STEPHAN KAMPOWSKI.

Bioethiker in Rom

Am Institut Johannes Paul II. für Ehe und Familie zu lehren ist für Stephan Kampowski eine Ehre. Von Claudia Kock
Foto: Privat | Stephan Kampowski.
Foto: Privat | Stephan Kampowski.

Die Bioethik wurde dem Sohn eines katholischen Wolfsburger Apothekerehepaares praktisch in die Wiege gelegt. „Als ich ungefähr dreizehn Jahre alt war, hatten wir alle drei eine tiefe Bekehrungserfahrung, die mit meiner Mutter angefangen hat und die auch mein Vater und dann ich innerhalb von ein paar Monaten erleben durften und seit der wir gemeinsam versucht haben, Gott ganz konkret in unser Leben zu lassen und aus dem Glauben zu leben.“

Freundlichkeit, Frömmigkeit und Sinn für Humor zeichnen den 1972 geborenen Professor für Philosophische Anthropologie am „Institut Johannes Paul II. für Ehe und Familie“ in Rom ebenso aus wie seine Liebe zur Wissenschaft und der Wunsch, die Dinge „von innen her“ zu erkunden. Er schraubt Computer auf, um ihr technisches Innenleben zu erkunden, verinnerlichte in fünf Jahren seines Studiums an der Franziskanischen Universität in Steubenville/Ohio die englische Sprache so sehr, dass er seine Abhandlungen bis heute auf Englisch schreibt.

Von Steubenville wechselte er an das Internationale Theologische Institut im österreichischen Gaming und im Jahr 2000 an das „Institut Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie“ in Rom, wo er über Hannah Arendt promovierte. Es ging dabei, so Kampowski, „um Handlungstheorie, um die Frage der menschlichen Freiheit, um die Frage der Liebe, ganz theoretische Fragen mit einem praktischen Bezug: Was ist der Sinn des Lebens?“

Das Institut wurde auf Wunsch von Johannes Paul II. errichtet, „als akademisches Institut, das Gottes Plan über Ehe und Familie von verschiedenen Seiten interdisziplinär beleuchtet“. Seine Gründungsgeschichte ist dramatisch: In der Generalaudienz am 13. Mai 1981 wollte Johannes Paul II. die Errichtung offiziell verkünden, aber bevor es dazu kam, trafen ihn auf dem Petersplatz die Schüsse des Attentäters. Das Gründungsdokument trug der Papst in der Tasche. „Dann wurde das Institut also später gegründet, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde“, so Kampowski, „aber für uns ist der 13. Mai der offizielle Gründungstag, und Unsere Liebe Frau von Fatima ist die Patronin des Instituts.“

Anfang 2005 hatte Kampowski eine Professur an der Universität Detroit in Aussicht, als seine römische Alma Mater ihm unverhofft eine Assistentenstelle anbot – mit der Aussicht, aber ohne Garantie, auf einer zukünftige Professur: „Die ersten Jahre, sagte man mir, würden sehr schwierig, man könnte nicht viel verdienen. Aber ich habe mich so gefreut, es schien mir wie ein großer Traum.“ Kurz darauf klingelte sein Handy, mitten auf den Straßen von Rom: die endgültige Zusage aus Detroit. „Ich habe mich bedankt, aber sofort abgelehnt. Und ich habe mich sehr gefreut: Der Herr, die göttliche Vorsehung, hatte mir sogar eine Wahlmöglichkeit gelassen.“ Damit waren die Weichen gestellt. Nach der Assistenzzeit, in der er ein Werk über Biotechnologie und menschliche Freiheit schrieb – vergleichbar mit einer deutschen Habilitationsschrift – folgte eine Vertragsprofessur, und 2010 wurde ihm der Lehrstuhl für Philosophische Anthropologie übertragen, den vor ihm Stanislaw Grygiel innehatte, ein persönlicher Freund von Karol Wojtyla. Für Kampowski bedeutet dies „eine große Ehre und eine große Herausforderung“. Besonders wegweisend im anthropologischen und bioethischen Bereich erscheint Kampowski der Beitrag Benedikts XVI.: „Er hat uns ermutigt, die Theologie des Leibes zusammen mit einer Theologie der Liebe zu lesen und uns damit eine großartige Ermutigung geschenkt.“

Bioethiker  in Rom
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