Geistlich rege Witwe

Die heilige Johanna Franziska von Chantal – Mutter und Ordensgründerin – 12. August. Von Katrin Krips-Schmidt
Geistlich rege Witwe

Die heilige Johanna Franziska von Chantal (Foto: IN) kam am 23. Januar 1572 in Dijon in Burgund in der Zeit der französischen Religionskriege auf die Welt. Sie war die Tochter des streng katholischen burgundischen Parlamentspräsidenten Bénigne Frémyot. Ihre Mutter starb bei der Geburt ihres zweiten Kindes, des späteren Erzbischofs von Bourges.

Johanna Franziska löste ihre erste Verlobung aus eigenem Antrieb, als sie erfuhr, dass ihr Bräutigam nicht katholisch, sondern ein Calvinist war. Die Ehe zwischen ihr und Baron Christophe de Rabutin-Chantal, die sie mit zwanzig Jahren einging, war sehr glücklich. Sechs Kindern schenkte sie das Leben, von denen sie zwei wieder verlor. Neun Jahre lebte die Familie auf Schloss Bourbilly, als kurz nach der Geburt des letzten Kindes eine niederschmetternde Nachricht die Schlossherrin erreichte: Ihr Mann war den Verletzungen erlegen, die er bei einem Jagdunfall erlitten hatte. Obwohl Johanna Franziska erst 29 Jahre alt war, legte sie das Gelübde ab, nicht mehr zu heiraten. Über den Verlust ihres Gemahls kam sie lange Zeit nicht hinweg – drei Jahre lang verfiel sie in Depressionen.

1604 begegnete sie Franz von Sales (1567–1622), dem damaligen Fürstbischof von Genf, als dieser eine Fastenpredigt in Dijon hielt. Er wurde ihr Beichtvater. Zwischen den beiden entwickelten sich sofort ein gegenseitiges tiefes Vertrauen und eine aufrichtige Zuneigung. Der heilige Franz von Sales erkannte in der frommen Witwe diejenige, mit der er eine neue Gemeinschaft ins Leben rufen wollte. Das Besondere daran war: Der Orden sollte für alle Altersgruppen offen sein, auch arme Frauen sollten Zutritt haben, vor allem sollte es keine strenge Klausur geben, das beschauliche Leben in einer fürsorgenden Caritas für Kranke und Bedürftige reiche Frucht bringen. Das Projekt wurde am 6. Juni 1610 mit der gemeinsamen Gründung des Ordens „Von der Heimsuchung Mariens“ in die Tat umgesetzt, nachdem Johanna Franziska für die Zukunft ihrer Kinder gesorgt hatte. In Deutschland heißen die Schwestern des Ordens auch „Salesianerinnen“ oder „Visitandinnen“.

Im Laufe ihres Lebens hatte Johanna Franziska weitere Schicksalsschläge zu verkraften: Kurz vor der Gründung ihrer neuen Gemeinschaft starb eine ihrer Töchter nach einer Krankheit, 1617 eine zweite Tochter bei der Geburt ihres ersten Kindes, das seine ersten Tage nicht überlebte. 1622 schließlich starb ihr Seelenführer Franz von Sales. Die Korrespondenz der beiden Heiligen mit den Briefen, die Johanna Franziska an den „hochverehrten Herrn und einzigen Vater“ richtete, gehört zu den Schätzen der Weltliteratur und zeugen von der innigen geistlichen Beziehung der Schreiber, die sich gegenseitig den Weg zum Himmel zeigten. 350 Briefe sind erhalten, die wenigsten von der Heiligen selbst, da sie ihre eigenen nach dem Tod ihres geistlichen Begleiters verbrannt hatte.

Bei ihrem Tod am 13. Dezember 1641 in Moulins hinterließ Johanna Franziska 87 Konvente in ganz Frankreich. Heute verfügen die Salesianerinnen über 153 Ordenshäuser auf vier Kontinenten. 1751 wurde Johanna Franziska von Benedikt XIV. selig- und 1767 von Clemens XIII. heiliggesprochen. Sie wird als Schutzpatronin für eine glückliche Entbindung verehrt.

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