Da war es nur noch einer

Der Uni Eichstätt gehen die Präsidentschaftskandidaten aus. Von Christoph Renzikowski

Eichstätt (DT/KNA) Geschichte wiederholt sich doch: Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) hat erneut Schwierigkeiten, einen Präsidenten zu finden. Die für 4. Juli angesetzte Wahl fällt aus und wird auf einen unbestimmten Termin verschoben. Am Mittwoch enthüllte der Ingolstädter „Donaukurier“ den unheimlichen Bewerberschwund: Von der Dreierliste mit Kandidaten, die der Senat unlängst der kirchlichen Trägerstiftung übermittelte, ist demnach nur noch einer übrig. Das Szenario wird von offizieller Seite zwar nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert.

Damit hat die einzige katholische Universität im deutschen Sprachraum ihre Vergangenheit, die sie überwunden glaubte, wieder eingeholt. Die Führungskrise begann 2008. Damals scheiterte die Ernennung des Auserwählten an der nötigen Zustimmung der katholischen Kirche. Kurz darauf wurde der langjährige KU-Kanzler, der seine Befugnisse offenbar überstrapaziert hatte, unehrenhaft entlassen. Bei der Neuauflage der Präsidentenwahl sprang dann der Erwählte nach Bekanntgabe des Ergebnisses ab – wegen überhöhter materieller Forderungen, hieß es damals. Es gab kommissarische Leitungen mit wechselndem Personal. Vor drei Jahren wurde der Dominikanertheologe Richard Schenk als Überraschungskandidat dem vom Träger zuvor in Berlin engagierten Nothelfer Andreas Lob-Hüdepohl vorgezogen. Ein unerwarteter Wahlausgang, mit dem der Hochschulrat seine Unabhängigkeit demonstrierte und die Hoffnung verband, die KU endlich in ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Dann aber erklärte Schenk zu Jahresbeginn plötzlich seinen Rücktritt, aus gesundheitlichen Gründen, wie er knapp mitteilte.

Diese Entwicklung begann die Hochschulpolitiker im Landtag zu beunruhigen. Man bat zum Rapport ins Maximilianeum. Dort äußerte sich Unikanzler Thomas Kleinert Mitte Mai noch zuversichtlich, dass der Zeitplan gehalten werden könne. Zum Wintersemester werde der Neue sein Amt antreten. Es gebe genügend qualifizierte Bewerber. Es sollen rund 20 gewesen sein. Von diesen ist nun, wie in einem beliebten Kinderabzählreim, nur noch einer übrig, angeblich ein Prorektor einer deutschen Universität. Wie geht es weiter? Offiziell sind die sieben bayerischen Bistümer mit ihrer Trägerstiftung am Zug. Die hält sich bisher noch bedeckt. Die Wahlordnung sieht zwingend vor, dass ihr Vorschlag an den Hochschulrat mindestens zwei Kandidaten umfasst. Das bedeutet, dass die Stiftung – jenseits der Ausschreibung – wenigstens einen eigenen Mann oder eine Frau ins Spiel bringen müsste. Gelingt dies nicht, beginnt die Prozedur mit Ausschreibung wieder von vorn. Oder es kommt, wie in der jüngeren Vergangenheit wiederholt praktiziert, zu einer Interimslösung. Eine solche könnte die Stiftung auch ohne Befassung der Hochschulgremien kurzfristig installieren. Ob damit die universitätsinternen Fliehkräfte gebändigt werden könnten, ist jedoch fraglich. Noch unter Schenk wurde – nach zehrenden Debatten – zur Jahreswende ein Hochschulentwicklungsplan auf den Weg gebracht, der seiner Konkretisierung und Umsetzung harrt.

Das Papier enthält zum Teil ehrgeizige, langfristig angelegte Projekte, für die mehr Geld benötigt wird, aber auch unangenehme Strukturreformen wie die Verkleinerung von acht auf fünf Fakultäten. Nicht nur nach Einschätzung der Hochschulpolitiker im Landtag wäre dafür eine starke Persönlichkeit an der Spitze erforderlich. Doch auch in der zweiten Etage der KU-Führungsriege lichten sich die Reihen. Der Posten eines Vizepräsidenten ist bereits seit Jahresbeginn vakant. Die Amtszeit des anderen endet im September. Nachgewählt werden kann derzeit nicht. Das Vorschlagsrecht liegt gemäß den Statuten beim Präsidenten.

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