Franziskus besucht Albanien

Der Papst reist am 21. September in den einst offiziell „ersten atheistischen Staat der Welt“

Vatikanstadt (DT/KNA/sb) Papst Franziskus will im September Albanien besuchen. Er kündigte die eintägige Reise in die Hauptstadt Tirana am Sonntag bei seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz an. Mit seiner Visite am 21. September wolle er die Ortskirche stärken, die lange Zeit „unter den Konsequenzen vergangener Ideologien leiden musste“, so Franziskus. Daher habe er eine Einladung der albanischen Bischöfe und der Regierung angenommen.

Die Religionen und besonders die katholische Kirche waren während der kommunistische Diktatur ab 1946 brutal unterdrückt. Zunächst wurden der Vertreter des Heiligen Stuhls und alle ausländischen Missionare und Ordensleute des Landes verwiesen. Viele Bischöfe, Priester und Ordensleute wurden von den Kommunisten ermordet oder in Konzentrationslager gesperrt. Zwischen 1945 und 1948 wurden alle Orden in Albanien aufgelöst, alle kirchlichen Waisenhäuser, Schulen und Krankenhäuser verstaatlicht.

1967 setzte der kommunistische Diktator Enver Hodscha alle bisherigen Religionsdekrete außer Kraft und erklärte Albanien zum „ersten atheistischen Staat der Welt“. Tausende religiöse Einrichtungen, darunter 268 katholische Kirchen und Kapellen, wurden niedergerissen oder zweckentfremdet. Die Verfassung von 1976 erklärte jegliche Religion als „Obskurantismus“, das Strafgesetzbuch von 1977 sah für jede religiöse Aktivität die Todesstrafe vor.

Erst mit dem Ende des Kommunismus 1990 wurden religiöse Aktivitäten schrittweise wieder ermöglicht. 1991 fanden die ersten freien Wahlen statt und die Gewissens- und Religionsfreiheit wurden wieder offiziell in Kraft gesetzt. Im gleichen Jahr nahmen Albanien und der Heilige Stuhl wieder diplomatische Beziehungen auf. Papst Johannes Paul II. kam am 25. April 1992 zu einem Besuch nach Tirana. Die Visite wurde damals als Sieg der Religionsfreiheit und als Meilenstein auf dem Weg Albaniens aus der internationalen Isolation gefeiert.

Heute sind von den gut drei Millionen Einwohnern Albaniens weniger als 400 000 katholisch. Etwa 60 Prozent der Einwohner sind – überwiegend sunnitische – Muslime, etwa 20 Prozent sind katholische und orthodoxe Christen. Die katholische Kirche gliedert sich in fünf Diözesen und eine Apostolische Administration.

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