Gelebtes Magnifikat

Zum Gedenktag der seligen Benediktinerin Maria Fortunata Viti am 20. November. Von Katrin Krips-Schmidt

Als die selige Maria Fortunata Viti nach einem über siebzigjährigen Leben in der Abtei Santa Maria dei Franconi am 20. November 1922 in Veroli verstarb, nahm man außerhalb der Klostermauern kaum Notiz von dem Tod der Fünfundneunzigjährigen und auch nicht von dem Begräbnis, das in aller Stille in einer Gruft am Rande der Stadt stattfand. Doch nicht einmal fünfzehn Jahre später kehrten die sterblichen Überreste der Benediktinerin – deren persönlicher Leitspruch „Die Macht und die Liebe Gottes“ lautete – in einer triumphalen Prozession wieder in ihren Heimatort zurück. Dort wurden sie in ihrer Klosterkirche zur letzten Ruhe gebettet. Die Selige hatte sich in zahlreichen Anliegen als machtvolle Fürsprecherin erwiesen, viele Wunder hatten sich nach ihrem Tod ereignet.

Am 10. Februar 1827 in Veroli, etwa 100 Kilometer östlich von Rom, als drittes von neun Kindern geboren, übernahm die auf den Namen Anna Felicia Getaufte nach dem Tod der Mutter bereits im Alter von vierzehn Jahren die Verantwortung für ihre vielen Geschwister. Bevor sie 1851 mit 24 Jahren bei den Benediktinerinnen eintrat, arbeitete sie als Haushälterin, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Dieser Tätigkeit ging sie auch in den kommenden sieben Jahrzehnten in ihrer klösterlichen Gemeinschaft nach, in der die Analphabetin nähte, Kleidung ausbesserte und in der Wäscherei arbeitete. Außer ihrem Beichtvater wussten nur wenige, dass sie von Anfang an von Dämonen gequält wurde, die sie vom Beten abbringen wollten. Dennoch lag in ihren Gebeten offenbar eine besondere Kraft, und die Menschen, die zu ihr kamen, um sie um Rat zu fragen, ermutigte sie, nicht den Glauben zu verlieren, indem sie ihnen in Erinnerung brachte: „Kurz ist das Erdenleid, ewig die Freud!“

Als die Liste der Berichte über die am Grab der Ordensschwester geschehenen Wunder anwuchs, schlug die Äbtissin in Veroli Maria Fortunata für eine Heiligsprechung vor. Bei der Seligsprechungszeremonie, die am 8. Oktober 1967 von Papst Paul VI. vollzogen wurde, waren zwei junge Mütter anwesend, deren vollständige und spontane Heilung von Meningitis während ihrer Kindheit als die für das Verfahren für die Beatifikation damals erforderlichen beiden Wunder anerkannt wurden.

Die selige Maria Fortunata ist ein Sinnbild für die Tugend der Demut, die gerade durch ihre Unscheinbarkeit offenbar wird. Paul VI. sagte: „Ihre Größe ist ihre Niedrigkeit. Wir werden an das Magnifikat erinnert, und das allein spricht schon für Maria Fortunatas Grad an christlicher Authentizität und die Tiefe ihrer spirituellen Vollkommenheit. Die Demut ist ihre Botschaft…“

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