreh- und Angelpunkt und muss es daher auch für uns sein. Was macht das Reden Jesu mit den Menschen aus? Ein wesentlicher Aspekt, den die Evangelien durchgängig schildern, ist, dass in den unterschiedlichsten Situationen ein Mangel sichtbar wurde.

Jesus hat sich all dieser Mängel angenommen. Wie hat er das getan: Entweder hat er den Mangel ausgemacht, oder die Menschen haben einen Mangel gespürt, weil sie Jesus begegneten. Diese Mängel, von denen in den Evangelien die Rede ist, sind allesamt Mängel, die unser menschliches Leben zutiefst beeinträchtigen: Ausgestoßen-sein, Einsam-sein, Schuldig-sein, Habgierig-sein, Traurig-sein, Hoffnungslos-sein, Ängstlich-sein, und viele Mängel mehr. Jesus hat in diesen Situationen Worte der Heilung, der Nähe, des Muts, der Hoffnung, der Vergebung und der Freiheit gesprochen.

Den Himmel zur Bezugsgröße des Sprechens machen

Dieses Vermögen Jesu war nicht einmalig und unwiederholbar. Immer dann, wenn Menschen diesen Glauben aus freien Stücken angenommen haben, hatte das Auswirkungen auf all die Mängel und Sorgen ihres Lebens. Jesus hat das nicht nur aufgrund außergewöhnlicher Kräfte oder besonderer charismatischer Begabungen geschafft (die ich nicht absprechen möchte), sondern, und das ist das entscheidende: Weil er den Himmel, das Reich Gottes, zur Bezugsgröße seines Sprechens gemacht hat.

Mit dem Himmelreich führt Jesus einen neuen Maßstab ein, der alle Vorstellungskraft sprengt, der selbst den Mangel an Leben und im Tod endender Liebe mit der Hoffnung ewigen Lebens stillen kann. Jesus spricht von der Chance auf eine größere Existenz. Ich denke, das ist es, was Menschen damals wie heute ansprechen kann.

Als Kirche dürfen wir angesichts unzähliger Streitthemen und einem daraus drohenden Zerfall der Einheit, diesen himmlischen Bezugspunkt nicht verstellen. Unser Sprechen muss wieder in einen größeren Kontext gesetzt werden, der den Himmel durchscheinen und die Menschen ihre eigentliche Bestimmung erahnen lässt.

Der Autor, 30, ist Kaplan in Roding St. Pankratius

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