Eine Pilgerfahrt der Suchenden

Der Vatikan gibt das Programm des Friedenstreffens in Assisi bekannt. Von Guido Horst
Foto: KNA | Anlass für Missverständnisse und Kontroversen wie beim Gebetstreffen Johannes Pauls II. mit Religionsvertretern in Assisi 1986 will der Vatikan im September vermeiden.
Foto: KNA | Anlass für Missverständnisse und Kontroversen wie beim Gebetstreffen Johannes Pauls II. mit Religionsvertretern in Assisi 1986 will der Vatikan im September vermeiden.

Rom (DT) Es soll eine symbolische Wallfahrt sein, eine Pilgerfahrt für den Frieden, wenn Benedikt XVI. am kommenden 27. Oktober Assisi besucht, um dort mit Vertretern anderer christlicher Bekenntnisse und nichtchristlicher Religionen ein Zeichen gegen Gewalt und Unfrieden in dieser Welt zu setzen. Das geht aus einem Kommunique hervor, das das Presseamt des Vatikans am vergangenen Samstag veröffentlicht hat. Es werde ein Tag der Stille, der Reflexion und der Meditation sein, geht aus dem Papier hervor, das den Titel „Pilger der Wahrheit, Pilger des Friedens“ trägt. Wie bereits vom Papst Benedikt selber am Neujahrstag angekündigt, werde dieser genau 25 Jahre nach dem ersten, von Johannes Paul II. angeregten Treffen der Religionen in der Franziskus-Stadt „die Geschwister im Glauben aus den anderen Konfessionen, die Vertreter der verschiedenen religiösen Traditionen auf der Welt und ganz allgemein alle Menschen guten Willens“ einladen, mit ihm „einen Tag der Reflexion, des Dialogs und des Gebets für den Frieden und die Gerechtigkeit in der Welt“ zu verbringen. Ein gemeinsames Gebet an diesem Tag in Assisi ist nicht vorgesehen.

Radio Vatikan zitierte dazu den Bischof von Assisi, Domenico Sorrentino, mit den Worten, dass man Missverständnisse auf jeden Fall vermeiden wolle: „Unter den vielen Schwierigkeiten, die im Rückblick auf das erste Gebetstreffen vor 25 Jahren auftauchten – Schwierigkeiten, die mitunter vorgeschoben und nicht immer begründet waren –, fand sich auch diese: Das erste Treffen konnte fälschlicherweise den Eindruck eines gewissen Relativismus erwecken.“ Doch dem Anschein des Synkretismus, der den Gedanken nahelege, es sei unmöglich, die Wahrheit, auch eine religiöse Wahrheit, zu erkennen, wolle man mit dem Aspekt des Pilgerns entgegenwirken, erklärte der Bischof. Der Begriff der Pilgerschaft drücke einerseits die Demut dessen aus, der, auch wenn er die Wahrheit erhalten habe, sie nie zur Gänze besitze, weil es umgekehrt die Wahrheit sei, die den Menschen besitze. „Auf der anderen Seite drückt die Pilgerschaft aus, dass es sehr wohl eine Marschrichtung gibt, dass die Möglichkeit besteht, eine Wahrheit zu erreichen“, so Sorrentino.

In der Erklärung des Vatikans vom Samstag heißt es dazu: „Jeder Mensch ist im Grunde ein Pilger auf der Suche nach Wahrheit und Glück. Auch der religiöse Mensch ist ständig auf der Wanderschaft, die zu Gott führt: Daraus erwächst die Möglichkeit, ja geradezu die Notwendigkeit, zu sprechen und mit allen Gespräche zu führen, mit Glaubenden und Nicht-Glaubenden, ohne die eigenen Identität preiszugeben oder Formen des Synkretismus nachzugeben; in dem Maß, in dem diese Pilgerschaft der Wahrheit wahrhaft gelebt wird, öffnet sie sich dem Dialog mit dem anderen, schließt keinen aus und bezieht alle ein, Bauleute der Brüderlichkeit und des Friedens zu sein. Dies sind die Elemente, die der Heilige Vater ins Zentrum der Reflexion stellen möchte.“ Das Kommunique kündigt zudem an, dass auch einige Repräsentanten aus der Welt der Kultur und der Wissenschaft eingeladen werden, die, wenngleich sie sich nicht als religiös gebunden empfinden würden, sich doch auf der Suche nach der Wahrheit wüssten und sich der gemeinsamen Verantwortung für die Grundlagen der Gerechtigkeit und des Friedens in dieser Welt bewusst seien. Der arme und bescheidene heilige Franziskus werde alle erneut in seiner Stadt aufnehmen, die ein Sinnbild der Brüderlichkeit und des Friedens geworden sei.

Wie bereits Johannes XXIII. wird sich Benedikt XVI. mit dem Zug nach Assisi begeben. Zum Programm des 27. Oktobers heißt es in der Vatikan-Erklärung: „Die Delegationen werden gemeinsam mit dem Heiligen Vater am Vormittag des 27. Oktober von Rom mit der Eisenbahn aufbrechen. Nach der Ankunft in Assisi werden sie sich zu einem Moment der Erinnerung an die früheren Treffen und eine Vertiefung des Tagesthemas in die Basilika Santa Maria degli Angeli begeben. Einige Teilnehmer der anwesenden Delegationen und auch der Heilige Vater werden das Wort ergreifen.“

Es folge ein einfaches Mittagessen gemeinsam mit allen Delegierten. Die schlichte Mahlzeit solle zum Ausdruck bringen, „dass sich alle gemeinsam in brüderlicher Eintracht zusammenfinden und die zugleich Teilhabe an den Leiden vieler Menschen bedeutet, die den Frieden nicht kennen“. Danach sei eine Zeit der Stille für die persönliche Betrachtung und für das Gebet vorgesehen.

Am Nachmittag schließlich würden sich alle in Assisi anwesenden Gäste auf den Weg zur Basilika San Francesco begeben. Es werde ein Pilgerweg sein, auf dessen letztem Stück auch die Teilnehmer der Delegationen mitgehen werden. Damit solle der Weg verdeutlicht werden, den jeder Mensch auf der beharrlichen Suche nach der Wahrheit und des tatkräftigen Strebens nach der Gerechtigkeit und des Friedens beschreite. „Dies geschieht im Schweigen, um Raum für das Gebet und die persönliche Betrachtung zu lassen. Im Schatten der Basilika San Francesco, dort wo auch die früheren Treffen beendet wurden, wird der Abschluss des Tages mit einer feierlichen Erneuerung des gemeinsamen Einsatzes für den Frieden sein.“

Zur Vorbereitung dieses Gedenktages, gab der Vatikan bekannt, werde Papst Benedikt XVI. am Vorabend im Petersdom einer Gebetsvigil mit den Gläubigen der Diözese Rom vorstehen. Die Ortskirchen und die Gemeinschaften überall auf der Welt seien eingeladen, ähnliche Gebetsveranstaltungen zu organisieren.

In den kommenden Wochen würden die Präsidenten der Päpstlichen Räte der Förderung der Einheit der Christen, des interreligiösen Dialogs und der Kultur Einladungen im Namen des Papstes verschicken.

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