Die Schwester Benedikts

Zum Gedenktag der heiligen Ordensfrau Scholastika am 10. Februar. Von Katrin Krips-Schmidt
Foto: KNA | Die heilige Scholastika, dargestellt im Landesmuseum Klosterkultur in Lichtenau-Dahlheim.
Foto: KNA | Die heilige Scholastika, dargestellt im Landesmuseum Klosterkultur in Lichtenau-Dahlheim.

Der heilige Papst Gregor der Große (um 540–604) berichtet von der heiligen Scholastika. Sie war die Zwillingsschwester des heiligen Benedikt und wird als erste Benediktinerin angesehen. Wie ihr berühmter Bruder wurde auch sie um 480 in Nursia, dem heutigen Norcia in Umbrien geboren. Wie der Vater aller Mönche fühlte sie sich ebenfalls zu einem Leben des Gebets in Abgeschiedenheit hingezogen, und so waren die Geschwister im Geiste einander sehr verbunden. Es heißt, Scholastika habe als geweihte Jungfrau am Fuße der von Benedikt 530 auf dem Berg Montecassino gegründeten Abtei gelebt. Andere Biografen berichten davon, dass sie ein Frauenkloster neben dem ihres Bruders errichtet habe.

Einig ist man sich darüber, dass sich die Geschwister nur einmal jährlich zu einem Gespräch trafen. Im Jahr 543 sollte es das letzte Mal sein. Die Zeit verging schnell, der Abend kam, und Benedikt machte sich bereit, um sich zu verabschieden. Seine Schwester ahnte, dass sie sich nicht mehr wiedersehen würden, und so bat sie ihn, noch einige Zeit bei ihr zu bleiben. Da er mit den Worten ablehnte: „Wie kannst du nur so sprechen? Es ist ganz unmöglich, die Nacht außerhalb des Klosters zu verbringen!“, senkte sie den Blick und versank in ein kurzes Gebet. Kaum hatte sie den Kopf wieder erhoben, brach schon ein gewaltiger Donner los, und Blitze erhellten die Nacht. Strömender Regen ergoss sich auf das Dach des Hauses. „Was hast du getan, Schwester?“, rief Benedikt und sprang zornig auf. Scholastika antwortete schelmisch: „Ich habe dich angefleht, doch du wolltest mich nicht erhören. Nun aber habe ich Gott angerufen. Er hat mich erhört. Wenn du kannst, dann lass mich allein und geh in dein Kloster zurück.“ Benedikt blieb, und die beiden verbrachten die ganze Nacht im Gespräch.

Drei Tage später starb Scholastika am 10. Februar 543, und Benedikt sah aus seinem Fenster, wie die Seele seiner Schwester in Gestalt einer Taube in den Himmel emporstieg. Er ließ ihre sterblichen Überreste holen, die er in dem Grab beisetzen ließ, das er für sich selbst hatte herrichten lassen. Ihre Reliquien ruhen heute neben denen ihres Bruders unter dem Hauptaltar der Basilika von Montecassino.

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