Familien als wichtigste Katecheten

Haus der Steyler Missionare informierte über Christen in China

Sankt Augustin (DT/KNA) Der orthodoxe Glaube in China lebt, sagt Pater Piotr Adamek. Vor ihm hatten auch der katholische Priester Josef Zhao und Schwester Grace Zhang die Lebendigkeit ihrer Kirche beschworen. Im Haus der Steyler Missionare in Sankt Augustin bei Bonn ging es am vergangenen Freitagabend um die aktuelle Situation des Christentums in China. Und die ist auch dreißig Jahre nach Ende der Kulturrevolution und der Verfolgung der Christen angespannt. Auch im Jahr der Olympischen Spiele, in dem Peking auf eine positive Außenwirkung bedacht ist. Trotz der schönen Stadien bleibe China ein Land mit einer repressiven Religionspolitik, sagt der China-Experte und Religionswissenschaftler Pater Roman Malek. Repressionen, das heißt in China etwa erschwerte Ausreise für Ordensleute oder auch willkürliche Verhaftungen, staatliche Einmischung in kirchliche Angelegenheiten – ein großer Streitpunkt zwischen der Regierung in Peking und dem Vatikan – oder auch Nicht-Anerkennung. So haben die orthodoxen Christen keinen offiziellen Status im Land. Zudem stehen die Kirchen in China wegen der gesellschaftlichen Änderungen der vergangenen Jahrzehnte vor Herausforderungen vor allem für die katholische Kirche, von denen Katharina Wenzel-Teuber vom China Zentrum in Sankt Augustin berichtet. Viele Aspekte gelten aus ihrer Sicht aber auch für die evangelische Kirche in ihren verschiedenen Ausformungen, die zahlenmäßig längst die größere sei. Auf zwölf bis vierzehn Millionen beziffert Wenzel-Teuber die Zahl der Katholiken, die der Protestanten auf 25 bis 100 Millionen – bei etwa 1, 3 Milliarden Einwohnern Chinas. Pluralismus, wachsende Konsumorientierung, individuellere Lebensgestaltung, wirtschaftlicher Druck und soziale Probleme sind einige der gesellschaftlichen Entwicklungen, die Wenzel-Teuber nennt; darunter die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Diese Punkte begreift sie als Herausforderungen für die Kirche, aber auch als Chance. Im sozialen Bereich dränge die Regierung die Kirchen mittlerweile zur Hilfe, weil der Staat die Probleme alleine nicht lösen könne. So engagiert sich die Kirche stärker sozial, etwa in Alten- und Kinderheimen, in der medizinischen Betreuung oder in Sozialzentren. Als wichtigen Wandel begreift die China-Expertin die Veränderung der Familienstruktur. Wegen der Ein-Kind-Politik, Abwanderung in die Städte oder einer wachsenden Zahl an Scheidungen verliere die traditionelle katholische Großfamilie an Selbstverständlichkeit, die so lange der Garant für die Weitergabe des Glaubens war – auch in Zeiten der Verfolgung. Daran erinnert sich auch Priester Josef Zhao. In seiner Heimatdiözese XianXian, 150 Kilometer südlich von Peking, sei die Kirche in der kommunistischen Verfolgungszeit wie ausgestorben gewesen, um danach wie aus dem Nichts wieder aufzuerstehen. Auch der Priester bezeichnet die katholische Familie als Garant für die Weitergabe des Glaubens. Heute gebe es in seiner Diözese mehr als 200 Kirchen und ein kleines Seminar. Etwa 65 000 Katholiken gehörten ihr an – mehr als es orthodoxe Christen landesweit gibt. Ihre Zahl schätzt Piotr Adamek auf 10 000 bis 30 000. Eine winzige Minderheit, aber sie lebt.

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