Hilfswerk warnt vor Christenvertreibung

Koptischer Bischof: Ägyptische Medien verschleiern Übergriffe

Frankfurt/Zürich (DT/KAP) Vor einer „Christenvertreibung“ in Ägypten warnt das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“. Christen erlebten in Ägypten derzeit die „schlimmste Zeit der letzten Jahrhunderte“, zitierte das Hilfswerk mit Sitz in Königstein (Hessen) den koptischen Bischof Estaphanos (Moussa El Mohharrak) von Beba in einer Aussendung am Montag. „Kirche in Not“ war weiters Mitveranstalter eines Tages für die verfolgten Christen in Fribourg (Schweiz). Es sei schlimm, dass die Gewalt gegen Christen von Seiten der Behörden kommentarlos hingenommen werde und die Täter nicht bestraft würden; die Gewalttaten mit zahlreichen Toten hätten einen Graben zwischen Muslimen und Christen geöffnet, „der sich unter dem Einfluss fanatischer Führer vergrößert“, so Kardinal Antonios Naguib.

Unter den Augen internationaler Medien würden Christen umgebracht und ihre Kirchen „systematisch verbrannt“. Zudem würden ägyptische Medien die Übergriffe „verschleiern, um zu verhindern, dass die internationalen Medien die Wahrheit berichten und so Druck von außen kommt“, so Bischof Estaphanos.

Weiters berichtete der koptisch-orthodoxe Bischof gegenüber „Kirche in Not“ von Schikanen im Alltag. So gebe es Aufrufe, nicht bei christlichen Händlern zu kaufen, Stellenanzeigen würden zudem gezielt nach Mitarbeitern „mit Kopftuch“ suchen und so die koptischen Christen diskriminieren. Es werde durch all dies versucht, „die Christen zu vertreiben“, brachte Estaphanos die Situation auf den Punkt. Daher brauche es dringend „gegenseitige Solidarität innerhalb der Christenheit“.

Zugleich ließ der Bischof keinen Zweifel daran, dass die koptischen Christen bereit seien, „wie zu Beginn des Christentums Märtyrer zu werden“. Von Kindheit an seien sie eng mit ihrer Kirche verbunden und betrachteten sie als „ihre Mutter“. Daher würden sie „ihr Land und ihre Kirche unterstützen, ohne zu überlegen“.

Ebenfalls extrem besorgt äußerte sich der ägyptische Kardinal Antonios Naguib, Patriarch der koptisch-katholischen Kirche, am Sonntag in Fribourg (Schweiz). In Ägypten seien allein in diesem Jahr Dutzende von Christen bei Attentaten getötet worden, sagte der Kardinal bei einem Gottesdienst in der Fribourger Kathedrale. Der schöne Traum der „Revolution vom 25. Januar“ habe nicht lange gedauert. Der Kardinal befürchtet, dass die muslimischen Fundamentalisten, namentlich die Salafiten und die Muslim-Brüder, bei den Wahlen Ende November viele Sitze gewinnen werden.

Hoffnungslos sei die Situation jedoch nicht. Es gebe Lichtblicke und Grund zur Hoffnung. Naguib verwies auf die Jugend, die der „Revolution“ den Atem gegeben habe, mit dem Ziel, dem Land eine demokratische Zivilgesellschaft zu geben. Christen hätten ein neues Gesicht „voller Energie, Mut und Durchhaltevermögen“ gezeigt, und muslimische Schriftsteller seien öffentlich für einen demokratischen Rechtsstaat eingetreten, der die Rechte aller garantiere. „Es besteht die große Möglichkeit für einen Dialog, die wir ergreifen müssen“, sagte der Kardinal. Naguib nahm auf Einladung von „Kirche in Not“ am 5. Nationalen Gedenk- und Gebetstag für verfolgte Christen teil.

Aktuell gebe es zahlreiche Diskriminierungen, betonte er: So sei es einer Muslima verboten, einen Christen zu heiraten. Ein Nicht-Muslim könne nicht Erbe eines Muslim sein. Wenn ein christlicher Familienvater zum Islam übertrete, seien dessen Frauen und Kinder von der Erbschaft ausgeschlossen, es sei denn, sie würden selber zum Islam konvertieren. Minderjährige Kinder würden automatisch Muslime, wenn der Vater sich zum Islam bekenne.

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