Würzburg

Junge Federn: An Perlen in den Himmel

Was genau fasziniert die vielen Gläubigen daran, 59 Ave Maria zu beten und mit den Augen Mariens das Leben ihres Sohnes zu betrachten? Die Antwort: Der Rosenkranz ist verdichtetes Evangelium.

Die Faszination des Rosenkranzes
Der Rosenkranz ist verdichtetes Evangelium. Gleich einer Meditation lässt er einen, wenn er mit Andacht gebetet wird, alles vergessen. Foto: Henning Kaiser (dpa)

Ich sitze in der Marienkapelle meiner Pfarrkirche. Am Montagabend schaffen es vier ältere Frauen, der Vorbeter, meine Mutter und ich, die Perlen unserer Rosenkränze durch unsere Finger gleiten zu lassen. Leider nicht mehr lange, weil auch die unbarmherzige Demografie vor dieser Gemeinschaft nicht Halt machen wird.

Ein wenig mehr Beter waren es in Rom: Bei der Live-Übertragung des Rosenkranzes saßen, standen und knieten zahllose Menschen in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore. An den Radios und vor den Bildschirmen waren es rund zehn Millionen Menschen in über 70 Ländern. Und da war der Missions- und Rosenkranzmonat Oktober gerade erst eine Woche alt.

Mit Andacht gebetet, lässt der Rosenkranz alles vergessen

Ich habe mich vor Jahren auch gefragt: Was genau fasziniert die vielen Gläubigen daran, 59 Ave Maria zu beten und mit den Augen Mariens das Leben ihres Sohnes zu betrachten? Sein Leben, sein Wirken, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung? Weil der Rosenkranz eben verdichtetes Evangelium ist. Gleich einer Meditation lässt er einen, wenn er mit Andacht gebetet wird, alles vergessen. Ich habe selbst erfahren: Auf vielen Wallfahrten lässt dich dieses meditative Beten alle Kilometer vergessen, die unter deinen Füßen vorbeiziehen. Und von vielen Menschen höre ich: „Diese Worte halten mich, wenn mich nichts mehr hält.“ Eine Gänsehaut-Atmosphäre!

Die Betrachtung der Geheimnisse verlangt Maria an jedem ersten Samstag im Monat – einem sogenannten Herz-Mariä-Sühnesamstag. Nur 15 Minuten lang. Seien wir mal ehrlich: So viel Zeit hat jeder. Aber die Worte Buße, Opfer, Sühne sind Begriffe, die vielen fremd geworden sind. Dabei haben sie doch so viel Power. Denn sie geben uns Lebenden im Hier und Jetzt unendlich viel „Macht“, arme Seelen zu retten und ihnen zu helfen, heil im Vaterhaus anzukommen.

Worte wie Buße, Opfer und Sühne sind vielen fremd geworden

Heil dort angekommen sind symbolisch auch die „Geretteten“ aus dem bekannten Fresko Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle. In einem Ausschnitt zieht ein Engel gleich mehrere Menschen am Rosenkranz hoch in den Himmel. Ein Hinweis auf die rettende und erlösende Kraft des Rosenkranzes und die Fürsprache Mariens.

Hoffentlich bleibt die Gemeinschaft der Rosenkranzbeter in meiner Pfarrgemeinde lange am Ball, denn auch hier gilt schließlich das Wort des Herrn: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Der Autor, 28, ist Online-Redakteur beim christlichen Sender Radio Horeb