Bischöfe: „Viri probati“ vor Papstbesuch kein Thema

Acht Unionspolitiker fordern Lockerung des Zölibats – CDU/CSU-Abgeordnete kritisieren Vorstoß

Bonn/München (DT/KNA) Die Deutsche Bischofskonferenz will die von prominenten Unionspolitikern geforderte Zulassung von „verheirateten, bewährten Männern (viri probati)“ zum Priesteramt derzeit nicht diskutieren. Das Anliegen sei „für die Gespräche unmittelbar zur Vorbereitung des Besuchs des Heiligen Vaters in Deutschland nicht als Thema vorgesehen“, heißt es in einer am Wochenende in Bonn veröffentlichten Erklärung. Das Thema sei „von weltkirchlicher Tragweite und verlangt eine entsprechende Meinungsbildung und Entscheidung auf gesamtkirchlicher Ebene“. Die Ehelosigkeit der Priester sei ein hohes Gut und sei wiederholt Thema auch der Beratungen der Bischofssynode in Rom gewesen. In den kommenden Jahren gebe es erneut Anlässe, das Thema neu zu bedenken, etwa bei der „Rückerinnerung an die Beratungen des Konzils vor 50 Jahren und der Gemeinsamen Synode der Bistümer vor 40 Jahren“.

Am Freitag hatten acht katholische Unionspolitiker die Kirche dazu aufgerufen, „verheiratete, bewährte Männer“ zum Priesteramt zuzulassen. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Alle, zum Teil durchaus berechtigten Gründe, an der bisherigen traditionsreichen, wenn auch nicht durch ein Gebot Christi unabweisbaren Praxis festzuhalten, wiegen unseres Erachtens nicht so schwer wie die Not vieler priesterloser Gemeinden, in denen die sonntägliche Messfeier nicht mehr möglich ist und die wachsende Gefahr, dass die wenigen, noch zur Verfügung stehenden Priester, denen unsere Achtung und Solidarität gehört, sich in ihrem Bemühen, ständig zunehmender Belastung gerecht zu werden, aufreiben.“

Die deutschen Bischöfe sollten sich dafür in der Weltkirche „und vor allem in Rom mit Nachdruck“ einsetzen. Gegebenenfalls könne es auch eine Ausnahmeregelung für Deutschland geben. Unterzeichner der Erklärung „Wie dem zunehmenden Priestermangel begegnet werden kann“ sind acht CDU-Politiker, die fast alle dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehörten oder noch angehören. Neben Bundestagspräsident Norbert Lammert und den früheren Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, Erwin Teufel und Dieter Althaus tragen Bundesbildungsministerin Annette Schavan, Familien-Staatssekretär Hermann Kues, der NRW-Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg und der frühere ZdK-Generalsekretär Friedrich Kronenberg den als „Bitte“ formulierten Appell mit.

Die Erklärung verweist darauf, dass die Würzburger Synode (1971–75), das letzte große Treffen der Bistümer in der Bundesrepublik, bereits die Frage der „viri probati“ diskutiert hatte. Damals kam es wegen eines Vetos der Bischöfe nicht zu einem Beschluss der Synode. „Die Bischöfe haben aber in ihrer Begründung ausdrücklich gesagt, wenn der Priestermangel weiter zunehmen sollte, müsste über diese Frage zu gegebener Zeit wieder gesprochen werden. Und diese Zeit ist nun wirklich gekommen“, sagte Bernhard Vogel, der wie auch andere Unterzeichner an der Synode teilgenommen hatte, in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt warf den CDU-Politikern, die den Vorstoß gegen den Zölibat unternahmen, vor, „sich an der falschen Front zu tummeln“. Die Frage der Ehelosigkeit von Priestern falle „in die Zuständigkeit des päpstlichen Lehramtes und nicht in die von Parlamenten“. Dabei gebe es auf parlamentarischem Gebiet für christliche Politiker „mehr als genug zu tun – etwa im Kampf gegen eine PID-Zulassung, gegen die skandalösen Abtreibungszahlen oder bei der Stärkung von Ehe und Familie“. Auch der Bundestagsabgeordnete und Chef der Jungen Union (JU), Philipp Mißfelder (CDU), widerspach der Forderung seiner Parteikollegen. Gegenüber dieser Zeitung sagte er am Montag. „Ich teile den Vorstoß der acht Unterzeichner nicht.“ Ein Diskussion über innerkirchliche Fragen könne sinnvoll sein, der Zölbat sei „aber nicht die drängendste Frage“. Mißfelder wörtlich: „Ich persönlich halte die Ehelosigkeit katholischer Priester für wichtig, da sie sich so mit ihrem Leben vollkommen in den Dienst Gottes und der Kirche stellen.“ Mißfelder hob hervor, er freue sich auf den Besuch des Papstes in Berlin. Die Politik solle sich mit Freude auf diesen Besuch vorbereiten.

