„Benedikt XVI. gibt Papstamt neue Prägung “

Debatte um „Professor-Papst“: Jaschke widerspricht Jüngel – Auftakt der Sankt-Ansgar Woche

Hamburg (DT/KNA) Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sieht bei Benedikt XVI. eine neue Form des Papstdienstes. Mit seinen Denkanstößen als theologischer Autor wolle der frühere Professor einen Dialog anregen, sagte Jaschke am Samstag in der Hamburger Katholischen Akademie. Benedikt XVI. erwarte für seine Äußerungen Respekt und respektiere auch andere Meinungen. „Vielleicht ist dies eine neue Ausprägung des Papstdienstes, die auch mal gut tut“, so der Weihbischof.

Jaschke widersprach bei der Auftaktveranstaltung zur Sankt-Ansgar-Woche des Erzbistums Hamburg dem Tübinger evangelischen Theologen Eberhard Jüngel. Dieser hatte bei der Eröffnungsdiskussion der Veranstaltungsreihe dagegen plädiert, dass ein Papst sich in Form einer akademischen Lehrveranstaltung äußert. „Ich weiß nicht, ob es gut ist, dass der Papst noch Professor spielt“, so Jüngel wörtlich. Die Veranstaltung hatte die Regensburger Rede von Benedikt XVI. im September 2006 zum Thema. Jaschke räumte ein, die umstrittenen Passagen der Papstrede seien missverständlich gewesen, sie hätten Muslime irritieren und verletzen können. Auch im christlich-islamischen Dialog müsse aber die Frage erlaubt sein, welches Verhältnis Muslime zum modernen Verständnis von Vernunft hätten.

Der katholische Regensburger Theologe Wolfgang Beinert betonte, die Regensburger Rede habe eine zuvor nicht für möglich gehaltene Debatte angestoßen. Viele Unterschiede resultierten daraus, dass Glaubensinterpretationen verabsolutiert würden. Jüngel äußerte sich auch zum christlich-muslimischen Dialog. Die Differenzen zwischen beiden Religionen müssten nüchtern und unpolemisch herausgearbeitet werden, forderte er. Dann sei ein friedliches Miteinander im Alltag möglich. „Das müssen beide Religionen lernen, doch die Muslime noch etwas mehr“, so der protestantische Theologe wörtlich. Er betonte zugleich, anders als sein Tübinger katholischer Kollege Hans Küng halte er ein gemeinsames Weltethos der großen Religionen nicht für möglich.

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