Bedrohte Christen

Erzbischof Schick bekräftigt Forderung nach Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Irak

Köln (DT/KNA) Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat die Forderung nach Aufnahme christlicher Flüchtlinge aus dem Irak in Deutschland und der Europäischen Union bekräftigt. Christen seien über den Bürgerkrieg im Irak hinaus spezifisch bedroht, weil es unter den kämpfenden Gruppen radikale Islamisten gebe, sagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch im Deutschlandfunk. Schick unterstrich, Flüchtlingen müsse unabhängig von ihrem Glauben geholfen werden. Wenn es darum gehe, wo sie am Besten untergebracht würden, müsse klug und vernünftig nachgedacht werden. Dabei seien christliche Flüchtlinge in christlichen Ländern besser aufgehoben als muslimische. Der Erzbischof wies Befürchtungen zurück, mit der Aufnahme irakischer Flüchtlinge könnten Terroristen eingeschleust werden. „Wir dürfen nicht aufgrund solcher Ängste, die gegebenenfalls auch geschürt werden können, die Aufnahme von Flüchtlingen verhindern“, sagte Schick. Er nannte es fatal, wenn durch die Fluchtbewegung im Irak eines Tages keine Christen mehr leben sollten. Der Irak gehöre zu den Kernländern des christlichen Glaubens. Es sei unklar, wie viele Christen fliehen wollten. Sicher sei, dass sich die Zahl der Christen im Land schon sehr stark reduziert habe.

Die Innenminister der Europäischen Union beraten am Donnerstag in Brüssel über einen deutschen Vorstoß, Flüchtlinge aus dem Irak aufzunehmen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte sich im April und Juni bei seinen Amtskollegen dafür eingesetzt, in Absprache mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR besonders verfolgte religiöse Minderheiten in der EU anzusiedeln. Im Irak gibt es nach Schätzungen von Hilfswerken 2,7 Millionen Binnenflüchtlinge; weitere 2,2 Millionen Iraker suchen Zuflucht in Anrainerstaaten. Ihre Lage verschlechtert sich, da die Aufnahmeländer teilweise überfordert sind. Beobachter gehen davon aus, dass gut 800 000 Angehörige religiöser Minderheiten auf der Flucht sind.

Themen & Autoren

Kirche