Bistum hofft auf umfassendes Geständnis

Prozess gegen Pfarrer K. wegen sexuellen Missbrauchs hat begonnen

Aachen (DT/KNA) Vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Aachen hat am Freitag der Prozess gegen den aus dem Bistum Aachen stammenden Pfarrer K. wegen schweren sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener begonnen. Dabei äußerte sich der 56-Jährige ausführlich zu seinem Lebenslauf, nicht jedoch zu den ihm zur Last gelegten Taten. Dem seit 2010 suspendierten katholischen Priester wird vorgeworfen, zwischen Oktober 2001 und November 2006 zwei Brüder zwischen damals elf und 15 Jahren missbraucht zu haben, in sechs Fällen schwer. In drei Fällen soll der Angeklagte mit dem Jungen vor den Übergriffen Marihuana geraucht haben, in einem Fall sei der Junge alkoholisiert gewesen. Die heute 24 und 21 Jahre alten Betroffenen sind als Zeugen geladen. Zur Vernehmung des älteren der beiden wurde auf Antrag von Nebenklageanwalt Martin Hoffmann die Öffentlichkeit nach etwa 70 Minuten von der Verhandlung ausgeschlossen. Staatsanwältin Sabine Grüter schloss sich dem Antrag an. Diese Maßnahme solle dem Persönlichkeitsschutz der beiden Zeugen dienen, sagte der Vorsitzende Richter Herbert Luczak. Georg K., der ab 2007 als Auslandsseelsorger in Südafrika tätig war, hatte auf die in Deutschland laut gewordenen Vorwürfe hin am 4. Mai 2010 Selbstanzeige erstattet. In der von Richter Luczak zitierten Selbstanzeige bekennt sich K. „im Prinzip schuldig“. Die öffentlich in Deutschland gegen ihn vorgebrachten und zur Anzeige gebrachten Straftaten wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener in Deutschland seien „in vielen Fällen richtig“. Weiter heißt es: „Den Opfern und ihren Familien habe ich Schmerzen zugefügt. Das tut mir aufrichtig Leid.“ Ebenso entschuldigte sich K. beim Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff für das verursachte Leid, auch weil „ich alle so lange im Unklaren gelassen habe“.

Es sind zunächst drei weitere Verhandlungstage für Januar anberaumt. Am 6. Februar soll laut Gerichtssprecher Christian Tenhöven das Urteil gesprochen werden. K. war nach Missbrauchs-Vorwürfen und anschließenden Ermittlungen in Südafrika von der Deutschen Bischofskonferenz 2010 suspendiert worden. Ein entsprechendes Strafverfahren in Südafrika gegen ihn wurde am 10. Juni 2014 eingestellt. Allerdings wurde der Angeklagte wegen eines internationalen Haftbefehls an die Staatsanwaltschaft Krefeld ausgeliefert. Der Sprecher des Bistums Aachen, Stefan Wieland, erklärte am Freitag, die Diözese hoffe, „dass Pfarrer K. durch ein umfängliches Geständnis für ein zügiges Verfahren sorgt und auch vor Gericht zu seiner Selbstanzeige stehen und Verantwortung für seine Taten übernehmen“ werde. „Wir haben die Sorge, dass anderenfalls die Opfer, denen unser tiefes Mitgefühl gilt, noch einmal ihr Leid durchleben müssen“, so Wieland.

Nach der Suspendierung von K. habe die vatikanische Behörde Bischof Mussinghoff angewiesen, mit weiteren kirchenrechtlichen Maßnahmen zu warten, bis Erkenntnisse aus dem Strafprozess in Deutschland vorliegen. Bei einer Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird laut Bistum Aachen kirchenrechtlich über die Entlassung des Pfarrers aus dem Klerikerstand entschieden.

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