Auf der Spur des heiligen Liudger

Felix Genn als 76. Bischof von Münster eingeführt – Neuanfang im drittgrößten deutschen Bistum

Münster (DT) Mit einem feierlichen Gottesdienst im überfüllten Dom ist Felix Genn am Sonntag als 76. Bischof von Münster eingeführt worden. Dabei versicherte Genn, der bisher Bischof von Essen war, dass er in die Spur des Gründerbischofs von Münster, des heiligen Ludgerus, eintrete, der in Essen-Werden begraben sei. „Ich gehe den Weg Liudgers vom Grab nach Münster zurück und folge seiner Spur des Glaubens“, hob der neue Oberhirte des mit über zwei Millionen Katholiken drittgrößten deutschen Bistums die Gemeinsamkeiten „seiner“ beiden Diözesen hervor. Zu Beginn hatte der Metropolit der Kölner Kirchenprovinz, Joachim Kardinal Meisner, daran erinnert, dass der Bischof immer zuerst ein Beschenkter sei, dem sein Amt übergeben werde.

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Périsset, betonte, es gebe eine einleuchtende Begründung dafür, dass Genn erst drei Monate nach seiner Ernennung in Münster eingeführt werde, denn vor 1204 Jahren, am 30. März 805, sei der heilige Liudger zum Bischof von Münster geweiht worden. Anschließend überreichte der Nuntius Bischof Genn die päpstliche Ernennungsurkunde. Nachdem das Domkapitel sich von der Rechtmäßigkeit der Urkunde überzeugt hatte, verlas Dompropst Josef Alfers die deutsche Übersetzung des Schreibens. Danach überreichte der langjährige Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, seinem Nachfolger den Bischofsstab. Von Kardinal Meisner zur Kathedra geführt, nahm Genn auf dem Bischofsstuhl Platz und damit zugleich symbolisch Besitz vom Bistum Münster. Stellvertretend für alle Stände versicherte Dompropst Alfers Treue, Gehorsam und Ehrfurcht, bevor Vertreter aller geistlichen Dienste, Gruppen und Verbände vor den neuen Bischof traten. In seiner Predigt lud Genn alle ein, sich vom Wort Gottes ansprechen zu lassen. Der Grundauftrag der Kirche bestehe darin, Menschen zu helfen, Jesus kennenzulernen, unterstrich der frühere Trierer Weihbischof. Die Kirche sei nämlich nicht in erster Linie eine „Agentur für Werte und Sinnfragen“, sondern zuerst Verweis auf Jesus, Ort seiner Gegenwart und der Gemeinschaft mit ihm. Ihr eigentlicher Auftrag sei, den Menschen den Blick für Christus zu öffnen, dessen Herrlichkeit in seiner Erniedrigung bestehe. „Jesus lädt uns ein, in seine Fußstapfen und in die Spur des heiligen Liudger zu treten“, so der Prediger. „Es lohnt sich, ihm nachzufolgen, denn wir verkünden das Leben, das den Tod besiegt.“ Am Ende der feierlichen Amtseinführung bescheinigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, dem neuen Bischof, er sei – wie der heilige Paulus – „ein Missionsreisender im besten Sinn des Wortes“. Wie kaum ein anderer Bischof in Deutschland sei er von den Höhenzügen des Hunsrücks über die tiefen Schachtanlagen Essens bis in die Ebenen des Münsterlandes durch die Lande gezogen, um jetzt im Paulus-Bistum eine neue Heimat zu finden. „Du passt einfach hierhin!“, meinte Zollitsch. Die Bischöfe von Münster seien bekannt dafür, dass sie nicht wegschauen, wenn es Probleme zu benennen gelte. „Ich bin mir sicher, als Bischof von Münster wirst du keine Angst haben, auch dann ein Wort in der Öffentlichkeit zu sprechen, wenn es anderen vielleicht unangenehm erscheint“, hob Zollitsch hervor. „Ich spüre in Münster: Man ist gespannt auf den neuen Bischof und man setzt große Hoffnungen in dich, gerade in neue Impulse für die Gemeinden und die Katechese.“

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte Genn seine Unterstützung zu. Wie zuvor Nuntius Périsset und Erzbischof Zollitsch dankte er Genns Vorgänger Reinhard Lettmann, der das Bistum 28 Jahre lang geleitet hatte und – sozusagen als „heimlicher Star“ der Bischofseinführung – mit langanhaltendem Beifall gefeiert wurde. Lettmann sei hochgebildet und tiefgeerdet gewesen, und beides brauche ein guter Hirte in Westfalen noch mehr als anderswo, erklärte Rüttgers. Münster sei ein stolzes Bistum mit einer besonderen Geschichte. Bischof Genn bezeichnete der Ministerpräsident als jemanden, der dienen wolle und sich deshalb auch nicht scheue, die Politik daran zu erinnern, nicht Selbstzweck zu werden. „Ich bin froh, dass Münster mit Bischof Genn einen Hirten bekommt, der diesen Boden vermitteln kann – mit seiner ruhigen, zuhörenden Art“, bekannte Rüttgers.

An der feierlichen Amtseinführung nahmen insgesamt etwa 50 Bischöfe aus dem In- und Ausland, darunter fast alle deutschen Diözesanbischöfe, sowie Vertreter aus Politik, Kirchen und Gesellschaft teil. Zum Abschluss der Messe gab Bischof Genn die Ernennung von Prälat Norbert Kleyboldt zum Generalvikar bekannt. Prälat Martin Hülskamp ernannte er zum Bischöflichen Offizial und Weihbischof Heinrich Timmerevers zum Offizial in Vechta, den Bistumsteil im Oldenburger Münsterland. Alle drei hatten diese Ämter bereits unter Genns Vorgänger Reinhard Lettmann innegehabt.

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