Die letzte irdische Antwort der Liebe

Betrachtungen über den heiligen Joseph (V): Du Patron der Sterbenden. Von Klaus Peter Vosen
Foto: IN | Der Tod des heiligen Josef, Gemälde Giuseppe Maria Crespi um 1712.
Foto: IN | Der Tod des heiligen Josef, Gemälde Giuseppe Maria Crespi um 1712.

Man kann sich auf sehr unterschiedliche Weise aus dieser Welt verabschieden, um jene große Reise anzutreten, die geheimnisvoller ist als alles Faszinierende, das wir je auf Erden erlebten. Einzelne, die fürchteten, in ein Nichts, in ein ewiges Verlöschen, zu fallen, sind in ihrer Angst schrecklich gestorben – wie Voltaire, von dem man sagte, wenn der Teufel selbst gestorben wäre, hätte es nicht auf grauenvollere Weise geschehen können als bei dem französischen Aufklärer. Andere, geborgen im sicheren Glauben, gingen mit einer Leichtigkeit hinüber, dass die Menschen, die sich um sie sorgten, es kaum bemerkten. So war es bei der Düsseldorfer Ordensschwester und Mystikerin Emilie Schneider (1820–1859), bei der sich das irdische Leben fast bruchlos in die Unermesslichkeit des ewigen Lebens geweitet hat. Wieder andere, so die heilige Theresia von Lisieux, sind in ihrem Glauben auf dem Sterbebett angefochten worden, haben aber auf Gott ihr ganzes Vertrauen gesetzt, in der Liebe zu ihm letztlich die Zweifel bezwungen und sind auch eines seligen Todes gestorben.

Der heilige Joseph ist der Patron der Sterbenden. Es entspricht guter alter Sitte, vor seinem Bild um eine gute Sterbestunde zu beten. Und in Rom existiert seit 1913 eine Erzbruderschaft vom Hinscheiden des heiligen Joseph, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gerade für Sterbende und Verstorbene zu beten. Sie zählt viele tausend Mitglieder. Eine in Köln an St. Maria in der Kupfergasse bestehende Josephsbruderschaft ist der römischen Vereinigung aggregiert.

Wie kommt St. Joseph zum Patronat über die Sterbenden? Das letzte Mal wird er in der Heiligen Schrift im Zusammenhang der Tempelwallfahrt mit dem zwölfjährigen Jesus nach Jerusalem erwähnt. Über Jesus wird gesagt, dass er danach mit Maria und Joseph nach Nazareth zurückkehrte und ihnen dort untertan war. Damit verschwindet Joseph aus unserem Blickfeld. Seit jeher ist deswegen angenommen worden, dass der Nährvater Christi während der achtzehn „verborgenen“ Jahre Jesu, die zwischen der Tempelwallfahrt und dem Beginn seines öffentlichen Auftretens lagen, gestorben sein muss. Während von Maria und auch anderen Angehörigen im Laufe der zweieinhalb oder drei Jahre des Wirkens Christi sehr wohl die Rede ist, scheint der Name seines Pflegevaters nicht mehr auf. Die Tradition hat den Pflegesohn am Sterbebett Josephs im Haushalt in Nazareth gesehen; populär sind im 19. Jahrhundert die Darstellungen gewesen, auf denen Jesus Joseph die Augen zudrückt. Man kann sich gut vorstellen, dass es in etwa so gewesen ist.

Die Bedeutung für uns? Es ist eigenartig, dass wir für unser Leben zwar manche sichernde Vorkehrung treffen, aber für die Stunde unseres Todes eigenartig „unbesorgt“ scheinen. Wir denken an diese Stunde, die so sicher ist wie das Amen in der Kirche, ungern und mit Widerwillen, und die letzte Bitte des Ave Maria wird von vielen meist nicht sehr gedankenvoll dahergesagt. All das offenbart eigentlich nur unseren mangelnden Glauben. Das Sterben ist das letzte, das wir auf der Erde, auf diesem Bewährungsfeld für die Ewigkeit, noch zu „tun“ haben, in der Todesstunde können noch wichtigste Weichen gestellt werden, die für unser jenseitiges Schicksal entscheidend sind. Das Bemühen um ein echt christliches Hinübergehen ist gleichsam die letzte Freude, die wir Gott auf Erden noch bereiten können, ist oft wie ein Siegel auf ein Leben, das in der Verbundenheit mit ihm verbracht wurde, die letzte irdische Antwort der Liebe auf den Taufbund, den Gott meist schon am Anfang unseres Lebens geschlossen hat. So ist um die Gnade eines guten Todes immer zu beten, der uns selbst auch nicht in der Angst untergehen lässt, sondern ein Hinübergang in Würde und Freude ist und so vielleicht noch andere in ihrem Glauben stärkt.

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