Eine politische Papst-Reise

Mitte April besucht Benedikt XVI. die Vereinigten Staaten und spricht vor den Vereinten Nationen

Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten hat auch Konsequenzen für den Papst: Ursprünglich wollte Benedikt XVI. erst im Herbst zur UNO nach New York reisen, um auf Einladung von Generalsekretär Ban Ki Moon vor der Vollversammlung eine Grundsatzrede zu halten. Da der Vatikan aber Papstreisen prinzipiell weit weg von Wahltagen ansetzt, wurde die Reise vorgezogen. Vom 15. bis zum 21. April reist Benedikt XVI. zum ersten Mal nach Nordamerika. Das gab der Vatikan am Freitag offiziell bekannt.

Einzige Stationen der Reise: Washington und New York. Im Vorfeld hatten sich auch die alten – irisch oder polnisch geprägten – katholischen Hochburgen wie Chicago und Baltimore ebenso Hoffnung auf einen Papstbesuch gemacht wie die neuen Zentren der Hispanics im Südwesten: Houston oder Kalifornien. Damit tritt die Rede vor den Vereinten Nationen – sicher die politischste Ansprache des Papstes – noch deutlicher als Anlass und Mittelpunkt der Visite hervor.

Wie schon seine Vorgänger Paul VI. im Jahr 1965 und Johannes Paul II. im Jahr 1995 wird auch Benedikt XVI. vom New Yorker Glaspalast aus eine Friedensbotschaft an die Welt richten und sich zu den großen Menschheitsfragen äußern. Er wird über Prinzipien einer gerechten Weltordnung sprechen, über die Achtung von Menschenrechten, Lebensschutz, Freiheit und einer gerechten Entwicklung für Menschen und Völker. Und er dürfte anmahnen, dass die Staatengemeinschaft ihren Dienst zum Wohl der Familie der Nationen noch effizienter leisten könne.

Internationale Politik, die Krise in Nahost und Afrika

Die großen Themen der internationalen Politik, insbesondere die Krisen in Nahost und Afrika, dürften bereits zur Sprache kommen, wenn Benedikt XVI. zwei Tage zuvor – an seinem 81. Geburtstag – im Weißen Haus mit Präsident George W. Bush zusammentrifft. Neben diesen beiden zentralen Terminen sollen eine Reihe von Gottesdiensten, Ansprachen und Begegnungen samt einem „Bad in der Menge“ zur achten Auslandsreise des Papstes gehören. Das genaue Programm wird erst wenige Wochen vorher bekanntgegeben.

Von Messen in der New Yorker St. Patrick's Cathedral und im Yankee Stadion ist die Rede. Am Ground Zero will Benedikt XVI. für die Opfer des Terrorismus beten. Dann soll es ein ökumenisches und ein interreligiöses Treffen geben, eine Begegnung mit Jugendlichen, aber auch eine Rede vor den Rektoren aller katholischen Universitäten des Landes. Und in seinen Ansprachen wird das Kirchenoberhaupt auch um Vertrauen werben, das 2002 nach der Debatte um die Missbrauchsskandale in den Vereinigten Staaten teilweise erheblich belastet wurde.

Ein vorgesehener Programmpunkt ist durch die Terminverschiebung gekippt. Ursprünglich wollte Benedikt XVI. in New York eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Jüdischen Weltkongress (WJC) durchführen. Das hatte er bei einer Audienz mit WJC-Präsident Ronald S. Lauder vergangenen Oktober in Rom vereinbart. Allerdings fällt die päpstliche Etappe in New York genau auf den Sabbat und auf das Pessah-Fest. So bleibt nur eine interreligiöse Begegnung am Tag zuvor in Washington. Spannend wird sein, wie die jüdische Seite – nach der Kritik an der neuen Karfreitagsfürbitte – dort vertreten sein wird.

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