„Christsein ist kein Vergehen“

Oberhaupt der Kopten in Deutschland fordert entschlossenes Vorgehen gegen Terroristen – Muslime bei Trauerfeier. Von Regina Einig
Foto: dpa | Symbol der Stärke: Vater Pigol Bassili von der koptischen St. Markus-Gemeinde in Frankfurt segnet die Gläubigen mit dem Kreuz.
Foto: dpa | Symbol der Stärke: Vater Pigol Bassili von der koptischen St. Markus-Gemeinde in Frankfurt segnet die Gläubigen mit dem Kreuz.

Frankfurt (DT) In der gesteckt vollen Kirche der Frankfurter koptisch-orthodoxen Markus-Gemeinde haben am Samstag Nachmittag Hunderte in einem ökumenischen Gebet der Opfer des Anschlags von Alexandria an Neujahr gedacht. Das Gemeindezentrum im Frankfurter Westen stand während der Feierstunde unter Polizeischutz. Den traditionellen Ritus für die Entschlafenen leitete der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian. Zahlreiche Vertreter der christlichen Kirchen und Gemeinschaften sowie Vertreter der Politik nahmen an der Feierstunde teil: Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau Cordelia Kopsch, Vater Athenagoras Ziliaskopoulos als Vertreter der orthodoxen Bischofskonferenz, die ehemalige Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach (CDU), Rudolf Kriszeleit, Staatssekretär des Justizministeriums, der äthiopisch-deutsche Unternehmensberater Prinz Asfa-Wossen Asserate sowie Uwe Becker (CDU) als Vertreter der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Vor der Feier hatte sich Bischof Anba Damian mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime Aiman Mayzek getroffen.

Das Oberhaupt der koptischen Christen in Deutschland dankte bewegt für die bundesweite Anteilnahme an der Trauer der koptischen Christen. „Ihre Anteilnahme ist wie eine Salbe in einer brennenden Wunde, Ihr Kommen deutet auf Solidarität, Liebe und Verbundenheit“, sagte Damian und hob Bischof Franz–Peter Tebartz-van Elst hervor: „Er war einer der allerersten, die angerufen haben“. Der Limburger Oberhirte hatte am Hochfest der Erscheinung des Herrn im Limburger Dom besonders der koptischen Christen gedacht. Die Kopten wollten eine „Botschaft des Friedens“ aussenden, unterstrich Bischof Damian. Es gehe ihnen um eine „faire Ambition“: „Wir wollen nur als gleichberechtigte Bürger leben“. Mit Nachdruck mahnte das Oberhaupt der koptischen Christen in Deutschland Taten statt blumiger Erklärungen an. Letztere seien „Essig in der Wunde“. Konkret forderte Damian eine Entschädigung für die Familien der Opfer des Anschlags vom Neujahrstag

Getröstet zeigte sich der Bischof angesichts der interreligiösen Anteilnahme durch den Zentralrat der Muslime und den Zentralrat der Juden. „Christsein ist kein Vergehen“, erklärte Damian. Auch in Ägypten sollte die Devise „leben und leben lassen“ gelten. An wenigen Beispielen veranschaulichte Bischof Damian die Schikanen, denen koptische Christen durch ägyptische Behörden ausgesetzt sind. Mit Nachdruck wandte sich Bischof Damian gegen Versuche, Kriminalität gegen Christen kleinzureden. Die Täter müssten endlich bestraft werden, „sonst geben wir grünes Licht für Terroristen“. Zeugenberichten zufolge hätten die Sicherheitskräfte das Areal in Alexandria eine Stunde vor dem Anschlag verlassen.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verurteilte „das grausame Massaker“: Der Anschlag auf eine Kirche, aus der viele Menschen strömten, sei zugleich ein Angriff auf den Glauben, den diese gefeiert hätten.

Zugleich hob der Limburger Oberhirte die Verbundenheit der katholischen Kirche mit den Kopten hervor. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Begegnung zwischen Papst Paul VI. und Papst Shenouda II. im Jahre 1973 und an die Gemeinsame Christologische Erklärung, in der beide Kirchen ihre Glaubensübereinstimmung über die Heilsbedeutung Christi zum Ausdruck gebracht hatten. Mit Nachdruck mahnte Tebartz-van Elst Gewissens- und Religionsfreiheit an: Beide dürften „durch nichts in Frage gestellt werden“. Dies gelte auch für Konvertiten.

Deutlich verurteilte auch der Vertreter der Orthodoxen Bischofskonferenz, Vater Athenagoras Ziliaskopoulos, den Anschlag von Alexandria als „feige und sinnlos“. Er wandte sich gegen eine „Ausuferung der Gewalt“: „Wir warnen eindringlich davor, die Probleme in unseren Heimatländern in die multikulturelle deutsche Gesellschaft zu übertragen“. Orthodoxe Christen gingen den Leidensweg ihrer Kirche, der seit Jahrhunderten dauere.

Die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau Cordelia Kopsch, mahnte die koptischen Christen, auf Rache zu verzichten.

Das Ziel der Terroristen, einen Keil zwischen Christen und Muslime zu treiben, sei nicht erreicht worden, stellte Aiman Mayzek, Präsident des Zentralrats der Muslime fest. „Ein Angriff auf Eurer Gotteshaus ist für die Muslime wie ein Angriff auf das eigene Gotteshaus“. Mit Blick auf den Anschlag sprach er von einer „niederträchtigen Tat“. Christen und Muslime ließen sich jedoch nicht auseinanderdividieren. Sie verbinde eine „ehrenvolle Geschichte“. Es werde „ewig im kollektiven Gedächtnis der Muslime stehen“, dass es Kopten gewesen seien, die der jungen Gemeinde Mohammeds vor 1 400 Jahren in Abessinien Asyl gewährt hätten. Mayzek dankte Bischof Damian ausdrücklich für die „Ehre, dass Sie uns an Weihnachten an ihrem Gottesdienst haben teilnehmen lassen“. Der koptische Würdenträger zeigte sich anschließend offen für einen Besuch in einer Moschee.

Themen & Autoren

Kirche