„Aufruf zum Gehorsam“ kontert Schüllers Pfarrer-Initiative

Nein zu neuen Pfarr-Vorstehern mit „eigenen Titeln und eigenem Standesdünkel“ Von Stephan Baier

Wien (DT) Während der Vorsitzende der österreichischen „Pfarrer-Initiative“, der frühere Wiener Generalvikar Helmut Schüller, derzeit in zahlreichen Interviews seinen „Aufruf zum Ungehorsam“ („Die Tagespost“ berichtete) begründet und verteidigt, ist nun ein Gegenaufruf publiziert worden. Der 2006 in Liechtenstein von Erzbischof Wolfgang Haas geweihte und in Wien bei „Gloria-TV“ tätige Kaplan Markus Doppelbauer stellte am 22. August einen „Aufruf zum Gehorsam“ online, der sich in Stil und Diktion an den Aufruf des Vorstands der „Pfarrer-Initiative“ anlehnt, jedoch die gegenteilige Einstellung spiegelt.

Wörtlich heißt es in dem Text, der bis Freitagmittag mehr als tausend Unterstützer – darunter rund 70 Priester und Diakone – fand: „Seit Jahrzehnten bemühen sich die Päpste und die Römische Kurie, den Glauben und das kirchliche Leben in unseren reich und satt gewordenen Ländern zu erneuern. Sie stoßen mit ihren Reformbemühungen auf viel Widerstand. Darum wollen wir ihnen unsere Unterstützung und Hilfe zusagen.“

Parallel zu den sieben Selbstverpflichtungen des im Juni publizierten „Aufrufs zum Ungehorsam“ heißt es im neuen „Aufruf zum Gehorsam“ etwa: „Wir werden zukünftig in jedem Gottesdienst und im persönlichen Gebet eine Fürbitte um eine echte Reform der Kirche sprechen. Diese Reform soll der gegenwärtigen Trägheit entgegenwirken und in uns das Feuer des Heiligen Geistes und der Hingabe an die Kirche vermehren.“ Gläubige sollen „sorgfältig auf den Empfang der Heiligen Kommunion vorbereitet werden“, die Gemeinschaften sollen „für unsere Nachbar-Gemeinschaften offen sein, damit jeder am Sonntag seine Sonntagspflicht erfüllen kann“.

Im Gegensatz zum Text der von Pfarrer Helmut Schüller geführten Initiative, der „liturgische Gastspielreisen“ durchreisender und ortsfremder Priester ablehnt, heißt es in diesem Aufruf: „Wir sind dankbar für ortsfremde Priester, die oft – wie die Apostel – lange Wegstrecken zurücklegen, um für uns das einzige Opfer Christi darzubringen.“

Gegen die Forderung der „Pfarrer-Initiative“ nach verheirateten oder unverheirateten, männlichen oder weiblichen, haupt- oder nebenamtlichen „Vorstehern“ von Pfarreien heißt es in dem „Aufruf zum Gehorsam“ (www.aufruf-zum-gehorsam.eu) wörtlich: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass keine neuen hierarchischen Ebenen und Vorsteher mit eigenen Titeln und eigenem Standesdünkel in den Pfarreien eingeführt werden. Wir brauchen nicht mehr Karrieristen, sondern mehr demütige Zusammenarbeit, die dem Evangelium und nicht der Selbsterhöhung dient.“

Das Wort Gottes werde nur dann glaubwürdig verkündigt, „wenn die Laien zusammen mit den Priestern und nicht gegen sie arbeiten“. Der Aufruf erklärt sich solidarisch mit jenen Priestern, „die in einer sehr schwierigen Situation treu zu ihrem Amt stehen und ihre Aufgabe im Gegenwind ausüben“.

Laien fordern: Pfarrer sollen ihren Aufruf zurücknehmen

Auch die „Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände“ (AKV), ein Dachverband der katholischen Laienverbände in Österreich, kritisiert den „Aufruf zum Ungehorsam“ der „Pfarrer-Initiative“ scharf. Die gewählte Form des Ungehorsams und der öffentliche Druck seien „völlig inakzeptabel“. Ein solches Verhalten dürfe „nicht zum Umgangston innerhalb des Christentums werden“, heißt es in einer Presseaussendung des AKV-Präsidiums vom Freitag.

Die „Pfarrer-Initiative“ solle den „formellen Aufruf zum Ungehorsam auch formell in der Öffentlichkeit als Übertreibung zurücknehmen“, fordert das AKV-Präsidium, das die Behauptung von Pfarrer Helmut Schüller bestreitet, dass die Anliegen des „Aufrufs zum Ungehorsam“ von der Mehrheit der Laien in der Kirche unterstützt würden. Die „Pfarrer-Initiative“ habe niemals mit der AKV oder mit dem Laienrat auch nur Kontakt aufgenommen.

Deutliche Kritik am „Aufruf zum Ungehorsam“ des Vorstands der „Pfarrer-Initiative“ übte unterdessen auch der Altabt von Heiligenkreuz, Gregor Henckel Donnersmarck. In einem Interview der Tageszeitung „Kurier“ sagte er, Gehorsam habe „auch etwas Befreiendes“. Die Kirche solle sich „auf keinen Fall auf Themen abdrängen lassen, die mit dem Glauben direkt nichts zu tun haben“. Abt Gregor Henckel Donnersmarck wörtlich: „Es geht um die unveränderliche Botschaft. Man sollte sich nicht Modeerscheinungen unterwerfen.“ Die Vorschläge der „Pfarrer-Initiative“ seien „der falsche Weg“.

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun rief die „Pfarrer-Initiative“ zur Einheit mit der Kirche auf. Er schätze die vielen Qualitäten ihres Initiators Helmut Schüller, sagte Bischof Laun der Tageszeitung „Österreich“: „Gerade darum wünsche ich mir von Herzen, dass er wieder ganz in die Einheit mit der großen, wunderbaren Weltkirche und zu ihrer Leitung zurückfindet.“

Die Pastoralamtsleiterin der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel, meinte dagegen in „thema kirche“, dem Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien: „Auch ich wünsche mir, dass in Sachen der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt der Heilige Geist der Kirche noch einmal etwas Neues zeigt und neue Wege eröffnet. Wenn es hier einmal Veränderungen gibt, dann wohl nicht aus praktischen oder strategischen Überlegungen, sondern aus tieferer theologischer und geistlicher Einsicht.“

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16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier