„In relative kurzer Zeit“

Parolin: Papstwort kommt bald – Kasper: Synode hat Tür geöffnet

Rom/Aachen (DT/KNA) Papst Franziskus dürfte nach Aussage von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in „relativ kurzer Zeit“ sein Schreiben zur Bischofssynode über Ehe und Familie veröffentlichen. Eine Stellungnahme des Papstes müsste bald kommen, sonst verliere sie „etwas an Kraft, an Eindruck“, sagte Parolin am Mittwochabend vor Journalisten am Rande eines Kongresses in Rom. Allerdings sei ungewiss, ob Franziskus überhaupt ein solches Dokument plane. Der Generalobere des Jesuitenordens, Adolfo Nicolas, hatte vor wenigen Tagen die Einschätzung geäußert, ein nachsynodales Schreiben des Papstes werde bis nächsten Sommer erscheinen. Die Bischofssynode hatte nach dreiwöchigen Beratungen am Samstag ein Abschlusspapier verabschiedet und Franziskus überreicht; dieser gab es zur Veröffentlichung frei. Der Abschlussbericht hat jedoch lediglich den Charakter einer Empfehlung. Die Papst kann nun entscheiden, ob er ein eigenes Schreiben verfasst, das dann verbindliche Richtlinien enthält.

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper hat eine positive Bilanz der Bischofssynode über Ehe und Familie gezogen. Die am Sonntag beendete Synode „öffnete sozusagen die Tür für die Zulassung in Einzelfällen der wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten; sie durchschreitet diese Tür jedoch nicht“, heißt es in einem am Donnerstag in Aachen verlesenen Festvortrag des Kardinals zum 75. Geburtstag von Ortsbischof Heinrich Mussinghoff. Kasper war nach den Angaben krankheitsbedingt verhindert. Nach Kaspers Worten hat das Bischofstreffen das Prinzip benannt, aber nicht die möglichen Konsequenzen. Nur so sei zu diesem Punkt, der keineswegs die zentralste Frage der Synode gewesen sei, die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit möglich gewesen. „Das war nicht die hinterlistige Idee einer deutschen Verschwörer-Gruppe, sondern der einstimmige Beschluss der zentralen Kommission.“ Sie habe die Absicht gehabt, den Papst nicht festzulegen und ihm freie Hand zu lassen. „Der Sieger der Synode sind nicht die Konservativen oder Progressiven, der eigentliche Sieger ist der Papst“, so Kasper. Der synodale Prozess gehe weiter. Erst das zu erwartende verbindliche Dokument von Papst Franziskus werde der Abschluss sein. Die Synode habe die Kirche bereits verändert, sagte der Kardinal und verwies auf die Befragung der Gläubigen, eine „freimütige Debattenkultur“ und die Herausstellung der Synodalität der Kirche. Zudem sei betont worden, dass die Kirche nicht als Lehrmeisterin „mit erhobenem Zeigefinger kritisiert, zensuriert und verurteilt, sondern als eine barmherzige Mutter wertschätzend offen ist für alle“.

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