„Fast eine Arbeitsplatzgarantie “

Neuer Studiengang an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München: „Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit“:. Ein Gespräch mit dem Soziologen Carsten Wippermann. Von Michaela Koller
Foto: Archiv | Carsten Wippermann.
Foto: Archiv | Carsten Wippermann.

Die Katholische Stiftungsfachhochschule München (KSFH) bietet ab Oktober den neuen Bachelorstudiengang „Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit“ in Benediktbeuern an. Zwischen dem 5. Mai und dem 16. Juni können sich Bewerber melden. Ziel des Studiums ist, Nachwuchs für die Berufe als Religionslehrer und Gemeindereferenten auszubilden. Das Erzbistum München-Freising und das Bistum Augsburg geben Absolventen gar eine Art Jobgarantie. Michaela Koller befragte Professor Carsten Wippermann, Soziologe und Studiengangsleiter, über das Angebot.

Woran machen Sie einen Bedarf an einem Studiengang zu kirchlicher Bildungsarbeit fest?

Die beiden Diözesen München und Freising und Augsburg sind auf uns zugekommen haben angefragt, ob wir entsprechend ausbilden, da sie einen unheimlich hohen Fachkräftebedarf in den Ordinariaten verzeichnen, für Gemeindereferenten und -referentinnen. Der Fachkräftemangel ist derzeit schon groß und es ist für die nächsten Jahre absehbar, dass der Bedarf mit dem derzeitigen Personal nicht gedeckt werden kann. Es fehlt in Grund-, Mittel- und Förderschulen tatsächlich auch an qualifizierten Religionslehrern. Das bedeutet aber, dass für diejenigen, die die Ausbildung machen, die Wahrscheinlichkeit unglaublich hoch ist, eine gute Anstellung zu finden. Man kann fast von einer Arbeitsplatzgarantie sprechen.

Wie wird er finanziert?

Das Studium wird komplett von den beiden Diözesen finanziert, vom Erzbistum München und Freising und vom Bistum Augsburg.

Was ist das Besondere an diesem Studiengang?

Die Studierenden haben von Anfang nicht nur die Möglichkeit, Religionspädagogik zu studieren, sondern gleichzeitig auch das Fach „Soziale Arbeit“. Sie studieren mit den Studenten dieses Fachs zusammen, bekommen auch eine ähnliche Ausbildung in gleichen Seminaren und Vorlesungen in den Bereichen Pädagogik, Psychologie, Soziologie, also ein breites Spektrum von Humanwissenschaften. Gerade die Verbindung mit Sozialer Arbeit ist wichtig, wenn es darum geht, später in den Gemeinden und Schulen tätig zu sein und mit Menschen zu arbeiten. Beide Bachelorstudiengänge führen jeweils zu eigenständigen Abschlüssen. Sie sind so miteinander verzahnt, dass man es in zehn Semestern plus einem Praxissemester abschließen kann – beides zugleich. Es gibt am Ende im 7. Semester ein abschließendes Praxissemester, das gleichzeitig als berufseinführendes Semester genutzt werden kann, in dem man schon nach kurzer Zeit adäquat ein Einkommen bezieht.

Wie ist dieser Studiengang sonst noch kombinierbar?

Als ergänzende Qualifikation bieten wir auch eine erlebnispädagogische Ausbildung an. Das ist auch deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal. Zweitens bauen wir derzeit eine musikpädagogische Zusatzqualifikation auf.

Wie ist der Studiengang aufgebaut?

Das Studium besteht regulär aus sieben Semestern, davon verbringt man sechs reine Studiensemester an der Hochschule, in denen man Vorlesungen hört und Seminare belegt und Credit points sammelt. Das siebte Semester findet ja vor Ort in der Praxis statt, wenn es auch noch von der Hochschule begleitet wird. Das ist wirklich schon der Berufseinstieg. Zwischen dem ersten und sechsten Fachsemester an der Hochschule gibt es dazu Praxiseinheiten, die studienbegleitend stattfinden; hier bieten wir eine sehr gute Praxisbörse an, das heißt es sind Praxisstellen, die wir uns vorher ansehen und die eine gute Qualität im Sinne der Studierenden bieten. Insgesamt ist das Studium sehr flexibel aufgebaut; die Studierenden können selbst entscheiden, wo sie ihre Schwerpunkte legen, welche Veranstaltungen sie anfangs oder lieber später belegen. Es ist also weniger verschult, gleichzeitig bieten wir aber einen Master-Stundenplan als Empfehlung an.

Wieso ist Benediktbeuern dafür ein geeigneter Standort?

Die Studienatmosphäre ist schon eine ganz besondere. Es ist eine recht kleine Hochschule in Benediktbeuern. Das heißt, dass der persönliche Kontakt zwischen Studierenden und uns Dozenten sehr nah und persönlich ist, eine sehr familiäre Hochschule, bei der es keine langen Wege gibt. Gleichzeitig studiert man dort, wo andere Urlaub machen. Die Freizeitmöglichkeiten sind genial, davon ein breites Spektrum in der Natur: Segeln, Mountainbiken, Klettern, Surfen, Wandern und vieles mehr, im Winter natürlich Langlaufen, Alpin, Skiwandern. Und wer in die Großstadt will, ist binnen nur einer halben Stunde in München.

Wen möchten Sie mit diesem Angebot ansprechen?

Das Angebot richtet sich an all jene, die eine persönliche Neigung, eine Passion für Religion und religiöse Themen haben, für theologische und pädagogische Fragen, die gerne mit Menschen, die aus unterschiedlichen Lebenswelten kommen, arbeiten, die auch eine Leidenschaft für die Kirche haben und diese weiterentwickeln wollen. Das können junge Studierende sein, die vor kurzem das Abitur oder die Fachhochschulreife gemacht haben oder auch Frauen und Männer, die sich in der Mitte ihres Lebens noch einmal überlegen, sich eine andere Ausrichtung mit einer Zusatzqualifikation zu geben; aber auch andere, die in einem sozialen Beruf tätig sind und sich der Religionspädagogik zuwenden wollen.

Welche Erwartungen werden sonst an die Bewerber gestellt?

Natürlich das Abitur oder die Fachhochschulreife. Aber auch wer diese nicht hat, kann sich mit einer beruflichen Qualifikation in Form einer Lehre und fünf Jahren Berufserfahrung bei uns bewerben. Wichtig ist, dass wir keine Begrenzung der Studierendenzahl haben. Uns ist zugesichert worden, dass alle, die die formalen Voraussetzungen erfüllen, bei uns aufgenommen werden können.

Woher kommen die Dozenten für das Fach?

Wir haben eine Reihe von Theologinnen und Theologen, die systematische Theologie, Fundamentaltheologie, Bibelwissenschaft, Pastoraltheologie, Ethik und Religionspädagogik lehren. Daneben gibt es eine Reihe von Professorinnen und Professoren aus den Bereichen Psychologie, Pädagogik, Soziologie und auch der Sozialen Arbeit. Ich selbst bin Soziologe und werde dort im Studiengang vor allem Lebenswelten, Wertewandel, Lebensstil und soziale Milieus unterrichten. Mir geht es darum, wie man die Menschen in verschiedenen sozialen Milieus verstehen kann und wie man ein Gespür für Menschen bekommt, die so anders sind als man selbst. Das Ziel ist, die Menschen emotional und kognitiv zu erreichen. Das ist nicht immer leicht und wird immer anspruchsvoller, denn die Pluralität in unserer Gesellschaft nimmt immer weiter zu. Es geht darum, für eine milieusensible Pastoral die soziologischen Grundlagen zu liefern.

Themen & Autoren

Kirche