Erziehung hat nichts mit Nützlichkeitsdenken zu tun

Eure Exzellenz, Herr Minister für die Erziehung!

Hochwürdigster Herr Weihbischof Stack!

Sehr geehrter Herr Direktor Dr. Naylor!

Verehrte Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Ich freue mich sehr über diese Gelegenheit, den hervorragenden Beitrag zu würdigen, welchen Ordensmänner und Ordensfrauen in diesem Land in großherziger Erziehungsarbeit leisten. Ich danke den Jugendlichen für ihren Gesang und Sr. Teresa für ihre guten Worte. Ihr und allen engagierten Männern und Frauen, die ihr Leben der Erziehung der Jugend widmen, möchte ich meine tiefe Anerkennung zum Ausdruck bringen. Sie bilden neue Generationen nicht nur im Glaubenswissen aus, sondern in allem, was von Bedeutung ist, um als reife und verantwortungsbewusste Bürger in der heutigen Welt zu leben.

Wie Sie wissen, besteht die Aufgabe eines Lehrers nicht einfach darin, Informationen zu vermitteln oder für eine Schulung in gewissen Fertigkeiten zu sorgen, um den wirtschaftlichen Gewinn für eine Gesellschaft zu steigern; Erziehung ist nicht und darf nie rein utilitaristisch verstanden werden. Vielmehr geht es um die Ausbildung der menschlichen Person, um ihn oder sie zu rüsten, das Leben in seiner Fülle zu leben – kurz, es geht um die Vermittlung von Weisheit. Wahre Weisheit ist untrennbar mit dem Wissen um den Schöpfer verbunden, denn „wir und unsere Worte sind in seiner Hand, auch alle Klugheit und praktische Erfahrung“ (Weish 7, 16).

Diese transzendente Dimension von Studium und Lehre hatten die Mönche klar erfasst, die so viel zur Evangelisierung dieser Inseln beigetragen haben. Ich denke an die Benediktiner, die den heiligen Augustinus auf seiner Mission nach England begleiteten, an die Schüler des heiligen Kolumban, der den Glauben in Schottland und Nordengland verbreitete, oder an den heiligen David und seine Gefährten in Wales. Sofern die Suche nach Gott, die das Herzstück der monastischen Berufung ausmacht, aktives Engagement verlangt und zwar mit den Mitteln, durch die er sich selbst zu erkennen gibt – die Schöpfung und sein offenbartes Wort –, war es nur folgerichtig, dass ein Kloster eine Bibliothek und eine Schule haben sollte (vgl. Ansprache zu den Vertretern der Welt der Kultur am „College des Bernardins“ in Paris, 12. September 2008). Die Mönche widmeten sich der Bildung als dem Weg, auf dem sie dem fleischgewordenen Wort Gottes begegnen konnten. So sollten sie das Fundament für unsere westliche Kultur und Zivilisation legen. Wenn ich mich heute hier umschaue, sehe ich viele apostolisch aktive Ordensleute, deren Charisma die Erziehung der jungen Leute einschließt. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, Gott für das Leben und Werk der ehrwürdigen Mary Ward zu danken, eines Kindes dieses Landes, deren bahnbrechende Vision von einem apostolischen Ordensleben für Frauen soviel Frucht gezeitigt hat. Ich selbst habe als Kind eine Erziehung von den „Englischen Fräulein“ erhalten, für die ich ihnen tiefe Dankbarkeit schulde.

Liebe Ordensleute, viele von Ihnen gehören Schulorden an, die das Licht des Evangeliums in ferne Länder hinausgetragen haben als Teil des großen Missionsauftrags der Kirche – und auch dafür sage ich Gott Lob und Dank. Oft haben Sie die Grundlage erzieherischer Einrichtungen gelegt, lange bevor der Staat die Verantwortung für diesen unverzichtbaren Dienst am Einzelnen und der Gesellschaft wahrgenommen hat. Während sich die jeweiligen Aufgaben von Kirche und Staat im Bereich der Erziehung weiterentwickeln, sollten Sie nie vergessen, dass Ordensleute einen einzigartigen Beitrag zu diesem Apostolat leisten, vor allem durch ihr gottgeweihtes Leben und ihr gläubiges und liebendes Zeugnis für Christus, den höchsten Lehrer.

Das Glaubensleben bestimmt die schulischen Aktivitäten

Die Präsenz von Ordensleuten in katholischen Schulen ist in der Tat eine gewichtige Mahnung an das vieldiskutierte katholische Ethos, das jeden Bereich des schulischen Lebens durchdringen soll. Dies geht weit über das selbstverständliche Erfordernis hinaus, dass der Lehrinhalt immer mit der kirchlichen Lehre konform sein muss. Das bedeutet, dass das Glaubensleben die treibende Kraft hinter jeglicher schulischer Aktivität sein muss, sodass der Sendung der Kirche wirksam gedient werden kann und junge Menschen die Freude entdecken, sich an Christi „Dasein für andere“ (Spe salvi, 28) zu beteiligen.

Bevor ich schließe, möchte ich noch ein besonderes Wort der Anerkennung für jene anfügen, deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass unsere Schulen eine sichere Umgebung für unsere Kinder und Jugendlichen bieten. Unsere Verantwortung gegenüber den uns für eine christliche Erziehung Anvertrauten verlangt nichts weniger. Das Glaubensleben kann ja nur wirksam genährt werden, wenn eine Atmosphäre von respektvollem und herzlichem Vertrauen herrscht. Ich bete, dass dies auch weiterhin ein Merkmal der katholischen Schulen in diesem Land sei.

Mit diesen Überlegungen, liebe Brüder und Schwestern, lade ich sie nun ein, sich zu erheben und zu beten.

Herr Weihbischof Stack, ich möchte Sie bitten, als Vorsitzender des Board of Governors der Saint Mary's University im Namen des College dieses Mosaik der seligen Jungfrau Maria als Geschenk anzunehmen.

© Copyright 2010 – Libreria Editrice Vaticana

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