Würzburg

Junge Federn: Den negativen Zirkel brechen

Als Katholiken müssen wir uns freuen in unserem Glauben, wenn wir auf die ungebrochene Heiligkeit der Kirche schauen. Nur so kann der Glaube an Attraktivität gewinnen.

Freude am Glauben
Unser Autor Andreas Feil hat sich früh entschieden, nicht negativ über die katholische Kirche zu sprechen, denn das sein nicht die Kirche, an die er glaubt. Im Bild: Impression vom Weltjugendtag 2008 in Sydney. Foto: A3482 epa AAP Dean Lewins (dpa)

Ich wurde mit 21 katholisch. Zuvor war ich zwei Jahre lang Mitglied einer charismatischen Freikirche gewesen. Aus freikirchlichen Zeiten war ich es gewohnt, dass die Gläubigen sehr euphorisch über Glauben und Gemeinde sprachen. „Wir möchten die ganze Stadt zu uns einladen!“, war ein Ziel. Mehrere hunderttausend Menschen sollten mit der christlichen Botschaft erreicht werden. Mit einer solchen Begeisterung kam ich in die katholische Kirche. Auch war ich von der Kirche selbst begeistert, ihrer ausgefeilten Lehre, den kraftvollen Ritualen und der langen Geschichte.

Negative Zukunftserwartungen beherrschen die Kirche

Wenige Wochen nach meiner Initiation besuchte ich eine Messe in St. Eberhard, Stuttgart. Die Fürbitten. „Herr, ziehe deine Kirche aus der schweren Krise, in der sie feststeckt!“ Sofort war ich irritiert. Doch das war nur der Anfang. Je mehr ich mich mit Katholiken unterhielt, desto stärker wurde mir bewusst, welch negative Zukunftserwartungen die Kirche beherrschen. Vor allem das Wort „noch“ ist symptomatisch. „Habt ihr noch einen Pfarrer?“ „Gibt es bei euch noch eine Messe?“ Hier schwingt automatisch mit, dass das morgen nicht mehr so sein wird. Ich habe mich früh entschieden, anders über meine Kirche zu sprechen. Immer wenn ein negativer Tenor laut wird, lächle ich nett, und sage mir innerlich: das ist nicht die Kirche, an die ich glaube. Meine Kirche ist groß, siegreich, heilig und herrlich.

Nun mag man einwenden: Das ist ein schönes Ideal, aber die Praxis sieht anders aus. Darauf erwidere ich: Wenn wir mit den Augen Gottes auf die Kirche schauen, wird das Ideal Wirklichkeit. Wenn wir uns nur mit Austrittszahlen und Kirchenschließungen befassen, verlieren wir am Ende beides.

Der Trost Jesu Christi ist ein anderer

Jeder Hobbypsychologe weiß, was negative Erwartungen auslösen: Ich erwarte Negatives, betrachte die Wirklichkeit unter diesem Vorzeichen, erlebe Negatives und werde dann wiederum in der Erwartung gestärkt, dass zukünftig Negatives passieren wird. Ein Kreislauf nach unten. Gleichzeitig birgt diese Lebensweise einen trügerischen Trost: den, dass sich meine Erwartung erfüllt hat, ich also die Wirklichkeit korrekt prognostiziert habe. Das ist wohl ein Grund, warum negative Erwartungen die Kirche so stark befallen haben – der scheinbare Trost. Aber der Trost Jesu Christi ist ein anderer.

Deshalb muss der negative Zirkel durchbrochen werden. Er wird durchbrochen, wenn wir uns freuen in unserem Glauben, freuen, Christ und katholisch sein zu dürfen, wenn wir auf die ungebrochene Heiligkeit der Kirche schauen und die zahllosen Heiligen, die in ihr wandeln. Singen wir wie in jenem wunderbaren Lobpreislied: „Wir Deine Kirche treiben Deinen Sieg in der Welt voran!“

Der Autor, 28, hat Theologie und Sinologie studiert und wohnt mit seiner Familie in Berlin, wo er beim Auswärtigen Amt arbeitet

 

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