Hauptverdächtiger in Ettal widerruft Geständnis

München (DT/KNA) Laut einem Bericht des „Focus“ hat der Hauptverdächtige im Missbrauchsskandal des oberbayerischen Klosters Ettal sein Geständnis widerrufen. Der Verteidiger des heute 39-jährigen Paters G., der Düsseldorfer Anwalt Rüdiger Deckers, sagte dem Magazin, gesellschaftlicher Kontext habe die ermittelnden Polizeibeamten „unter Druck gesetzt“ und seinen Mandanten „negativ stereotypisiert“.

Hauptbelastungszeuge im Fall von Pater G. ist laut „Focus“ ein ehemaliger Ettaler Internatsschüler, der ihm vorwerfe, Mitschüler im Genitalbereich berührt zu haben. Laut Aktenlage habe der Zeuge ausgesagt, „hundertfach“ missbraucht worden zu sein. Der „Focus“ schreibt, der nun 20-jährige Schüler habe dem Blatt gesagt, weder sei er sexuell missbraucht worden noch habe er je die Zahl 100 genannt. Anwalt Deckers sagte, er wolle eine Begutachtung mehrerer Zeugen durch einen namhaften deutschen Aussagepsychologen fordern. Zudem sollten „die Zeugen erneut durch Staatsanwaltschaft oder Richter vernommen werden“. Manche Aussagen seien womöglich im Zuge einer „hypothesengeleiteten Art der Vernehmung“ entstanden. Er werde seine Verteidigungsschrift in diesen Tagen bei der Münchner Staatsanwaltschaft einreichen.

Das Benediktinerkloster Ettal stand wegen mutmaßlicher Missbrauchsfälle und Vorwürfen unzureichender Aufklärung im Blick. Im Februar trat Abt Barnabas Bögle (53) auf Drängen des Münchner Ordinariats zurück. Nach seiner Rehabilitierung wurde er im Juli von seinen Mitbrüdern erneut gewählt. Bögle erklärte, er wolle mit Transparenz und Entschiedenheit die Aufklärung und Aufarbeitung vorantreiben. Inzwischen haben in Ettal direkte Gespräche zwischen Opfern und Tätern begonnen. Ein von ehemaligen Klosterschülern gegründeter Opferverein einigte sich mit den Verantwortlichen der Abtei auf einen „modifizierten Täter-Opfer-Ausgleich“.

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