Der Bundestagsabgeordnete Professor Patrick Sensburg (CDU) nahm in seiner Stellungnahme am Montag ebenfalls Bezug auf den Papstbesuch: „Wir sind sehr dankbar und froh, dass der Heilige Vater im September nach Berlin kommt und auch im Bundestag sprechen wird. Es wäre sehr schade, wenn der Eindruck im Vorfeld seines Besuches entstehen würde, als wollte ein Teil der CDU vor diesem Besuch Druck auf den Papst ausüben, um ihm einen ,deutschen Sonderweg‘ in der Frage des Zölibats der Priester abzuringen. Die CDU als solche respektiert die Trennung von Kirche und Staat. Aber auch nur der Eindruck wäre falsch, als würden die acht Unterzeichner für alle Katholiken in der CDU sprechen.“

Als Katholik stehe er ganz hinter den Aussagen des Papstes zum Zölibat der Priester und halte es selbst auch für ein großes Gut in der katholischen Kirche, das „nicht aufgegeben werden darf und auch nicht mit Druckmitteln in eine neue Diskussion gezogen werden sollte“, so Sensburg. „Im Vorfeld des Papstbesuches sollten wir vielmehr überlegen, wie wir diese einmalige Gelegenheit, dass ein deutscher Papst in unsere Hauptstadt kommt, nutzen können, damit dieser Besuch zu einem neuen Aufbruch des Glaubens und zu einer Festigung unserer christlichen Werte führen kann“, betonte der CDU-Politiker. Und weiter: „Die Stärke der katholischen Kirche ist aus meiner Sicht, dass sie nicht jedem Zeitgeist hinterherläuft. Die Abschaffung des Zölibat bringt nichts, was wir bei der evangelischen Kirche leider beobachten können.“

Auch der Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) in der CDU kritisierte die Forderung. Der „Vorstoß einiger älterer CDU-Politiker zur Abschaffung des Zölibats katholischer Priester hat etwas Rührendes und Tragisches zugleich“, sagte AEK-Sprecher Martin Lohmann am Sonntag. Es sei bemerkenswert, dass die Unterzeichner „offenbar ein Problem mit dieser sie selbst nicht betreffenden Form priesterlicher Dienstbereitschaft haben“. Und es sei „seltsam, dass CDU-Politiker offenbar der Ansicht sind, sich in diese theologische innerkirchliche Spezialfrage einmischen zu müssen“. Es sei nicht Aufgabe der CDU, dem Petrusnachfolger öffentlich Vorschläge zu machen. Damit dann auch noch das Jahr, in dem Papst Benedikt XVI. Deutschland besuchen wird, einzuleiten, nennt Lohmann „geradezu peinlich“. Zudem ist es nach seiner Ansicht „zu simpel, den Grund für den leider betrüblichen Priestermangel in Deutschland monokausal in der Verpflichtung zur Ehelosigkeit zu suchen“. Die eigentliche Notlage sei auch nicht der Priestermangel, sondern der Glaubens- und Anbetungsmangel in Deutschland, das neu der christlichen Mission bedürfe.

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