„Das Reich Gottes verkündigen“

Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters beim Angelus am 7. Juli 2013

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Zunächst möchte ich mit Euch die Freude teilen, gestern und heute einem besonderen Pilgerweg dieses „Jahres des Glaubens“ begegnet zu sein: dem der Seminaristen, der Novizen und Novizinnen. Ich bitte Euch, für sie zu beten, damit die Liebe zu Christus in ihrem Leben immer mehr reifen und sie wahre Missionare des Reiches Gottes werden mögen.

Im Evangelium des heutigen Sonntags (Lk 10, 1–12.17–20) ist eben davon die Rede: von der Tatsache, dass Jesus kein alleinstehender Missionar ist, dass er seine Mission nicht allein erfüllen will, sondern dass er seine Jünger einbezieht. Und heute sehen wir, dass er neben den zwölf Aposteln zweiundsiebzig andere Personen beruft und sie zu zweit in die Ortschaften schickt, um zu verkünden, dass das Reich Gottes nahe ist. Das ist sehr schön! Jesus will nicht allein handeln, er ist gekommen, um die Liebe Gottes in die Welt zu bringen und will sie mit dem Stil der Gemeinschaft, mit dem Stil der Brüderlichkeit verbreiten. Aus diesem Grund bildet er sofort eine Gemeinschaft von Jüngern, die eine missionarische Gemeinschaft ist. Sofort leitet er sie zur Mission an, dazu, hinauszugehen.

Doch Vorsicht: Das Ziel ist nicht, Bekanntschaften zu schließen, die Zeit gemeinsam zu verbringen, nein, das Ziel ist, das Reich Gottes zu verkünden, und das ist dringend notwendig! Auch heute ist es dringend notwendig! Es ist keine Zeit mit Reden zu verlieren, es ist nicht notwendig, auf den Konsens aller zu warten, man muss hingehen und verkündigen. Allen wird der Friede Christi gebracht, und wenn sie ihn nicht annehmen, dann macht man trotzdem weiter. Den Kranken bringt man Heilung, weil Gott den Menschen von allem Bösen heilen will. Wie viele Missionare tun das! Sie säen Leben, Gesundheit, Trost in den Randbezirken der Welt. Wie schön das ist! Nicht für sich selbst zu leben, sondern leben, um hinzugehen und Gutes zu tun! Heute sind viele junge Menschen hier auf dem Platz. Denkt daran, fragt Euch: Ruft Jesus mich, um hinzugehen, um aus mir herauszugehen und Gutes zu tun? Euch junge Menschen, Euch Jungen und Mädchen frage ich: Seid Ihr mutig, habt Ihr den Mut, die Stimme Jesu zu hören? Es ist schön, Missionare zu sein! …. Ah, Ihr seid tüchtig! Das gefällt mir!

Wer sind diese zweiundsiebzig Jünger, die Jesus vor sich herschickt? Wen repräsentieren sie? Wenn die Zwölf die Apostel sind und folglich auch die Bischöfe ihre Nachfolger repräsentieren, dann können diese zweiundsiebzig die anderen geweihten Diener, die Priester und Diakone repräsentieren; doch in einem weiteren Sinn können wir an die anderen Ämter in der Kirche denken, an die Katecheten, an die gläubigen Laien, die sich für die Gemeindemission einsetzen, an diejenigen, die für kranke Menschen, für Menschen, die unter verschiedenen Formen der Not leiden, für Menschen, die ausgegrenzt sind, arbeiten; doch immer als Verkünder des Evangeliums, mit der Dringlichkeit des Reiches, das nahe ist. Alle müssen Missionare sein, alle können jenen Ruf Jesu hören, und vorangehen und das Reich verkünden!

Im Evangelium heißt es, dass jene zweiundsiebzig voll Freude von ihrer Mission zurückkehrten, weil sie die Macht des Namens Christi gegen das Böse erfahren hatten. Jesus bestätigt das: Diesen Jüngern gibt Er die Macht, die Dämonen zu besiegen: Doch er fügt hinzu: „Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“ (Lk 10, 20). Wir dürfen uns nicht rühmen, als wären wir die Hauptfiguren: Es gibt nur eine Hauptfigur, den Herrn! Die Hauptfigur ist die Gnade des Herrn! Er ist die einzige Hauptfigur! Und unsere Freude ist allein das: seine Jünger, seine Freunde zu sein. Möge die Gottesmutter uns helfen, gute Arbeiter für das Evangelium zu sein.

Liebe Freunde, die Freude! Habt keine Angst, Euch zu freuen! Habt keine Angst vor der Freude! Jene Freude, die der Herr uns schenkt, wenn wir Ihn in unser Leben eintreten lassen. Lassen wir zu, dass Er in unser Leben eintritt und uns einlädt, hinauszugehen in die Randbezirke des Lebens und das Evangelium zu verkünden. Habt keine Angst vor der Freude! Freude und Mut!

Nach dem Gebet des Angelus ging der Heilige Vater vor seinen Grüßen an verschiedene Gruppen auf dem Petersplatz noch kurz auf die jüngste Enzyklika ein:

Liebe Brüder und Schwestern, wie Ihr wisst, ist vor zwei Tagen die Enzyklika über das Thema des Glaubens mit dem Titel „Lumen fidei – Licht des Glaubens“ veröffentlicht worden. Zum „Jahr des Glaubens“ hatte Papst Benedikt XVI. mit dieser Enzyklika begonnen, die den Enzykliken über die Liebe und die Hoffnung folgt. Ich habe diese schöne Arbeit aufgenommen und sie zu Ende geführt. Ich biete sie voller Freude dem ganzen Gottesvolk an: Denn wir alle müssen uns – vor allem heute – mit dem Wesentlichen des christlichen Glaubens befassen, ihn vertiefen und mit den aktuellen Fragestellungen konfrontieren. Doch ich denke, dass diese Enzyklika, zumindest in Teilen, auch für diejenigen hilfreich sein kann, die auf der Suche nach Gott und nach dem Sinn des Lebens sind. Ich lege sie in die Hände Marias, der vollkommenen Ikone des Glaubens, damit sie die Früchte hervorbringe, die der Herr will.

Übersetzung aus dem Italienischen

von Claudia Reimüller

Themen & Autoren

Kirche

Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann